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Compound-Schlauchliner als "Lösung nach Maß" für industrielles Abwasser

28.05.2004

Schlauchverfahren Kanäle

Besondere Probleme erfordern manchmal besondere Lösungen. Auch in der Kanalsanierung, wie ein aktuelles Beispiel aus Nürnberg zeigt. Ein öffentlicher Abwassersammler aus Beton, dessen Abfluss und Bauzustand wesentlich durch korrosive Einleitungen aus einem benachbarten Industriebetrieb bestimmt war, wurde nach dem KM INLINER®-Verfahren per Schlauchlining saniert. Als kompromisslos sichere und zugleich wirtschaftlich vertretbare Lösung baute die KMG Kanal-Müller-Gruppe einen 21 Millimeter starken Compound-Schlauchliner ein. Dieser besteht aus zwei mit unterschiedlichen Harzsystemen getränkten Synthesefilz-Lagen.

Im Nürnberger Stadtteil Doos, an der Grenze zu Fürth, liegt ein umfangreiches Industriegebiet, das unter anderem einen großen Galvanisierungsbetrieb beherbergt. Galvanikabwässer zeichnen sich vor allem durch einen hohen Sulfatgehalt aus. Mit Schwefelverbindungen stehen zementgebundene Bauteile bekanntlich auf Kriegsfuß. Zu diesen jedoch zählt nun auch der über 500 Meter lange Sammler des Gebiets, ein Betonkanal, der teils als Kreisprofil in der Nennweite DN 800, teils als Ei mit den Abmessungen 600/900 Millimeter ausgeführt ist und das Galvanikabwasser in den nachgelagerten Hauptsammler ableitet. Wie kaum anders zu erwarten, machte die korrosive Fracht das im Eigentum der Stadtentwässerung Nürnberg stehenden Betonrohr in überschaubarer Zeit zum Sanierungsfall, dessen Lösung Betreiber und Galvanikbetrieb 2003 in gemeinsamer Auftraggeberschaft in Angriff nahmen.
Einig war man sich von vorn herein darüber, dass nur "No Dig"-Technik für die Sanierung in Frage kam. Denn der halbe Kanalkilometer repräsentiert fast alle nur denkbaren Erschwernisse für einen offenen Neubau. Unter den Werksanlagen beginnend, wechselt die Trasse auf ein Bahngrundstück, unterquert dort zwei Rangiergleise und setzt sich auf einem schmalen Geländestreifen zwischen der Bahn und der BAB 71 fort. Die letzte Haltung schwenkt dann unter die Autobahn und endet in einem Übergabeschacht zum Hauptsammler, exakt unter der Überholspur der Gegenfahrbahn: eine gelinde gesagt, recht schwierige Örtlichkeit, die besondere Anforderungen an Bauorganisation und Verkehrssicherung stellte. Für dieses von daher schon recht anspruchsvolle Projekt bekam die KMG Kanal-Müller-Gruppe, Betriebsstätte Brück, nach öffentlicher Ausschreibung den Zuschlag.
Das von KMG eingesetzte KM INLINER®-Verfahren beruht auf dem Einziehverfahren mit nachfolgender Heißwasser-Härtung. Eingebaut wird ein mit thermisch reaktivem Kunstharz getränkter Synthesefilzliner, der mithilfe eines Kalibrierschlauches formschlüssig im Kanal aufgestellt wird. Die 512 Meter der Nürnberger Sanierungsstrecke wurden mit nur vier Einzelinversionen ausgekleidet; dies beschleunigte den Verfahrensablauf und ermöglichte es, verkehrlich besonders kritisch gelegene Schächte untertage zu "überfahren". Einzig beim Endschacht der vierten, 254 Meter langen Haltung musste die Überholspur der Autobahn zeitweilig gesperrt werden. Auch die weiteren Haltungen wiesen mit 180, 130 und 52 Metern durchaus beachtliche Längen auf, die sich angesichts der sanierten Nennweite auch in erheblichen Gewichten der Liner niederschlugen.
Das präzise Aufkalibrieren solch schwerer Schläuche durch den Druck einer Wassersäule ist in Eiprofilen durchaus nicht ganz einfach. KMG, mit der Thematik schon aus den Sielnetzen der Hansestadt Hamburg vertraut, hat deshalb eine Modifikation des üblichen Kalibrierungsverfahrens entwickelt, die auch in Nürnberg zum Einsatz kam. Dabei wird zuerst ein Kalibrierschlauch hydraulisch in den liegenden Liner inversiert. Während der Kalibrierschlauch bei üblicher Vorgehensweise den Liner durch vollständige Wasserfüllung aufstellt und an die Rohrwand presst, bauten die KMG-Techniker in Nürnberg eine pneumatische Druckschleuse in den Kopf des Inversionsturms ein und stellten den Schlauch durch Luftdruck schrittweise auf. Dass man hierbei auch wieder Luft ablassen und den Druck reduzieren kann, erlaubt es dem Schlauch, in mehreren Phasen eine optimale, faltenfreie Lage im Kanal einzunehmen. Steht er unter Luftdruck formschlüssig im Rohr, findet über die Schleuse ein kontrollierter Austausch von Luft gegen Wasser statt, bis der Liner scheitelhoch nur noch mit Wasser gefüllt ist. Das alles dauert geringfügig länger als die herkömmliche hydraulische Kalibrierung, führt jedoch in großen Eiprofilen zu einem absolut problemlosen Einbau, bevor die Liner schließlich über Nacht durch kontrollierte Erhitzung der zirkulierenden Wasserfüllung aushärten.
Nicht nur installationstechnisch stellte sich KM INLINER® in Nürnberg innovativ dar. Auch das eingebaute Schlauchlinersystem verdiente sich dieses Prädikat. Während der eigentliche, an der Rohrwand anliegende Liner mit herkömmlichem ISO NPG-Harz getränkt war, wechselte man beim Kalibrierschlauch das Harzsystem. Der Kalibrierschlauch, der bei diesem Verfahren als Innenlage im Liner verbleibt und damit die eigentliche Kontaktfläche zum Abwasser bildet, wurde angesichts des aggressiven Abwassers werkseitig mit einer chemisch hoch belastbaren Vinylesterharz-Rezeptur gefertigt.
Der Sinn dieser Compound-Lösung ist leicht nachvollziehbar: Während auch der Verbund die volle statische Leistung bringt, sorgt die VE-Harz-Innenschicht für die Erfüllung der besonderen chemischen Vorgaben. Dass der "Körper" des Liners ansonsten mit dem deutlich kostengünstigeren UP-Harz getränkt ist, führt zu einer technisch gleichwertigen, aber klar ökonomischeren Lösung gegenüber einem reinen Vinylesterharz-Schlauchliner. Alles in allem hat sich die in Nürnberg zeitgenau und zur vollen Zufriedenheit der Auftraggeber eingebaute verfahrens- und materialtechnische KM INLINER®-Variante nicht zuletzt für den Einsatz in industriellen Abwasserleitungen mittlerer und großer Nennweiten empfohlen.

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