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Grabenloser Leitungsbau - Buchbesprechung mit Prof. Stein

01.06.2004

Aufgrund des allgemein gestiegenen Umweltbewusstseins und der zunehmenden Infrastrukturprobleme in innerstädtischen Gebieten wird der grabenlose Leitungsbau in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen. Dieses Buch gewährt allen mit dem Leitungsbau befassten Personen und Unternehmen für die Planung und Ausführung dieser Baumaßnahmen eine fundierte Hilfestellung. Angesichts der zahlreichen Nachteile, die durch die offene Bauweise entstehen und des wachsenden Umweltbewusstseins der Bevölkerung wird der grabenlose Leitungsbau als Alternative bei der Planung und Bauausführung von Leitungen und Leitungsnetzen bzw. – netzbereichen sowohl für die Verlegung von Strom- und Kommunikationskabeln als auch für Rohrleitungen immer wichtiger. Der grabenlose Leitungsbau hat durch internationale Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sowie konstante Optimierung der Maschinen- und Verfahrenstechniken ein sehr hohes technisches Niveau erreicht, praktisch alle Arten von Ver- und Entsorgungsleitungen unabhängig von der Nennweite bzw. dem Außendurchmesser sowie den geologischen und hydrogeologischen Randbedingungen können nunmehr umweltfreundlich in geschlossener Bauweise, d.h. unterirdisch, verlegt werden.

bauingenieur24: Herr Professor Stein, im Bereich des grabenlosen Leitungsbaus existieren eine Vielzahl einsetzbarer Verfahren, in welcher Hinsicht unterscheiden sie sich?  

Prof. Stein:
Die Verfahren weichen hinsichtlich ihrer maschinentechnischen und ihrer bauverfahrentechnischen Arbeitsweise sowie Einsatzspektren und Leistungsfähigkeit teilweise stark voneinander ab. Als Hauptunterscheidungsmerkmale können die Zugänglichkeit der Ortsbrust, also unbemannt arbeitende Verfahren oder bemannt arbeitende Verfahren, und die ständige Positions- und Lagebestimmung sowie der Richtungskorrektur des Bohr- oder Verdrängungskopfes oder der Vortriebsmaschine, das heißt nichtsteuerbare oder steuerbare Verfahren, herangezogen werden.
Der grabenlose Leitungsbau ist besonders wegen der Komplexität der Materie bekannt. Was sagen Sie zu dieser Problematik?

Es ist natürlich so, dass der grabenlose Leitungsbau spezielle Fachkenntnisse über die jeweiligen, individuellen Einsatzmöglichkeiten und –grenzen der verschiedenen zur Verfügung stehenden Verfahren erfordert. Alle Arbeiten, insbesondere im innerstädtischen Bereich müssen unter Berücksichtigung einer Vielzahl leitungsspezifischer Randbedingungen geplant und realisiert werden.

Zu diesen relevanten leitungsspezifischen Randbedingungen, welche die Wahl der geeigneten Verfahrenstechnik maßgeblich beeinflussen, zählen z.B. Leitungsart und –durchmesser bzw. Rohrgeometrie und –werkstoff, Betriebsart der Rohrleitung als Unter- oder Überdruck- sowie Freispiegelleitung, Verlegevariante, Geologie und Hydrogeologie, Bäume und Bewuchs, Verkehrsverhältnisse und Zuwegung, der Platz, der für die Baustelleneinrichtung zur Verfügung steht, Art und Aufbau der Leitungsnetze bzw. –systeme, Vortriebslänge bzw. Bohrdistanz usw.

Die Komplexität des Entscheidungsprozesses für die Auswahl des geeigneten Verfahrens wird an Hand dieser ganzen Einflussfaktoren deutlich und verlangt ein hohes Maß an Fachkompetenz seitens der Planer, Auftragnehmer und Auftraggeber.
Welche Hilfestellungen gewährt nun ihr neues Buch für die Praxis?

Zum ersten Mal wird hier umfassend das große Verfahrensspektrum auf diesem Gebiet vorgestellt. Neben der Beschreibung von Arbeitsweise und -ablauf sowie Ausrüstung jedes einzelnen Verfahrens vom Verdrängungshammer über Spülbohrverfahren bis zum Rohrvortrieb werden auch die jeweiligen Einsatzbereiche und Anwendungsgrenzen nach neuesten Erkenntnissen und Praxiserfahrungen dargestellt.

Diese Fachinformationen helfen bei der Planung und Ausführung von Leitungsbaumaßnahmen und erlauben eine wirtschaftlich und technisch optimale Auswahl der Verfahrenstechnik für den jeweiligen Anwendungsfall in Abhängigkeit der zahlreichen örtlichen und systembedingten Randbedingungen. In einem Glossar als Anhang sind fachliche Begriffe und Definitionen zusammengestellt – auch hier haben wir Pionierarbeit mit Vorschlägen für einheitliche Definitionen bzw. für fehlende Bezeichnungen geleistet.
An welche Leserschaft richten Sie ihr Kompendium?  

Dieses Buch richtet sich an Fachleute in der Praxis, in Behörden, Ingenieurbüros und Unternehmen, ebenso wie an Studierende des Grundbaus und der Bodenmechanik. Ich hoffe, dass die Leser vielfältige Hilfestellungen und weiterführende Informationen zur Lösung von möglichst vielen theoretischen und praktischen Problemen bekommen. 
Herr Professor Stein, vielen Dank für das Gespräch!

Der Autor:
Univ. Prof. Dr. Ing. Dietrich Stein ist langjähriger Hochschullehrer an der Ruhr-Universität Bochum für das Fachgebiet Leitungsbau und Leitungsinstandhaltung und Mitinhaber des auf diesen Gebieten arbeitenden Ingenieurbüros Prof. Dr. Ing. Stein & Partner GmbH im Technologiequartier Bochum.

Er ist als Autor bzw. Herausgeber der Standardwerke des Fachbereichs national und international bekannt. Als Leiter und als Mitglied verschiedenster in- und ausländischer Gremien und Ausschüsse und als Vizepräsident der International Society for Trenchless Technology (ISTT) beteiligt er sich an der notwendigen Weiterentwicklung des einschlägigen Normen- und Regelwerkes sowie der Förderung und Umsetzung innovativer Ideen in Forschung und Entwicklung.
 


Dieser Artikel ist im Jahre 2004 auf www.bauingenieur24.de erschienen. Der behandelte Titel ist in der Printverion nicht mehr lieferbar. Große Teile des Inhalts sind unter im Fachinformationssystem auf www.unittracc.de verfügbar.

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