Leitfaden Mikrotunnelbau / Hrsg.: MUNLV NRW, Redaktion: Prof. Dr.-Ing. D. Stein, A. Brauer (2005)

Bauausführung

Die Vortriebsanlagen zeichnen sich durch einen hohen Mechanisierungsgrad aus, der den Einsatz entsprechend spezialisierter und qualifizierter Bauunternehmen erfordert.

Eine fachgerechte und sichere Bauausführung bei der Verlegung von Kanälen in geschlossener Bauweise wird durch die Vergabe an Bauunternehmen erreicht, die den Nachweis der speziellen Fachkunde und Eignung z.B. nach DIN 1960 (VOB/A §8(3)) [DIN1960-Aa] erbringen (Abschnitt 12.3).

Die RAL-Gütesicherung GZ 961 [RAL03][107] enthält hierzu Anforderungen an Personal, Geräte, Aus- und Weiterbildung, Festlegungen zu Art und Umfang einer Eigen- und Fremdüberwachung, Einsatz von Nachunternehmern, Bezug von Lieferungen und Fremdleistungen.

Der Auftraggeber kann sich eines "Systems zur Prüfung von Lieferanten oder Unternehmen" gemäß EG-Richtlinie vom 17.09.1990 bedienen (Anhang A der DIN EN 12889 [DINEN12889c]). Die Gütegemeinschaft Herstellung und Instandhaltung von Abwasserleitungen und -kanälen e.V. - Güteschutz Kanalbau, Bad Honnef bietet ein solches System. Im vorliegenden Anwendungsfall sollte der Auftragnehmer mindestens Gütezeicheninhaber der Beurteilungsgruppe V 2 bzw. V 3 sein (Tabelle 13-1).

Tabelle 13-1: 

Beurteilungsgruppen nach RAL-GZ 961 [RAL03]

Beurteilungsgruppe Tätigkeitsbereich des Gütezeicheninhabers
V 1 Grabenlose und bemannte Herstellung von Abwasserleitungen und −
kanälen aller Werkstoffe und Nennweiten.
V 2 Grabenlose und unbemannte Herstellung von Abwasserleitungen
und −kanälen aller Werkstoffe und Nennweiten durch steuerbare
Vortriebsverfahren mit automatischer Aufzeichnung der
Vortriebskräfte und kontinuierlicher Aufzeichnung der
Lageabweichung.
V 3 Grabenlose Herstellung von Abwasserleitungen und −kanälen
aller Werkstoffe mit Nennweiten ≤ DN⁄ID 250

Mit den Verfahren des Pilotrohr-Vortriebs und des Mikrotunnelbaus lassen sich auf Grund ihrer eigenen maschinen- und verfahrenstechnischen Anforderungen qualitativ hochwertige Bauleistungen erbringen, welche eine erhebliche Verlängerung der Nutzungsdauer der so verlegten Kanäle gewährleisten. Diese Tatsache zieht signifikante Einsparungen bei den Gesamtkosten der Abwasserentsorgung und damit der Abwassergebühren nach sich (mit einer längeren Nutzungsdauer kann z.B. der Abschreibungszeitraum entsprechend angepasst werden und die Abschreibungsbeträge lassen sich reduzieren) und liegt insbesondere in den folgenden Punkten begründet [Möhri] :

  • Durch die Anforderungen an Vortriebsrohre und ihre Rohrverbindungen gemäß ATV-A 125 [ATVA125a] bzw. DIN EN 14457 [DINEN14457] ergeben sich gegenüber in offener Bauweise verlegten Rohren u.a. größere Wanddicken, höhere Festigkeiten und geringere Toleranzmaße, dadurch werden die Sicherheiten gegen Beanspruchungen aus Scherlasten, Abrieb, Korrosion, Hochdruckspülung etc. vergrößert.
  • Das Einpressen oder Einschieben der Vortriebsrohre gewährleistet eine größere Lagegenauigkeit des Kanals und eine geringere Beeinflussung des gewachsenen Bodens in der Leitungszone, so dass eine optimale Bettung erzielt wird.
  • Durch die Systementflechtung, d.h. die Einbindung der Anschlussleitungen in die Schächte und nicht direkt in den Kanal, für die der grabenlose Leitungsbau geradezu prädestiniert ist, lässt sich eine der späteren Hauptschadensursachen (schadhafter Anschluss in 27 % der aufgetretenen Schadensfälle [Berge02]) bei Kanälen eliminieren.

Leitfaden Mikrotunnelbau / Hrsg.: MUNLV NRW, Redaktion: Prof. Dr.-Ing. D. Stein, A. Brauer (2005)