Spektakuläre Rohrmontage in der Vertikalen

19.01.2021

Verdoppelung der Turbinenleistung in Finhaut

Rot markiert ist die Versetzung des Turbinengebäudes um ca. 200 Meter nach unten. [Quelle: EADIPS®]

Ein langfristiges Projekt

Nach etwas mehr als einem Jahr Bauzeit konnte im September 2019 die neue Wasserkraftanlage im schweizerischen Finhaut in Betrieb genommen werden. Allerdings hat die Realisierung des Kleinstkraftwerkes Finhaut insgesamt zehn Jahre gedauert: von der Projektierung im Jahr 2008 bis zum ersten Spatenstich im Sommer 2018. Das Wasser von einem Bach und drei Quellen wurde zusammengefasst, um es in die Füllkammer des Kleinstkraftwerkes mit vorgeschaltetem Sandfang zu leiten.

Die Topographie des Standorts und die geologischen Verhältnisse haben es Ingenieuren und Technikern schwer gemacht: „Wo sich die Turbinenhalle befindet, ist der Hang extrem steil. Es gab nur sehr wenig Platz für die Installation der gesamten Anlage, die auf dem Fels gebaut wurde“, so Jérôme Antonin, Chef des Projektes bei der SEICTélédis- Gruppe.

Im Jahr 2009 wurde in einem Teilstück der Straße zwischen Finhaut und Emosson im Kanton Wallis eine Trinkwasserleitung verlegt. In ihrem Graben war zusätzlich ein Kunststoff-Leerrohr eingebaut, um später Wasser des Baches Le Besson und der Quellen von Finhaut für den Turbinenbau zur Stromgewinnung nutzen zu können.

Nur 200 m für 10 bar

Offene Bachquerung mit beidseitigen Widerlagern. [Quelle: EADIPS®]

In späteren Jahren ergaben verschiedene Machbarkeits- und Rentabilitätsstudien, dass mit Hilfe der örtlichen Gegebenheiten der Wasserdruck um 10 bar erhöht und damit eine Verdoppelung der Turbinenleistung erreicht werden könnte. Dafür musste allerdings das Turbinengebäude um ca. 200 m versetzt werden.

Komplexe Herausforderungen

Im Sommer 2018 konnte man mit dem Bau der neuen Leitungen beginnen. Neben dem hohen Wasserdruck, dem die Leitungen standhalten mussten, stellten sich den Verantwortlichen noch eine Reihe weiterer bauliche Herausforderungen in den Weg, die es zu meistern galt: die offene Bachquerung, die Querung der Kantonsstraße und nicht zuletzt der komplexe Einbau der Rohre im untersten Bereich mit seinen fast senkrecht abfallenden Felswänden. Aus all diesen Gründen wurde ein Rohr gesucht, das nicht nur die hohen Wasserdrücke aufnehmen konnte, sondern auch leicht zu verlegen war. Das Kunststoffrohr kam hierfür definitiv nicht mehr in Frage.

Rohre am Helikopter

Die Gruppe SEIC-Télédis, die für die Projektierung und Bauausführung verantwortlich zeichnete, entschied sich in dieser Ausgangslage für den Einsatz von duktilen Gussrohren DN 400 mit Zementmörtelumhüllung [1] und BLS®-Steckmuffen-Verbindungen der Firma Hagenbucher. Mit duktilen Guss-Rohrsystemen hatte man bei ähnlich gelagerten Projekten sehr gute Erfahrungen gemacht, und ihr Einsatz hatte sich bewährt. Dank der unkomplizierten Montage war es möglich, die Rohre noch am Helikopter hängend schubgesichert zusammenzufügen.

Die versetzt neu erstellte TBZ in schwer gangbarem Gelände mit fast senkrecht abfallender Zuleitung. [Quelle: EADIPS®]

Voller Körpereinsatz in steilstem Gelände. Die BLS®-Verbindung von Hagenbucher nimmt die senkrecht wirkenden Zugkräfte problemlos auf. Die Rohre wurden per Helikopter angeflogen. [Quelle: EADIPS®]

Seit September 2019 produziert die Anlage Strom: Mit einer Leistung von rund 420 kW wird sie jährlich 1,2 GWh erzeugen, was den Bedarf von ca. 300 Haushalten abdeckt. „Wir sind sehr stolz auf diese Leistung“, sagt Roland Voeffray, Präsident von STEVT, „die den Wert der natürlichen Ressourcen unseres Tals weiter steigert und die Ziele der Energiestrategie 2050 erfüllt, die auf eine Steigerung der einheimischen Wasserkraftproduktion abzielt.“ Ein Projekt, das auch mit der Energiestrategie der Gemeinde Finhaut übereinstimmt. Als „nachhaltiges Dorf“ in der Mont-Blanc-Region arbeitet Finhaut an der Förderung erneuerbarer Energien.

Das Unternehmen Hagenbucher bedankt sich bei allen Projektbeteiligten für das entgegengebrachte Vertrauen und die gute Zusammenarbeit.

Das Projekt in Zahlen
3 Mio. SF: Budget für den Bau
423 kW: Elektrische Leistung der Anlage
1,2 GWh: voraussichtliche jährliche Produktion
3.000 Haushalte: Stromabnehmer
186 m: Steilhanglage
425 m: Länge der Gussrohr-Druckleitung
2 Mio m³: Volumen der Turbine
Autor Projektierung und Ausführung
Marco Nussbaumer Groupe SEIC-Télédis, Vernayaz
TMH Hagenbucher AG  
Friesstraße 19, CH-8050 Zürich Ingenieur
Tel.: +41(0)44 3064755 Holinger SA, Martigny
m.nussbaumer@hagenbucher.ch  
  Einbau
Bauherr Pierroz Christophe SA,
STEVT (Société de Turbinage
des Eaux de la Vallée du Trient)
Martigny-Croix
Literatur

[1] DIN EN 15542:2008-06: Rohre, Formstücke und Zubehör aus duktilem Gusseisen – Zementmörtelumhüllung von Rohren – Anforderungen und Prüfverfahren

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