22. Lindauer Seminar 2009: Wieder ein voller Erfolg und viel positives Feedback

11.03.2009

Das 22. Lindauer Seminar "Praktische Kanalisationstechnik - Instandhaltung von Kanalisationen"  zu dem die JT-elektronik GmbH am 5. und 6. März 2009 nach Lindau eingeladen hatte, stand ganz im Zeichen mehrerer aktueller Untersuchungen, deren Ergebnisse hier präsentiert wurden und einstimmig zum gleichen Resultat kommen: Die aktuellen Investitionen in die Instandhaltung der öffentlichen und privaten Abwassernetze sind unverändert völlig unzureichend - und das schon so lange, dass sich ein erheblicher Sanierungsstau aufgebaut hat. Der Lichtblick: Immerhin beginnt sich in Sachen Grundstücksentwässerung nach NRW nun auch in Hessen etwas zu bewegen, wie Referenten aus Frankfurt und Kassel aufzeigten. Technologische Quantensprünge waren in Lindau diesmal nicht zu registrieren, mit Interesse wurde allerdings von den über 450 Zuhörern in der vollbesetzten Inselhalle aufgenommen, dass die 3D-Kanalverlaufsvermessung sich in der Praxis offensichtlich bewährt.

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Max Dohmann, Aachen, der die Veranstaltung gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr.-Ing. F. Wolfgang  Günthert, Universität der Bundeswehr München, leitete, begann seinen Einführungsvortrag mit einer leicht nachvollziehbaren Rechnung: Bei einem Wiederbeschaffungswert der öffentlichen Kanalisationen von 386 Milliarden € und einer Abschreibungsdauer von 70 Jahren müssten folgerichtig 4,8 Milliarden € jährlich in die Netze reinvestiert werden. Tatsächlich fließen aber nur 1,8 Milliarden € zurück in den Untergrund. Bei diesem Investitionsverhalten müssten die Systeme 260 Jahre lang halten. Einzelne Netzbetreiber setzten offensichtlich sogar allen Ernstes auf eine Lebensdauer von 500 Jahren und mehr, so Prof. Dohmann.

Zu gleichem Ergebnis kam für Bayern Ministerialrat Dipl.-Ing. Erich Englmann, der die Ergebnisse einer Studie des Bayerischen Umweltministeriums zum "Zustand der Kanalisationen" vorstellte. 90.000 Kilometer öffentlicher Netze und rund 11.300 Kilometer Hausanschlusskanäle waren in einer Stichprobenuntersuchung auf Ihren Bauzustand untersucht worden. Ernüchternd auch hier das Resultat: 12.500 Kilometer der kommunalen Leitungen ( d.h.  15,7 %) sind bereits kurz- und mittelfristig sanierungsbedürftig. Daraus resultiert ein Handlungsbedarf von 2.000 bis 2.500 Kilometern im Jahr, dem seit 1996 de facto nur 500 Kilometer jährlich sanierter Rohre gegenüber stehen.  Der Rückstand wächst also auch hier unaufhaltsam.  Notwendig wären Investitionen  von 3,6 Mrd. € in die öffentlichen Leitungen und 4 Mrd. € in Schachtbauwerke und Anschlusskanäle. Als unzureichend wurde auch die jährliche Inspektionsrate von 5,7% des Netzbestandes bewertet. Das bayerische Umweltministerium reagiert auf die Studie unter anderem mit der Herausgabe eines an die bayerischen Kommunen adressierten Leitfadens "Untersuchung, Sanierung und Werterhaltung von Kanalnetzen". Nächster Themenschwerpunkt auf der Agenda des Ministeriums wird erklärter Maßen die systematische Untersuchung von Grundstücksentwässerungen sein. Frau Dr. Juliane Thimet, Verwaltungsdirektorin beim Bayer. Gemeindetag, referierte deren Sicht zu Inspektion und Sanierung. Wesentlich für die Zuordnung von Maßnahmen im Kommunaletat Unterhalts-/Reparaturmaßnahme oder Verbesserungs-/Erneuerungsinvestition, weil dadurch die Modalitäten der Abschreibung beeinflusst werden. Im Übrigen stellte Frau Thimet fest, dass innerhalb der nächsten 10 Jahre die bayerischen Hausanschlussleitungen überprüft werden.

Eher noch schlechter ist die Lage nach den Daten, die Dipl.-Ing. Peter Graf von der Kölner aquabench GmbH zum Projekt "Benchmarking Abwasser Bayern" präsentierte. Nach dieser Untersuchung müssten vom tatsächlichen  Zustand her jährlich 4,2 % der Kanäle saniert werden. Dem steht eine Erneuerungsrate von 0,5 % des Bestandes gegenüber - ein drastisches Missverhältnis, wenngleich sich Bayern damit in "guter" Gesellschaft, d.h im Bundesdurchschnitt (0,42 %), bewegt. Einzig NRW mit 0,87 % Erneuerungsrate ragt aus der allgemeinen Investitionsmisere etwas hervor. Angesichts dieser Daten kam schnell die verständliche Frage auf, warum dies bei der Politik offenbar nicht ankomme: Sind Politiker schlecht im Bilde oder schlicht Informations-resistent bzw. nicht einsichtsfähig. Georg Riedl, 1. Bürgermeister von Pfarrkirchen und Repräsentant des Deutschen Städtetages, verwies als Antwort darauf, wie Politik funktioniert: "Mit Kanälen kann man eben keinen Staat machen" - unbefriedigend, aber wohl leider wahr. Dennoch wies er die Forderung zurück, Mittel aus dem Bundes-"Konjunkturprogramm 2" nicht nur in Verkehrswege und Schulen, sondern auch in die Abwassersysteme geleitet werden sollten. Die Abwasserkanäle seien gebührenfinanziert und bei verantwortungsvollem Umgang mit den öffentlichen Mitteln bräuchten die Kommunen daher keine Finanzspritzen.

Ein chronisch "kommendes Thema" ist seit Jahren die Inspektion und Sanierung der Grundstücksentwässerung. Punktuell geht es nun aber entschlossen voran. Das gilt sowohl für NRW im Ganzen, dessen neue Rechtslage Christof Mainz vom NRW-Umweltministerium vorstellte, als auch für Branchen-Leuchttürme wie das Lüner Modell und seinen "Grundstücks-Entwässerungspass", die von Rosi Evers, Stadtbetrieb Abwasserbeseitigung Lünen vorgestellt wurden.  Vereinzelte Bewegung kommt nun aber auch in Hessen auf. Dr.-Ing. Holger Krier erläuterte, wie man sich in der Stadt Frankfurt der "Herausforderung Inspektion von Anschlussleitungen" stellt. Rund 80.000 Anschlussleitungen haben in Frankfurt immerhin eine Länge von 3.200 Kilometern. Kriers zentrale Botschaft war, dass die Stadtentwässerung in Frankfurt die notwendigen Inspektionen zu Lasten des Abwasser-Gebührenhaushaltes durchführen wird - jeweils zusammen mit der Untersuchung der öffentlichen Kanäle. Eine spezielle Herausforderung bleibt aber die Einbindung von Lagevermessungs- und Inspektionsdaten der Anschlussleitungen in die kommunalen Katastersysteme.

Vor der gleichen  Rechtslage (§ 43 Abs. 2 HWG) steht man in Kassel mit über 40.000 Anschlusskanälen, wie Uwe Neuschäfer vom Kasseler Entwässerungsbetrieb darstellte.  Und auch in Kassel wird man die Kosten der Anschlusskanal-Inspektion in den Gebührenhaushalt einstellen.  In Kassel werden alle Anschlusskanäle mit der "Lindauer Schere" untersucht und dabei zugleich mit dem in diese Kamera integrierten System geoASYS dreidimensional eingemessen. Die Verlaufsmessungsdaten fließen in das DV-gestützte Zuleitungskanalmanagement-System "planet", das sie mit ALK und ALB-Daten verknüpft.

Schächte sind die Knoten- und Zugangspunkte jedes Kanalnetzes. Den Komfort digitaler Zustandserfassungen, den man auch schon im Leitungsnetz selbst genießen kann, gibt es seit kurzem auch für die Schachtinspektion. Derzeit sind mehrere digitale Untersuchungssysteme im Einsatz darunter die Lindauer Schachtinspektionskamera LiSka von JT-elektronik. Dipl.-Ing. Andreas Benstem vom Amt für Wasser- und Kreislaufwirtschaft der Stadt Duisburg berichtete über Praxiserfahrungen mit dem vorhandenen technischen Angebot. Diese sind alle voll funktionsfähig und liefern je nach Hersteller hochwertiges und vollständiges Bildmaterial, wie es in der Kanalinspektion längst selbstverständlich ist.

Am 2. Seminartag stand die Sanierung der Kanäle im Blickfeld. Ohne gesamtheitliche Untersuchung, auch aller Anschlusskanäle, kann keine Qualität erreicht werden, und die beginnt bereits bei der Aus- und Weiterbildung. Für Veranstalter Dipl.-Ing. Uli Jöckel  waren nicht nur der volle Tagungssaal und das runde Veranstaltungsprogramm Grund für ein positives Fazit des Lindauer Abwasserseminars 2009, sondern auch eine Begleitausstellung in Rekordbesetzung: Mit  46 Ausstellern war das Foyer der Inselhalle bis in den letzten Winkel gefüllt. Alles in allem eine Veranstaltung die "Lust auf mehr" macht und nächstes Jahr am 4. und 5. März 2010 mit dem schon 23. Lindauer Seminar fortgesetzt wird.

Kontakt:
JT-elektronik GmbH
Frau Sonja Jöckel
Robert-Bosch-Straße 26
88131 Lindau
Tel. 08382-96736-0
Fax 08382-96736-66
E-Mail: sonja.joeckel@jt-elektronik.de 

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