Effizienz steigern – Qualität verbessern

09.12.2019

Seit Beginn des Jahres ist Mario Frieben neuer Vertriebsleiter DACH und seit September 2019 Managing Director bei der Amiblu Germany GmbH. Rund zwei Jahre nach der Europa-Fusion von Amiantit und Hobas berichtet der langjährige Branchenkenner über wichtige strategische Weichenstellungen beim Marktführer für nachhaltige GFK-Lösungen für Trinkwasser, Abwasser, Industrie und Wasserkraft.

Fazit nach 2 Jahren – Amiblu Germany-Managing Director und Vertriebsleiter DACH Mario Frieben im Gespräch über Zukunftsstrategien des Unternehmens

Herr Frieben, Sie sind seit Beginn des Jahres in verantwortlicher Position bei Amiblu tätig, aber dem Werkstoff GFK sind Sie schon länger verbunden.

Mario Frieben: Ja, die Branche und der Werkstoff sind mir schon seit langen Jahren sehr vertraut. Ich war seit 2005 in verschiedenen Positionen bei Hobas in Neubrandenburg tätig, darunter bis zum Jahr 2018 rund 6 Jahre in der Funktion des Vertriebsleiters Deutschland.

Haben Sie den Fusionsprozess, der zur Gründung von Amiblu führte, aktiv mit begleitet?

Mario Frieben: Ja, als Ende 2016 erste Gespräche über einen möglichen Merger der Amiantit Germany GmbH und der Hobas GmbH geführt wurden, bestand für meine europäischen Kollegen und für mich eine besonders spannende Aufgabe darin, die geplante Fusion vorzubereiten und den gesamten Prozess intensiv voranzutreiben.

Nach dem erfolgreichen Abschluss des Mergers in 2017 habe ich mich dann kurzfristig einer neuen beruflichen Herausforderung im Stahl- und Edelstahlrohrleitungsbau gewidmet, bevor ich Anfang 2019 in der Funktion des Vertriebsleiters DACH zu Amiblu zurückgekehrt bin und hier nun noch zusätzlich die Aufgaben des Managing Directors übernommen habe.

Wie hat sich der Zusammenschluss der beiden Unternehmen seit dem Merger entwickelt?

Mario Frieben: Eine Fusion ist ein Prozess, der von allen Beteiligten intensiv gelebt werden muss, damit dieser erfolgreich sein kann. Genau das ist bei Amiblu der Fall. Wir haben bereits in vielen Bereichen die mit dem Zusammenschluss der beiden Einheiten verbundenen Zielvorgaben erreicht. Das Vertriebsteam, als die Speerspitze eines Unternehmens, ist in der DACH-Region mit ca.30 Mitarbeitern und jeweils einem Exklusivpartner in Österreich und der Schweiz, personell hervorragend aufgestellt.

Nun gilt es, im Innendienst und im Backoffice weitere entscheidende Weichenstellungen vorzunehmen. Hierfür haben wir in den Produktions- und Betriebsstätten ein SAP-System ausgerollt. Diesen Baustein gilt es nun optimal zu integrieren, um das Application Engineering, d.h. die Anwendungstechnik und die Produktionsstätten via SAP miteinander so zu vernetzen, dass diese optimal miteinander kommunizieren können.

An welchen europäischen Standorten produziert Amiblu derzeit?

Mario Frieben: Das Unternehmen produziert insgesamt in sechs europäischen Werken. Gemäß dem Businesskonzept der Amiblu-Gruppe ist dabei jedes Werk – anders als vor dem Merger – auf eine individuelle Produktrange spezialisiert. Die beiden deutschen Werke in Trollenhagen und Döbeln konzentrieren sich in erster Linie auf das Rohrgeschäft, auf den Schachtbau sowie auf den Behälter- und Tankbau.

Während das polnische Werk in Danzig auf die Produktion von nicht-kreisrunden Profilen für Sanierungseinsätze spezialisiert ist, ist das Werk in Dąbrowa Górnicza mit der Produktion komplexer GFK-Elemente sowie mit der Fertigung von Rohren mit speziellen Inlinern betraut.

Das spanische Werk verfügt über eine sehr starke Expertise in industriellen Anwendungen, besonders Druckanwendungen, also in der Kraftwerkstechnologie. In Rumänien werden auch Rohrkomponenten produziert, aber in erster Linie – und das federführend –Kupplungen.

Geschleudert oder gewickelt? Sind beide Produktionstechnologien vollkommen gleichwertig?

Mario Frieben: Ja, sowohl das ursprünglich von Hobas entwickelte Schleuderrohrverfahren als auch das von Amiantit angewandte Wickelrohrverfahren nach Flowtite Technologie sind bereits seit über 50 Jahre auf dem Markt und können technologisch als absolut gleichwertig eingestuft werden. Lediglich die Herstellverfahren unterscheiden sich signifikant. Während man beim Schleuderverfahren die Rohstoffe in eine rotierende Matrize einbringt, ist es beim Wickelverfahren anders. Hier werden die Rohstoffe von außen um einen sich drehenden Dorn gewickelt.

Beide Technologien verfügen über individuelle Vorteile. Die Schleudermatrize ist auf eine Baulänge von rund 6 m begrenzt. Beim Wickelverfahren können Rohre quasi endlos gewickelt werden. Beim Schleuderverfahren ist es jedoch möglich, die Trägerschicht wesentlich steifer herzustellen als beim Wickelverfahren. Dagegen können beim Wickelverfahren aus dem Inneren heraus bessere Druckfestigkeiten hergestellt werden, so dass diese für Druckrohrbereiche und für den Vortrieb bestens geeignet sind.

An dieser Stelle wird eine der wesentlichen Zielsetzungen des Mergers klar erkenntlich. Die individuellen technologischen Vorteile beider Verfahren fließen unter einer gemeinsamen Amiblu-Flagge zusammen, worin ein wesentlicher Schritt in Richtung Technologie- und Markt-Leaderschaft besteht.

Und welche strategischen Weichenstellungen stehen derzeit im Fokus?

Mario Frieben: Natürlich befindet sich unser Bordmanagement im intensiven Austausch über die wichtigsten Zukunftsstrategien für das Unternehmen. Um nach dem Merger erfolgreich am Markt agieren zu können, mussten in einem ersten Schritt alle Ausgangsprodukte von Hobas und Amiantit konsolidiert und auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden.

Dabei wurden von Anfang an alle Produkte und Materialien kontinuierlich auf den Prüfstand gestellt, um genau zu analysieren, ob diese den Anforderungen des Marktes vollumfänglich gerecht werden und welche zusätzlichen Produkte zukünftig in das Portfolio des Unternehmens integriert werden müssen, um langfristig erfolgreich unternehmerisch agieren zu können.

Hier standen unter anderem die folgenden Fragestellungen im Fokus: Verfügen wir über die richtigen Produkte und Verfahren? Setzen wir die richtigen Herstellungstechnologien ein? Benötigen wir neue Maschinen oder müssen wir über neue Werkstoffe nachdenken? Auf welchen Märkten können unsere Systemlösungen zukünftig Anwendung finden?

Solche und andere Aspekte richtig einzuschätzen ist nicht nur mit einer strategischen Marktanalyse verbunden, sondern gleichermaßen mit einem intensiven Prozess des innerbetrieblichen Brainstormings, in dem wir den unternehmerischen Status quo mit einem Forecast in die Zukunft kontinuierlich analysieren. Das birgt eine hohe Verantwortung.

Welche Anwendungsbereiche haben Sie im Rahmen dieses Prozesses als besonders zukunftsfähig identifiziert?

Mario Frieben: Amiblu ist kein Rohrhersteller, wir sind vielmehr ein Systemhersteller. Wir bieten verschiedene Systemlösungen für die Ver- und Entsorgung sowie für die Industrie- und Kraftwerkstechnologie an. Dabei ist der deutsche Abwassermarkt und hier besonders die grabenlose Sanierung defekter Abwasserkanäle einer der stärksten Anwendungsbereiche im gesamten Leistungsspektrum des Unternehmens.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der letzten DWA-Studien zum Zustand der Kanalisation in Deutschland sehen wir hier einen starken Zukunftsmarkt. Andere nationale Märkte wiederum bieten weitere Schwerpunktthemen und erfordern alternative Systemlösungen. In der Schweiz stehen eher Anwendungen für die Kraftwerkstechnologie sowie für Bach- bzw. Flussverrohrungen im Vordergrund. Gerade für solche Verrohrungen hat Ambiblu Produkte mit extrem abrasionsfesten Inlinern im Portfolio.

Diese kommen besonders in Österreich und in der Schweiz zur Anwendung, wo aus den Bergen Steine, Geröll, Sand, also extrem abrasive Stoffe, durch Rohrleitungen transportiert werden. Die Leitungen werden somit auf der Innenseite quasi abgeschmirgelt und abgerieben. Hierfür benötigt man Rohrleitungen mit separaten oder integrierten Inlinersystemen, die dann auch eine entsprechende Standfestigkeit beweisen.

Sie bieten mit Amiscreen ein innovatives Stauraumsystem zur Regenwasserbehandlung an. Sehen Sie auch hier einen wichtigen Zukunftsmarkt?

Mario Frieben: Der zunehmende Erfolg von Amiscreen oder generell von leitungsgebundenen Stauraumlösungen mit GFK in den letzten 5 Jahren zeigt sehr deutlich, dass der Markt für Stauraumsysteme – natürlich nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund veränderter hydraulischer Ereignisse infolge des Klimawandels – sehr schnell und rasant wächst. Gerade in Deutschland stellen wir einen sehr hohen Renovierungsbedarf bei alten Stauraumsystemen fest, etwa bei alten Sammelbecken aus Beton oder bei ähnlichen Anlagen. Von daher werden wir uns in 2019 sehr stark sowohl vertrieblich als auch technisch auf diesen Markt konzentrieren.

Digitalisierte Lösungen für die Wasserwirtschaft – Wasser 4.0 – ist derzeit in aller Munde. Welche Lösungen bietet Amiblu hier an?

Mario Frieben: Die Digitalisierung einzelner Funktionsbereiche ist ein Megatrend, der die gesamte Wasser- und Abwasserbranche derzeit umtreibt. Unser Ziel ist es vor diesem Hintergrund, dem Markt anwendungsbezogen Lösungen für sogenannte Smartpipe-Systems, d.h. für intelligente, sich selbst überwachende Rohrsysteme zur Verfügung zu stellen. Nehmen Sie zum Beispiel Stauraumkanäle.

Diese möchten wir mit intelligenter Sensorentechnologie auszurüsten, um valide Informationen darüber zu erlangen, wie sich das System in einem Zyklus verhält. Von hier aus wird es möglich, Prognosen über den Betrieb des Systems in bestimmten hydrologischen Kontexten wie etwa Starkregenereignissen zu erlangen. Das ist für die Betreiber solcher Systeme ein großer Vorteil. Auch die smarte Leckageüberwachung von Rohrleitungen ist bei Amiblu ein wichtiges Zukunftsthema, das wir kurzfristig zur Serienreife entwickeln werden.

Denkt man bei Amiblu auch über zusätzliche Werkstofflösungen als strategische Ergänzung zum GFK nach?

Mario Frieben: Der Werkstoff GFK ist in den letzten Jahrzehnten durch die Verwendung neuer Kunstharze und neuer Additive zunehmend leistungsfähiger geworden. Insbesondere bei den industriellen Anwendungen kommen diese Modifikationen besonders deutlich zum Tragen, denn die Harze können mittlerweile bis in Hochtemperaturbereiche angewendet werden. Dabei hat sich auch die chemische Resistenz kontinuierlich verbessert.

Dort, wo mineralischen Werkstoffen naturgemäß Grenzen auferlegt sind, kann sich GFK als Hochleistungsverbundwerkstoff permanent weiterentwickeln. Aber tatsächlich beschäftigen wir uns aktuell auch mit weiteren kunststoffbasierten Werkstofftechnologien. Gerade im Bereich der hochfesten Linerkomponenten verfügen Polyurethane über eine besonders hohe Leistungsfähigkeit.

Diese Technologie möchten wir zukünftig auch für andere Bauteile nutzen. Das Ziel unseres unternehmerischen Handelns besteht hier, wie auch in allen anderen strategischen Weichenstellungen darin, unsere Systemlösungen qualitativ zu verbessern und gleichzeitig Prozesse zu optimieren.

Welchen Stellenwert nimmt Nachhaltigkeit in der Unternehmensphilosophie ein?

Mario Frieben: Amiblu steht für Sustainable Water Solutions. Wir geben für unsere Systemlösungen einen Lebenszyklus von 150 Jahren aus und setzen damit komplett neue Maßstäbe in der Branche. Dabei bestehen unsere Rohre mit den drei Hauptbestandteilen Glas, Harz und Quarz aus ökologisch komplett unbedenklichen Rohstoffen. Wenn ich nach 150 Jahren also ein solches Rohr wieder zurückbaue, kann dieses im ganz normalen Hausmüll entsorgt werden. An dieser Stelle bieten wir also nicht nur technologisch hochwertige, sondern auch ökologisch verantwortungsvolle Lösungen an.

Herr Frieben, vielen Dank für das Gespräch!

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