Einblick, Durchblick, Überblick: 3. Deutscher Tag der Kanalreinigung 2015

24.07.2015

Der Kanalbetrieb befindet sich zurzeit mitten in einem großen Umbruch. Immer mehr Abwasserbetriebe stellen auf Bedarfsorientierte Kanalreinigung um. Dabei tauchen ständig neue Fragen und Unsicherheiten auf. Der 3. Deutsche Tag der Kanalreinigung im IKT in Gelsenkirchen bot hier Orientierung mit viel technischem und organisatorischem Know-how und einem abwechslungsreichen Programm.

Dipl.-Ing. (FH) MBA Serdar Ulutaş, IKT-Experte für Kanalbetrieb, führte durch zwei spannende Tage mit Fachvorträgen, Streitgespräch, Fachausstellung, Live-Vorführungen und Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch. Das abwechslungsreiche Vortragsprogramm deckte eine große Bandbreite an Themen ab:

Kanalbetrieb im Überblick

Dipl.-Ing. Claus Externbrink vom Stadtbetrieb Abwasserbeseitigung Lünen (SAL) eröffnete das Vortragsprogramm mit einem Übersichtsbeitrag zu den Aufgaben, Anforderungen und Perspektiven des Kanalbetriebs. Einen Schwerpunkt legte er auf die detaillierte Dokumentation beim Kanalbetrieb.

Kanalreinigung nach Norm?

Die unreflektierte Pauschalreinigung ist ein Auslaufmodell. Dieses Fazit zog Dipl.-Ing. Marco Schlüter, Leiter Kommunales Netzwerk im IKT, in seinem Vortrag. Die Bedarfsorientierte Kanalreinigung wird Standard. Bei der Umsetzung hilft die DIN EN 14654-1.

Schonende und effiziente Kanalreinigung

Hochdruckpumpen sind so stark, dass sie Schäden in der Kanalisation verursachen können. Dipl.-Ing. (FH) Alexander Augustin berichtete von den Bemühungen der Stadtentwässerung Pforzheim um eine schonende aber effiziente Reinigung. Dabei hat ihm und seinen Mitarbeitern der IKT-Fahrzeug-Check geholfen.

80-20-Regel auch bei der Kanalreinigung

In Herne im Ruhrgebiet wird vorab mit der Schachtzoomkamera gecheckt, ob Reinigungsbedarf besteht, erklärt Sascha Köhler, M.Sc. von der Stadtentwässerung Herne. Das Ergebnis: Rund 80 Prozent der Leitungen sind okay. Um die restlichen 20 Prozent kümmert man sich in Herne dann ganz gezielt.

Kanalmeister – Aufgaben und Pflichten

Rolf Pospiech von Gelsenkanal beschrieb sein Aufgabengebiet als Kanalmeister, das von der Personalplanung über die Einsatzplanung und -überwachung bis zur Planung von Sondereinsätzen viele Bereiche umfasst. Er erklärte, worauf er bei seiner Arbeit Wert legt.

Reinigung und Inspektion von Großprofilen

In Krefeld nahm man einen Tagesbruch zum Anlass, sich den Hauptsammler einmal genauer anzuschauen. Bei der Inspektion wurden viele defekte Anschlussstutzen festgestellt. Vor der Inspektion kam aber die Reinigung – und die hatte es in sich. Dipl.-Ing. Frank Zohren von der SWK AQUA GmbH schilderte in seinem Vortrag die besonderen Herausforderungen.

Trockensinkkastenreinigung

Eine regelmäßige Reinigung der Sinkkästen vermeidet unerwünschte Folgen durch verstopfte Kästen. Da die Reinigungsfahrzeuge des EUV Stadtbetrieb Castrop-Rauxel veraltet waren, stand eine Grundsatzentscheidung an, berichtete Markus Genster. Jetzt reinigt der EUV die Sinkkästen weiterhin in Eigenleistung, aber mit einem neuen Fahrzeug, das ganz individuell aufgebaut wurde. Anschließend erläuterte Dipl.-Wirt.-Ing. (FH) Niklas Janssen von der Umwelttechnik Janßen GmbH die Arbeitsweise eines Dienstleisters und zeigte die Fahrzeuge von EUV und Janßen auf dem IKT-Gelände in Aktion.

Blick über den Tellerrand

Die Kanalreinigung steht heute nicht allein für sich, sondern ist vernetzt mit vielen benachbarten Themengebieten. Und so warfen drei Referenten einen Blick über den Tellerrand.

  • Sascha Kokles, B.Eng. berichtete, wie die Berliner Wasserbetriebe versuchen, durch die gezielte Belüftung von Kanalnetzen Geruch und Korrosion zu vermeiden.
  • Dipl.-Ing. Ralf Heßling-Mecking von der Stadtentwässerung Haltern am See erklärte, wie die Betriebsüberwachung von Sonderbauwerken wirtschaftlich optimiert werden kann.
  • Die drohende Pflicht zur Aufrüstung von Regenbecken mit Wasserstandsmessgeräten war Thema des Vortrags von Dipl.-Ing. Horst Baxpehler vom Erftverband.
Live-Schaltung nach Amerika

Zusätzlich zum offiziellen Programm hielt Prof. Dr.-Ing. Bert Bosseler, Wissenschaftlicher Leiter des IKT, einen Vortrag über die Verlegung von Breitband-Internet-Kabeln in Kanälen und anderen Infrastrukturnetzen. Der Vortrag wurde live im Internet nach San Diego, Kalifornien, übertragen, wo der internationale Wegerechtsverband IRWA zeitgleich eine Tagung abhielt. Bosseler erörterte Fragen der technischen, rechtlichen und ökonomischen Machbarkeit.

Spannende Live-Vorführungen

Aufgelockert wurde das Vortragsprogramm durch zahlreiche spannende Live-Vorführungen von Produkten und Verfahren:

  • Schachtzoomkamera
  • innovative Schachtkopfsanierung
  • Reinigung von Großprofilen
  • Fahrzeuge für die Trockensinkkastenreinigung
  • und vieles mehr
Interessante Fachausstellung

Außerdem wurde der Tag der Kanalreinigung von einer großen Fachausstellung in der Versuchshalle und auf dem Außengelände begleitet. Zu sehen und zu erleben waren:

  • Düsen und Schläuche
  • Reinigungsroboter
  • komplette Hochdruck-Spülfahrzeuge
  • Inspektionstechnik für Schächte und Leitungen
  • Reparaturverfahren
  • Betriebsführungs- und Kanalinformationssysteme
  • Produkte zur Arbeitssicherheit
  • Produkte zur Geruchsvermeidung
Erfahrungs- und Meinungsaustausch

Gelegenheit zum Austausch unter den Teilnehmern, Referenten und Ausstellern gab es reichlich in den Pausen, bei der Abendveranstaltung und beim Barbecue. Eine willkommene Erfrischung bot der Eiswagen, der sich am zweiten Tag auf dem IKT-Gelände zwischen zwei Spülfahrzeugen postierte.

Die vorherrschende Rückmeldung von allen Seiten: Insgesamt eine runde Sache, der Tag der Kanalreinigung 2015. Grund genug, für nächstes Jahr wieder einen Termin anzusetzen: Am 14.-15. September 2016 findet der 4. Deutsche Tag der Kanalreinigung im IKT in Gelsenkirchen statt.

 

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