FBS-Vortriebsrohre für Mönchengladbacher Zuleitungssammler. Sonderausstattung inklusive.

30.01.2007

Im Mönchengladbacher Stadtteil Eicken wird die Kanalisation zum Teil im Trennsystem betrieben. Doch damit ist es bald vorbei. Die Niederrheinische Versorgung und Verkehr AG (NVV AG) hat die Umstellung auf ein reines Mischsystem, bei dem Schmutz- und Regenwasser in einem Kanal abgeleitet werden, in Auftrag gegeben. Bereits seit Juli arbeitet die Wilhelm Epping GmbH als ausführendes Unternehmen an dem Nebensammler, für den die DW Betonrohre GmbH, ein Mitgliedsunternehmen der FBS (Fachvereinigung Betonrohre und Stahlbetonrohre e.V.), rund 350 m Vortriebsrohre liefert.

Mit einem Innendurchmesser von 2.200 mm und einem Außendurchmesser von 2.700 mm soll der Mischwasserkanal den heutigen Bedürfnissen an ein modernes Abwassersystem gerecht werden. Zum Vergleich: Der derzeitige Schmutzwasserkanal besitzt einen Durchmesser von 250 mm, der Regenwasserkanal verschiedene Durchmesser bis 600 mm. Gerade bei starken Regenfällen ist somit bislang eine sichere Ableitung der Niederschlagsmengen nicht gewährleistet. Voraussichtlich ab August 2007, so die Planungen, soll dieser Zustand der Vergangenheit angehören, denn bis dahin wird mit der Fertigstellung des Abwasserkanals gerechnet.

Der Neubau des Zuleitungssammlers in der Eickener Straße ist wichtiger Bestandteil der Gesamtbaumaßnahme „Mischwasser-Entlastungssammler Dahl-Hamern-Neuwerk“, des bislang größten Projektes in der ,,Abwasser-Geschichte“ von Mönchengladbach. „Die Kanäle wurden überwiegend zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut und sind für die heutigen Anforderungen unterdimensioniert. Die Entscheidung für den Neubau fiel aus Gewässerschutz- und baulichen Gründen sowie aus hydraulischen Erwägungen“, erklärt der Abteilungsleiter Planung der NVV AG Dipl.-Ing. Hans Spinnräker. „Da die 1998 begonnenen Bauarbeiten für den Mischwasserhauptsammler Dahl-Hamern-Neuwerk weit fortgeschritten sind, ist es möglich, eine neue Mischkanalisation in der Eickener Straße daran anzuschließen.“

Korrosionsschutz großgeschrieben
Zum Einsatz kommen auf der rund 350 m langen Strecke zwischen Konzenstraße und Badenstraße Stahlbeton-Vortriebsrohre der DW Betonrohre GmbH, die den erhöhten Anforderungen der Qualitätsrichtlinie der Fachvereinigung Betonrohre und Stahlbetonrohre e.V. (FBS) entsprechen. „Jedes FBS-Rohr ist 3,0 m lang, wiegt 14,5 t und ist mit einer 5 mm starken werkseitig eingerüttelten PE-HD-Innenauskleidung ausgestattet, die undurchlässig und chemisch beständig, alterungs- und witterungsbeständig sowie mikroorganismen- und nagetierresistent ist“, erklärt der Baubeauftragte der NVV AG Dipl.-Ing. Uwe Klein. Da eine chemische Analyse der Grundwasserproben von 1985 gezeigt hat, dass das Grundwasser stark betonangreifend ist, hat das Planungsbüro Dr. Pecher AG die Betongüte C45/C55 empfohlen.

Auch mit Blick auf die Rohrverbindungen wurde das Augenmerk verstärkt auf den Korrosionsschutz gelegt. So enden die FBS-Rohre in vollwandigem Polymerbeton. „Dieser hat nicht nur den Vorteil, chemisch resistent, schrumpffrei und absolut wasserdicht zu sein, sondern er erreicht im Vergleich zu zementgebundenen Betonen erheblich höhere Druck-, Biegezug und Zugfestigkeiten bei gleichzeitig niedrigerem E-Modul als zementgebundener Beton“, erklärt Bauleiter Dipl.-Ing. Roman Kott, Ing.-Büro Dr. Pecher AG. Zusätzlich fangen insgesamt 115 Holzdruckringe den Druck bei Kurvenfahrten auf. Zwei Zwischenpressstationen unterteilen den Rohrstrang in Sektionen und sorgen dafür, dass die Vorpresskraft begrenzt bleibt. Jedes eingesetzte FBS-Rohr hält Vortriebskäften bis 31.000 kN (3.100 t) stand. Bei der beschriebenen Baumaßnahme sind die Vortriebskräfte infolge örtlicher Gegebenheiten auf 11.600 kN (1.160 t) begrenzt.

Meter um Meter voran
Der Vortrieb selbst wird mit Hilfe einer Teilschnittmaschine geleistet, die im Verhältnis zum benötigten Durchmesser größer ist und jedes gewünschte Profil auffahren kann. „Mittels dieses Geräts wird an der Ortsbrust Material gelöst und per Förderband abtransportiert“, erläutert Bauleiter Dip.-Ing. Guido Klein-Hitpaß, Wilhelm Epping GmbH. „Nach dem Zurückfahren des Pressrahmens hebt ein Bagger das FBS-Rohr in die Baugrube ein und der Pressrahmen wird erneut vorgefahren.“ So entsteht Meter um Meter der neue Mischwasserkanal. Wichtig ist, im Vorfeld einer solchen Maßnahme eine Analyse der Bodenbeschaffenheit durchzuführen. Die fiel auf der Eickener Straße nicht unkritisch aus. Schluffiger Sandboden erschwerte die Arbeiten und machte besondere Maßnahmen notwendig. Ein weiteres Problem zu Beginn des Projekts stellte ein hoher Grundwasserspiegel dar, der eine Grundwasserabsenkung in der Pressgrube am Eickener Marktplatz und ein Vortrieb unter Druckluftbedingungen erforderlich machte. Um die Anschlüsse der Seitenkanäle aus den drei Stichstraßen Eickener Höhe, Bröseweg und Sachsenstraße zu gewährleisten, wurde hier jeweils ein Schachtbauwerk eingerichtet.

Ab Werk mit Hausanschluss
Bei der vorausschauenden Planung bedachte man auch das Problem des Hausanschlusses. Hier besteht häufig die Gefahr, dass beim Anbohren Beschädigungen und ggfs. Undichtigkeiten auftreten. Um dies zu vermeiden, bestellte man beim Rohrlieferanten Vortriebsrohre mit werkseitig eingebauten Hausanschlussstutzen. Dieser wird unter Einhaltung der geforderten Betonüberdeckung – druckwasserdicht, in monolithischem Verbund – dem Sammlerrohr dreidimensional angepasst und vollständig innerhalb der Vortriebsrohrwandung für den bauseitigen Anschluss ohne Betreten des Mischwassersammlers hinsichtlich der Unfallverhütung, werkseits vorbereitet. Dieses Anschlusssystem wird erstmalig als verschweißtes System in der Baustellenpraxis eingesetzt. Durch die vier integrierten Anschlusselemente pro Rohr ist der nachträgliche Anschluss aller gängigen Rohrsysteme einfacher. Untersuchungen im Zusammenhang mit der Baumaßnahme haben gezeigt, dass 80% der alten Hausanschlüsse in der Eickener Straße defekt sind. Aus diesem Grund bietet die NVV AG den Hauseigentümern an, im Verlauf der Maßnahme ihre Anschlusskanäle gegen Kostenerstattung mit sanieren zu lassen.

Läuft alles nach Plan, wird Mitte des Jahres 2007 dieser Sammlerabschnitt im Stadtteil Eicken fertig gestellt sein. Dann können auch starke Regenfälle der Kanalisation nichts mehr anhaben.

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