Gemeinsam für Qualität - DWA und Gütegemeinschaft Kanalbau
21.02.2019
Gegebenheiten, Themen und Strukturen sind einem steten Wandel unterworfen. Das gilt auch für die Kanalbaubranche: Ging es im vom Krieg zerstörten Deutschland – auch mit Blick auf die hygienischen Erfordernisse – erstmal nur darum, eine einigermaßen funktionierende Leitungsinfrastruktur aufzubauen, haben sich die Ansprüche und Ziele über die Jahrzehnte deutlich gewandelt. Insbesondere der Schutz unserer Umwelt ist stärker in den Mittelpunkt gerückt.
Mit rasant voranschreitenden Entwicklungen bei Verfahren und Produkten sowie der systematischen Inspektion der Kanalnetze in den zurückliegenden Jahren wurde die Grundlage für ein langfristig ausgerichtetes Netzmanagement geschaffen. Das parallel entwickelte Normen- und Regelwerk ist der allgemein akzeptierte Standard hinsichtlich der zu erbringenden Qualität.
Diese in den Regelwerken definierte Qualität ist eine weitere Voraussetzung für ein funktionierendes Netzmanagement, denn bei Investitionen in die unterirdische Infrastruktur werden oftmals sehr lange Nutzungsdauern vorausgesetzt.
Wenn heute vom Kanalbau und von der Kanalsanierung die Rede ist, wird in diesem Zusammenhang gerne von einer Generationenaufgabe gesprochen: Es gelte, nachfolgenden Generationen eine funktionierende unterirdische Infrastruktur zu hinterlassen.
Auftraggebern und Netzbetreibern ist bewusst, dass von einer fachgerechten Ausführung nicht nur die Umwelt, sondern auch Stadtkasse und Bürger profitieren – insbesondere bei mittel- bis langfristiger Betrachtung der Wirtschaftlichkeits- und Nachhaltigkeitsaspekte.
Infrastruktur im Fokus
Vor diesem Hintergrund kommt auch der Arbeit von Verbänden und Institutionen eine große Bedeutung zu. Beispielhaft zu nennen ist das Engagement von der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA). Diese setzt sich intensiv für die Entwicklung einer sicheren und nachhaltigen Wasserwirtschaft ein.
Als politisch und wirtschaftlich unabhängige Organisation engagiert sie sich im Sinne ihrer derzeit etwa 14.000 Mitglieder. Vor diesem Hintergrund hat sie sich auch ganz maßgeblich für die Einrichtung der Gütesicherung RAL-GZ 961 und der Gütegemeinschaft Herstellung und Instandhaltung von Abwasserleitungen und -kanälen e. V. (Güteschutz Kanalbau) eingesetzt. Im Vordergrund steht dabei die ständige Verbesserung von Abwasserleitungen und -kanälen hinsichtlich ihrer Umweltverträglichkeit sowie der Schutz der Öffentlichkeit vor einer Gefährdung durch unsachgemäße Arbeit.
Schnittmengen vorhanden
DWA und Güteschutz Kanalbau ziehen in ihrem Bestreben, den fachlichen und qualitativ hochwertigen Umgang mit der Kanalinfrastruktur zu fördern, in vielerlei Hinsicht an einem Strang.
Schon Mitte der 1970er Jahre setzte sich innerhalb der Abwassertechnischen Vereinigung ATV (heute DWA) und anderer betroffener Gremien die Auffassung durch, dass eine Überprüfung der Kanalbaufirmen notwendig sei. Zur Vermeidung von Umweltschäden und volkswirtschaftlichen Verlusten wurde im Einvernehmen mit den Verbänden der Bauwirtschaft eine laufende Überwachung befürwortet.
In allen Gremien der ATV bestand sehr schnell Einvernehmen darüber, dass die weitere Entwicklung zur Gründung einer den gesamten Kanalisationsbereich umfassenden und überregional tätigen Gütegemeinschaft führen müsse.
Erste Urkunden 1990 verliehen
Die Gründungsversammlung der dazu eingerichteten RAL-Gütegemeinschaft Kanalbau fand im November 1988 statt, vor mittlerweile etwas mehr als 30 Jahren. Mitglieder der Gütegemeinschaft wurden sowohl Firmen, die Entwässerungskanäle und -leitungen herstellen oder instandhalten, als auch öffentliche und private Auftraggeber und planende Ingenieurbüros. In der Mitgliederversammlung haben beide Gruppierungen je die Hälfte der Stimmen.
Mit ihrer Mitgliedschaft in der Gütegemeinschaft setzen Auftraggeber ein deutliches Signal, dass sie auf eine fachgerechte Bauausführung Wert legen und fordern daher von Bietern die Erfüllung der Anforderungen der RAL-GZ 961 als Nachweis der Fachkunde.
Am 23. Mai 1990 wurden im Rahmen der IFAT in München die ersten Urkunden für die damaligen Gütezeichen A1, A2 und A3 an 38 Firmen verliehen. Heute hat die Gütegemeinschaft Kanalbau mehr als 4.000 Mitglieder, etwa 2.500 ausführende Unternehmen mit Gütezeichen Kanalbau und etwa 1.500 öffentliche Auftraggeber und Ingenieurbüros.
Gemeinsam für Qualität
DWA und Gütegemeinschaft Kanalbau sind dementsprechend bis heute über die Gremien miteinander verbunden. Der Güteausschuss der Gütegemeinschaft Kanalbau besteht aus sieben Mitgliedern, fünf werden von der Mitgliederversammlung gewählt, je ein Vertreter der öffentlichen Auftraggeber und der Ingenieurbüros wird von der DWA benannt, damit die Belange dieser beiden Parteien stets Berücksichtigung finden.
Der Güteausschuss hat die Aufgabe, Güte- und Prüfbestimmungen zu erstellen und den allgemein anerkannten Regeln der Technik beziehungsweise dort, wo gesetzlich gefordert, dem Stand der Technik anzupassen. Er hat ferner die Anträge der Firmen auf Gütezeichen zu prüfen, Verleihungen oder den Entzug des Gütezeichens einzuleiten sowie dem Vorstand diese Maßnahmen und gegebenenfalls Ahndungsmaßnahmen vorzuschlagen.
Der Vorstand der Gütegemeinschaft Kanalbau besteht aus 14 Mitgliedern. Zu den fünf benannten Mitgliedern des Vorstandes gehört jeweils ein Vertreter von DWA und GFA (Gesellschaft zur Förderung der Abwassertechnik e.V.) sowie eines europäischen Fachverbandes; hinzu kommt ein Vertreter der Unternehmerverbände und der Obmann des Güteausschusses. Alle anderen Vertreter des Vorstandes, der sich ebenfalls aus Vertretern der Auftraggeber- als auch der Auftragnehmerseite zusammensetzt, werden von der Mitgliederversammlung gewählt.
Seit 2007 gehört Dipl.-Ing. Otto Schaaf, Vorstand der Stadtentwässerungsbetriebe Köln, dem Vorstand der Gütegemeinschaft Kanalbau an. Schaaf, der nach drei Amtszeiten als DWA-Präsident zum Jahreswechsel 2018/19 den Staffelstab an Prof. Dr. Uli Paetzel, den Vorstandsvorsitzenden der Emschergenossenschaft und des Lippeverbands, weitergegeben hat, hat sich in seinen Funktionen schon lange für die Belange des Güteschutzes eingesetzt.
Hohes Maß an Glaubwürdigkeit
In einem Interview anlässlich des 25jährigen Jubiläums der Gütegemeinschaft Kanalbau erklärte Schaaf, worin für ihn die Besonderheit des Güteschutzes liegt:
„Zum einen ist die Gütesicherung ein klares Bekenntnis zur Bauqualität. Damit ist der Wettbewerbsschwerpunkt nicht allein der Angebotspreis. Zum anderen beinhaltet die Gütesicherung Kanalbau ein sehr hohes Maß an Glaubwürdigkeit, weil sich Auftragnehmer und Auftraggeber gleichberechtigt auf bestimmte Standards verständigen müssen, die dann in sehr transparenter Form auch auf der Baustelle eingefordert werden“, so Schaaf.
In seiner Rolle als öffentlicher Auftraggeber sei der Güteschutz Kanalbau für ihn darüber hinaus in zwei wesentlichen Bereichen ein verlässlicher Partner: Zum einen bei der Prüfung der fachlichen Eignung eines Bieters im Vergabeverfahren und zum anderen bei der Qualitätssicherung auf der Baustelle.
„Dadurch wird zudem die Gesamtwirtschaftlichkeit der Maßnahmen im Sinne des Gebührenzahlers gefördert“, so Schaaf weiter, nach dessen Einschätzung die auf Basis der vereinbarten Standards ausgeschriebenen Maßnahmen wirtschaftlich keinerlei Vergleich zu scheuen bräuchten. So trage der Güteschutz in nicht unerheblichem Maß zu einer intakten Umwelt, günstigen Gebühren und einer funktionierenden Infrastruktur bei.
Dieser Meinung schließen sich immer mehr Organisationen an: 2018 forderten mehr als 5.500 Auftraggeber bzw. Ingenieurbüros die Eignung der Bieter auf Grundlage der RAL-Gütesicherung Kanalbau.
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