Kanalsanierung: Kaliberbersten rettet Hausgärten

28.08.2008

Es war ein klassischer Anwendungsfall für grabenlose Kanalsanierungtechnologie: Ein Relining nach dem Kaliberberstverfahren, mit dem ein fünf Meter tiefliegender Abwassersammler DN 400 auf 106 Meter Länge erneuert wurde, rettete in der Gemeine Ebsdorfergrund bei Marburg eine Reihe von Hausgärten vor der Verwüstung. Das von der Barba Relining GmbH, Kassel, im August 2008 realisierte Projekt war technisches Highlight einer umfassenden Neuordnung und Sanierung des lokalen Abwassernetzes, die durch die Ingenieurbüro Ohlsen GmbH, Grünberg, in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Ebsdorfergrund geplant und in der Abwicklung begleitet wurde.

In der Gemeinde Ebsdorfergrund, rund 10 Kilometer von der Universitätsstadt Marburg entfernt, steht seit dem Frühsommer 2008 eine umfassende Generalüberholung von Teilen des Kanalisationsnetzes an, die teils hydraulisch begründet, teils aufgrund des maroden Bauzustandes vieler Rohre notwendig war. Die sanierungsauslösenden Erkenntnisse hatte man bei der Erstuntersuchung im Zuge der Hessischen Eigenkontrollverordnung gewonnen. Das gesamte Leitungssystem in diesem auf dem Standort einer ehemaligen Abfalldeponie errichten Siedlungsgebiet stellte sich in jeder Hinsicht als problematisch dar. Die Inspektionen zeigten, dass der bloße Leitungsbestand und sogar die Gefälleverhältnisse völlig unklar waren. Zur kritischen Gefällesituation hatten offensichtlich auch Setzungen des labilen Untergrundes beigetragen, die auch für entsprechend schwere Schadensbilder in den Kanälen sorgten.

Während nach dem umfassenden hydraulischen und baulichen Sanierungskonzept der Ingenieurbüros Ohlsen GmbH, Grünberg, einige Haltungen offen erneuert und durch größere Nennweiten bzw. in einem Fall durch ein 35 Meter langes Berstlining-Rohr ersetzt wurden, stellte sich in der Bahnhofstraße ein besonderes Problem. Hier galt es einen Beton-Mischwasserkanal DN 400 zu sanieren, der einerseits hydraulisch bis an und zeitweilig über die Kapazitätsgrenze hinaus ausgelastet war, andererseits aber nicht mehr per Schlauchlining sanierbar war: Das über weite Strecken deformierte, punktuell akut einsturzgefährdete Bauwerk stellte sich als klassischer "Altrohrzustand  III" in Sinne des ATV-DVWK-Arbeitsblattes A 127 dar und war eigentlich ein Fall für offenen Austausch - ebenso wie ein Zulauf DN 400, der in den oberen Schacht der 106 Meter langen Haltung mündete.

Praktisch betrachtet, waren die beiden, je fünfeinhalb Meter tief liegenden Rohre jedoch keinesfalls konventionell im Leitungsgraben erneuerbar: der Zulauf unterquert fast in ganzer Länge das Wohnhaus, in dessen Garten der Startschacht des desolaten Kanals DN 400 liegt. Dessen Trasse wiederum berührt  insgesamt sechs  Gärten, die ein Rohrgraben samt Aushub-Lagerung vollflächig verwüstet hätte, ganz abgesehen davon, dass die Örtlichkeit für Baugeräte großenteils nicht zugänglich ist. Vor diesem Hintergrund griffen die Planer auf ein von der TractoTechnik GmbH, Lennestadt, entwickeltes Verfahren zurück, das eine Erneuerung defekter Rohre durch Einzug eines Rohres mit geringfügig reduzierter Nennweite erlaubt: Beim Kurzrohr-Lining im Kaliberberstverfahren bzw. TIP-Verfahren wird das Altrohr an den punktuellen Schadstellen verfahrenstechnisch so weit aufkalibriert, dass sich im gleichen Arbeitsgang ein Neurohr nachziehen lässt. Dabei korrigiert das Verfahren vorhandene Deformationen wieder in den ursprünglichen Kreisprofil-Querschnitt. Der zwischen Alt- und Neurohr entstehende Ringspalt wird mit einer Zementsuspension verpresst.

In Ebsdorfergrund wurde die Sanierung mit dem TIP-Verfahren von der Barba Relining GmbH, Kassel, ausgeführt. Das bundesweit  tätige, Unternehmen verfügt nicht nur über das notwendige Equipment für Kaliberbersten, sondern auch über qualifiziertes Personal - und vor allem jahrelange Erfahrung mit allen marktgängigen Relining- und Berstverfahren, in denen es auch durch die Gütegemeinschaft Güteschutz Kanalbau zertifiziert ist. Zur technischen Grundausrüstung des TIP-Verfahrens gehören eine hydraulische Lafette des Typs GRUNDOBURST (TractoTechnik) mit 80 t Zugkraft,  ein stählerner Aufweitkopf sowie ein sogenanntes Quick-Lock-Leitergestänge, bestehend aus  75 cm langen Stahlprofilstangen, die sich mit wenigen Handgriffen zu einem Strang aneinander koppeln lassen. Bevor das Leitergestänge von der GRUNDOBURST-Lafette im Zielschacht in den defekten Kanal eingeschoben werden konnte, musste in Ebsdorfergrund noch ein Sonderproblem gelöst werden. Einige partielle Glasfaserauskleidungen, die wenige Jahre zuvor gesetzt worden waren, wurden per Roboter in Längsrichtung aufgeschnitten, da man befürchtete, der Aufweitkopf des Systems können sich in diesen verkeilen. Nach dieser Vorbereitung schoben die Barba-Experten das Leitergestänge per Lafette bis zum Startschacht vor und koppelten dort den massigen stählernen Aufweitkonus an. Auf dessen Führung wurde nun ein erstes PP-HM Kurzrohrmodul Da 355 mm aufgesteckt. Das Relining basierte auf 60 cm langen PP-HM Vollwandrohren der egeplast GmbH, Greven.  Die  einzelnen Module werden über eine patentierte Steckverbindung mit Mehrfach-Lippendichtung zugfest verbunden. Die Kurzrohr-Module geben den Arbeitstakt des TIP-Verfahrens vor: es wird jeweils ein Rohr auf den bereits eingezogenen Strang aufgesetzt. Anschließend wird das aktuelle Rohrmodul mit Hilfe eines Zugtellers mit einer speziellen Mechanik so fest in Richtung des Aufweitkonus gezogen, dass es an das vorangehende Rohr ankoppelt. Daraufhin zieht die Lafette in der Zielgrube das Leitergestänge samt Konus und daran hängendem Rohrstrang weitere 60 cm weit in die Leitung ein. Beim Vorrücken rückverformt der Konus vorhandene Deformationen im Kanal und schafft damit den notwendigen Raum für den Einzug des neuen PP-Kanals. Der Sanierungserfolg wurde in Ebsdorfergrund noch am gleichen Tage mit der Durchführung einer Dichtheitsprüfung mit Luft nach DIN EN 1610 am eingezogenen Relining-Rohrstrang nachgewiesen.

Für das Kaliberberstlining nach dem TIP-Verfahren im 106 Meter langen Kanal in Ebsdorfergrund benötigte das Barba Relining-Team samt gerätetechnischer Einrüstung und Dichtheitsprüfung (jedoch ohne die ca. drei Wochen später erfolgende Bearbeitung der Anschlüsse) insgesamt nur einen Arbeitstag - schon rein zeitlich ein erheblicher Unterschied zum Neubau, der monatelanges Chaos auf den betroffenen Grundstücken hervor gerufen hätte, und von den entstehenden Kosten ganz zu schweigen. Das Relining durch Kaliberbersten schlug mit rund 30.000 € netto zu Buche. Für Dipl.-Ing. Otfried Heineck, Geschäftsführer des  Ingenieurbüros Ohlsen GmbH, war das erfolgreiche Kaliberbersten gewissermaßen das "Sahnehäubchen" eines insgesamt erfolgreichen Sanierungskonzeptes für eine  komplizierte Aufgabenstellung. Hochqualifizierte Ingenieurleistungen, verbunden mit einem optimalen Projekt- und Kostenmanagement und professioneller Baudurchführung sicherten den Projekterfolg für die Gemeinde Ebsdorfergrund und die betroffenen Anlieger.


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Herrn Dipl.-Ing. Otfried Heineck
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