Mit Torpedo in die Tiefe

03.11.2011

STREICHER verlegt erstmals eine Stahlleitung DN 300 mit ZM-Auskleidung im Raketenpflugverfahren.

Der niederbayerische Gäuboden blühte, auf den Feldern begann die Aussaatzeit. Ausgerechnet in diesen für die Landwirtschaft sensiblen Zeitraum fiel die Verlegung einer Stahlleitung zur Optimierung der Trinkwasserversorgung im Raum Wallersdorf. Die Arbeiten, die Anfang April begannen, haben jedoch kaum Spuren in der Landschaft hinterlassen. Denn im Auftrag der Wasserversorgung Bayerischer Wald (WBW) wurde von den niederbayerischen Firmen Josef Pfaffinger Bauunternehmung GmbH und MAX STREICHER GmbH & Co. KG aA erstmals ein Verfahren durchgeführt, das die baulichen Eingriffe und somit Auswirkungen auf Flora, Fauna und Landwirtschaft auf ein Minimum reduziert.
 
Lediglich eine schmale Schneise zieht sich durch die Mitte des Feldwegs am Rande eines Ackers bei Wallersdorf. Zuvor fuhr hier ein nach außen hin gewöhnlicher Pflug entlang. Alles andere als gewöhnlich ist die Ausstattung der 18 Tonnen schweren Baumaschine. Am Ende des Pflugschwertes sitzt ein Aufweitkopf, der so genannte Torpedo. Er hat einen Durchmesser von 419 mm und kann bis in eine Tiefe von 2,50 m eingesetzt werden. Dabei verdrängt und verdichtet der Torpedo das Erdreich. Die einzuziehenden bis zu 800 Meter langen Rohrstücke werden am Ende des Torpedos montiert und während dem Pflügen in den entstehenden Hohlraum eingezogen.
 
Schnell und schonend
 
Die Leitungsabschnitte der Pflugtrasse werden auf Rollenböcken vorbereitet, damit der Rohrmantel beim Einzug nicht beschädigt wird. Dies ist aber schon das Augenfälligste an dieser Baustelle. „Die Erdbewegung beschränkt sich auf die Einzieh- und Verbindungsgruben, wobei der Humusabtrag um 70 Prozent verringert wird“, merkt Bauleiter Andreas Freisinger von Pfaffinger an. Hinter dem Pflug schließt sich der Boden nahezu vollständig. Bautransporte entfallen in Teilen und die Belästigung durch Lärm oder Staubentwicklung reduziert sich auf ein Minimum. Doch das Verfahren schont nicht nur Umwelt und Anwohner, sondern auch die Kassen. Laut dem planenden Ingenieur Dionys Stelzenberger verkürzt sich die Bauzeit dank Raketenpflugverfahren um ein Drittel gegenüber konventionellen Baumethoden.
 
Bewährtes Verfahren an neuem Material
 
Neu ist das Raketenpflugverfahren nicht. Es bewährt sich bereits seit dem Jahr 2000. Grundlage für seine Entwicklung bildete das Rohrpflugverfahren, das im Kabel- und Rohrleitungsbau eingesetzt wird. Die Erweiterung des Pflugs um die Raketenkonstruktion mit Verdrängerteil ermöglicht das Verlegen von Rohren auch mit größerem Durchmesser. Waren zu Beginn Hohlräume von 250 mm möglich, so schafft der Aufweitkopf heute Hohlräume von bis zu 500 mm Durchmesser. Die Leitung, die bei Wallersdorf verlegt wird, hat einen Außendurchmesser von 330 mm.
 
Eine Neuheit ist dagegen, dass das Raketenpflugverfahren bei einer Stahlleitung angewandt wird. Gewöhnlich kommt das grabenlose Verfahren aufgrund der eingeschränkten Biegeradien von Stahl bislang nur bei PE- oder Gussrohren zum Einsatz.
 
Erfolgreicher Erstversuch
 
In den ersten zwei Stunden der Verlegearbeiten wurden 160 Meter Rohrleitung eingezogen. „Das Verfahren funktioniert besser als angenommen“, sagt Bauleiter Markus Lallinger von STREICHER. Der Boden in der Region sei steinfrei und sehr bindig, weshalb sich die Stahlleitung besonders leicht einziehen ließ. „Beim Erstversuch waren maximale Zugkräfte von zehn Tonnen erforderlich. Die zulässige Zugkraft würde bei 100 Tonnen liegen, wobei der Biegeradius von 190 Metern nicht unterschritten werden darf. Bei Einziehlängen von 150 bis 760 Metern lagen die Zugkräfte nie über 60 Tonnen. Da gibt es also noch genügend Spielraum“, sagt Markus Lallinger.
 
Premiere für neuen Pflug
 
Um die Zugkräfte und den Biegeradius genau überprüfen zu können, wurde für die Verlegung der Stahlleitung der WBW im Auftrag der ARGE ein Spezialpflug eingesetzt. Ein Sensor im Inneren des Aufweitkopfes überwacht die Zugkräfte. Ein Tachymeter, der im Bereich der Trasse aufgestellt wird, misst ständig Lage und Gefälle des Pflugs und übermittelt die Signale direkt an den Pflugführer. Gezogen wird der Pflug von einer 480 PS starken Zugmaschine, die bis zu 200 Tonnen Zugkraft aufbringen kann. Sie fährt die Verlegestrecke in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 2 bis 4 m / min ab. Pflug- und Zugmaschinenführer stehen über Funk permanent in Kontakt.
 
Für eine sichere Wasserversorgung
 
Auf diese Weise verlegte die ARGE insgesamt 9,3 Kilometer Stahlleitung DN 300, davon 8 km im Raketenpflugverfahren in nur 4,5 Monaten, durch die nun waldwasser® (EU-geschützte Marke der WBW) aus dem Grundwasserpumpwerk Moos bei Plattling bis nach Reißing fließt. Die Strecke gliederte sich in 21 Pflugabschnitte von 150 bis 760 m Länge. Bereits Mitte Juni waren die Pflugarbeiten abgeschlossen. Auch der Bau eines 2.000 m³ fassenden Hochbehälters bei Reißing sowie eines Pumpwerks bei Arndorf sind Bestandteil des Ausbaus des WBW-Netzes. Neben der Optimierung und Sicherung der Wasserversorgung in Ostbayern trägt die neue Stahlleitung auch zur Stabilisierung des Wasserdrucks in der Region bei.

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