Mittenwald: Ein Schlauchliner für das Gries

12.08.2008

Eines der größten städtebaulichen Projekte im bayerischen Tourismuszentrum Mittenwald ist die Ortskernsanierung des historischen Gries-Viertels, für die im April 2008 der Startschuss fiel. Dazu gehörte auch die Sanierung des vorhandenen Mischwasserkanals DN 1000 durch Installation von UnilinerTM-Schlauchlinern der NORDITUBE Technologies. Anfang Mai.

Das Gries ist der älteste Ortsteil Mittenwalds und quasi seine „gute Stube“ in touristischer Sicht. Die Aufgabe, eine wachsende Verkehrsbelastung bei Wahrung des historisch-dörflichen Ortsbildes zu bewältigen und zugleich die vorhandene technische Infrastruktur auf neuesten Stand zu bringen, war eine der größten Herausforderungen der örtlichen Politik in den letzten Jahre und wurde dementsprechend kontrovers debattiert. Seit Ende April ist die Runderneuerung des Gries, mitfinanziert durch Fördermittel des Landes Bayern, aber in vollem Gange. Dass man den Ortskern von Grund auf saniert, ist wörtlich zu nehmen. Tatsächlich steht in der ersten Projektphase 2008 die Sanierung der unterirdischen Leitungsnetze auf dem Programm, bevor späterhin die Verkehrs- und Grünflächen neu gestaltet werden. Das größte aller Leitungsbau-Projekte war zweifellos die Sanierung des zentralen Mischwasser-Sammlers DN 1000 im Mai 2008. Außerdem werden im Gries alle Schmutz- und Regenwasser-Anschlussleitungen erneuert. Die Sanierung des Hauptsammlers war zwingend notwendig, weil der Betonkanal auf ganzer Länge Undichtigkeiten, vor allem undichte Muffen, aufwies.

Aus Kostengründen, aber auch um die Lärm- und Schmutzbelastungen der Anlieger so gering wie möglich zu halten, entschieden sich die Gemeindewerke Mittenwald und das beauftragte Ingenieurbüro OBERMEYER Planen und Beraten, Niederlassung Neu-Ulm, für die grabenlose Sanierung per Schlauchliner. Der maßgebende Aspekt war, dass eine Schlauchliner-Sanierung deutlich schneller erfolgt als etwa ein offener Neubau eines großen Kanals; das zählt erst recht in dieser baulich sensiblen Örtlichkeit. Außerdem ist ein Schlauchlining generell weniger belastend für die benachbarte Bausubstanz als eine Erneuerung im offenen Rohrgraben.

Für die Schlauchlining-Sanierung kam in diesem Falle das UNLINERTM-System der Norditube Technologies GmbH, Schieder-Schwalenberg, zum Einsatz. Dieser Liner besteht aus einem Kunststoff-innenbeschichteten Polyesterfaser-Filz, dessen Wandstärke nach den statischen Anforderungen des Einzelfalles variiert. Als Harzsystem kommt ein ungesättigtes Polyesterharz (UP-Harz) zum Einsatz, das mit Aluminiumhydroxid als Füllstoff angereichert ist. Der passend auf Länge konfektionierte Liner wird tiefgekühlt und termingerecht zum Einsatz auf der Baustelle angeliefert.

Zur Überleitung der Wasserfracht des Sammlers während der Bauzeit kam eine nahegelegene Bachverrohrung wie gerufen. Das alte Gerinne wurde mit Abmauerungen zum Freigefälle-Bypass umfunktioniert. Im ersten Schritt der Sanierung wurde dann mittig über der Sanierungsstrecke eine Baugrube ausgehoben und das Altrohr im Scheitel geöffnet; so konnte man die Sanierungsstrecke in und gegen die Fließrichtung gründlich reinigen. Über dieser Startbaugrube installierten die Mitarbeiter des bauausführenden Unternehmens Diringer & Scheidel Rohrsanierung GmbH & Co. KG NL München schließlich einen Inversionsturm.

Mittels eines Inversions-Topfes am oberen Ende dieses Turms stülpt man den Liner durch den hydrostatischen Druck einer Wassersäule, die im Schlauch aufgebaut wird, über die volle Länge in den Kanal ein. Dabei presst der Liner sich formschlüssig der Rohrwand an. Seine Aushärtung erfolgt durch mehrstündiges, nach genauem Zeitplan erfolgendes Erhitzen des Wassers, das durch den Liner und über eine mobile Heizanlage zirkuliert. Der in Zeitablauf und erreichter Endtemperatur genau überwachte Heiz- und Härtungsprozess zieht sich über mehrere Stunden hin und hängt in seiner Dauer vom Füllvolumen, also von Länge und Nennweite des Liners ab. Nachdem der ausgehärtete Liner entleert und nach genauem Zeitplan abgekühlt ist, beginnen die Nacharbeiten. In diesem speziellen Fall wurden die vorab präzise eingemessenen Hausanschlüsse nicht per Robotertechnik wieder aufgefräst, sondern nach einer Wartezeit von ca. 2 Wochen in offener Bauweise neu erstellt und durch Sattelstutzen an die neuen Hausanschlussleitungen angeschlossen. Die Linerenden werden im Schachtbauwerk mit Handlaminat eingebunden.

Auf diese Art und Weise wurden in Mittenwald in der 19. Kalenderwoche von der Startbaugrube aus zwei 65 und 70 Meter lange Inversionen vorgenommen. Der erste der beiden Liner wurde von Dienstagmorgen bis zur Nacht von Mittwoch auf Donnerstag komplett installiert, der zweite daran anschließend von Donnerstag bis Samstag.

Der gesamte Einbau fand unter strikter Fremdkontrolle durch ein unabhängiges Prüflabor statt, in diesem Falle das Sachverständigenbüro für Kunststoffe Dr. Sebastian, St. Wendel. Dessen Beauftragte nahmen vom fertig gehärteten Liner Prüfmuster, die im Labor gemäß den Vorgaben des Bauvertrages einer Drei-Punkt-Biegeprüfung, einer Wasserdichtheitsprüfung und einer FT-IR-Analyse unterzogen wurden. Während die FT-IR-Analyse nachwies, dass beim Einbau tatsächlich das im Lieferschein angegebene Isophthalsäure-Harz verwendet wurde, zeigten die mechanischen Prüfungen, dass die eingebauten Liner in vollem Umfang den Vorgaben der Bauaufsichtlichen Zulassung und den zugrunde gelegten Standsicherheits-Berechnungen entsprechen. Außerdem erwiesen sich die Liner als zuverlässig dicht im Sinne von DIN EN 1610 und den APS-Prüfrichtlinien.


Kontakt:
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Dipl.-Ing. Wendelin Böhne
Julius-Müller-Straße 12
32816 Schieder-Schwalenberg
Tel. 05284 / 94 29 823
Fax 05284 / 94 29 829
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