Präventive Grundsanierung des historischen Kanalnetzes der Lüneburger Altstadt

13.09.2007

Die Hansestadt Lüneburg hat eines der ältesten Kanalnetze Deutschlands. Rund 5 Kilometer gemauerter Abwasserkanäle stammen großenteils aus den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts. Bei der Instandhaltung der historischen Bauwerke setzt die Abwassergesellschaft Lüneburg (AGL) auf klassische Techniken der Bauwerksanierung. Die Rainer Kiel Kanalsanierung, Blomberg, setzte in diesem Sommer einen 250 Meter langes gemauertes Eiprofil (1350/1600) unter der historischen Altstadt instand.

Zu einem Zeitpunkt, als man anderswo noch Nachttopfinhalte aus Fenstern entsorgte, hatte die Hansestadt Lüneburg schon eine Schwemmkanalisation, deren Leistungsfähigkeit sich auch nach Maßstäben des 21. Jahrhunderts noch sehen lassen kann. Das gilt auch für die Qualität der Bauausführung der bis zu 140 Jahre alten Bauwerke, denen man ihr hohes Alter keineswegs ansieht. Die doppelschalig gemauerten Eiprofile sind nirgendwo baufällig. Wenngleich die Fugensubstanz der inneren Mauerwerksschale stark korrodiert ist, sieht Dipl.-Ing. Joachim Hackradt, der bei der AGL für die Kanalsanierung verantwortlich ist, keines der Bauwerke akut gefährdet. Dennoch hat man im Jahre 2001 ein umfassendes Sanierungsprogramm für die historischen Abwasserkanäle der Altstadt aufgelegt: Bis 2010 sollen alle fünf Kilometer der alten Mischwassersammler mit Dimensionen bis zu 1100/1650 mm auf den Technischen Stand gebracht sein. Mit dieser Präventionsmaßnahme wird sichergestellt, dass erst gar kein Kanal altershalber in einen Bauzustand gerät, der einen Neubau oder eine sehr kostenintensive Sanierung erfordert. Während man anderswo, bei ähnlichen Programmen schwerpunktmäßig auf den Einbau von Schlauchlinerauskleidungen setzt, findet die Sanierung in Lüneburg ebenso handwerklich statt wie vor anderthalb Jahrhunderten der Neubau. Die eingesetzten Materialien sind auf die heutigen Anforderungen abgestimmt. Bei dieser Entscheidung spielten Kostenaspekte eine entscheidende Rolle: Die praktizierte mineralische Fugensanierung und der Gerinneeinbau erwiesen sich als halb so teuer wie die Linerlösung.

Ein weiterer Aspekt bei der Entscheidung für die handwerkliche Vorgehensweise ist die Tatsache, dass es sich bei den Lüneburgern Kanälen de facto um unterirdische Baudenkmäler handelt. Wie Joachim Hackradt es formuliert: "Lüneburg ist nicht nur oberidisch eine Stadt des Mauerwerks, sondern auch unter der Erde." Die Lüneburger Verbundenheit mit dem Ziegel trieb in der Vergangenheit schon fast etwas kuriose Blüten: hier gibt es tatsächlich gemauerte Grundstücksanschlusskanäle der Nennweite DN 200.

Schließlich macht man sich bei der AGL unter langfristigen Gesichtspunkten auch Gedanken um den Rückbau der Bauwerke eines fernen Tages: Inliner, so die Lüneburger Befürchtung, müsse man dann erst einmal stückweise aus den alten Kanälen herausfräsen und als Faserverbundstoff entsorgen, bevor diese abgebrochen werden könnten.

Und so wird jährlich ein Teil der Großprofilkanäle der Altstadt per beschränkter Ausschreibung im Kreise eines halben Dutzends von Fachunternehmen vergeben. Zur Angebotsabgabe werden Unternehmen aufgefordert, deren Leistungsfähigkeit dem  Abwasserbetrieb Lüneburg aus Erfahrung bekannt ist oder die sich - unter anderem - anhand von Referenzen qualifiziert haben. Die Rainer Kiel Kanalsanierung, Blomberg, wurde vor diesem Hintergrund im Sommer 2007 mit der Sanierung von 250 Metern eines Eiprofils 900/1350 mm beauftragt. Die Maßnahme in dem 3,50 Meter tief liegenden Kanal beinhaltete auch die Sanierung von zehn (natürlich gemauerten) Revisionsschächten.

Das anfallende Abwasser wurde während der Arbeiten über eine aufgemauerte "Weiche" in einen parallel verlaufenden Strang des Kanalnetzes übergeleitet. Nach der Grundreinigung des Bauwerks wurden im ersten Arbeitsgang der Sanierung alle korrodierten Fugen bis auf den festen Kern zurückgebaut und durch einen abwasserbeständigen mineralischen Fugenmörtel aufgearbeitet. Die Undichtigkeiten, die sich durch Grundwassereintritt bemerkbar gemacht hatten, wurden im Vorlauf mittels Injektionen abgedichtet.

Damit in den - für das Schmutzwasser durchweg zu großzügig dimensionierten - Kanälen der Altstadt das Abwasser auch bei Trockenwetter zügig die Kläranlage erreicht, wurde in den Sohlen der Eiprofile im Zuge der Sanierung durchlaufend Steinzeuggerinne eingebaut: Eine Maßnahme, die durch reduzierte Geruchsbelästigungen seit Beginn des Sanierungsprogramms bereits Erfolge zeigt.

Mit der Sanierungskampagne 2007 sind auf diese Weise bereits 60 % des bis 2010 vorgesehenen Arbeitspensums unter der Altstadt erledigt. Die jährlichen Investitionen von rund 150.000 Euro fallen, wie Joachim Hackradt betont, für den Bürger und Gebührenzahler finanziell kaum ins Gewicht. Mit einer Gebühr von 1,10 Euro pro Kubikmeter Schmutzwasser ist Lüneburg, dank der weitsichtigen Vorgehensweise der AGL nach wie vor einer der günstigsten Abwasserentsorger im nationalen Vergleich.

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