Punktlandung in Rodewisch

21.11.2016

Rodewisch im Vogtlandkreis in Sachsen. Im Rahmen einer Planung zur Baugrunderkundung führte die Berndt Rohr- und Kanalservice GmbH in Zusammenarbeit mit der IBAK Helmut Hunger GmbH & Co. KG eine Verlaufsmessung mit der 3D-GeoSense-Technik in Rodewisch durch. Die Ingenieurgesellschaft für Rohrleitungssanierung mbH Sachsen (IRS) erteilte den Auftrag für eine vollständige Erfassung der Anschlussleitungen. Auf insgesamt 163 Meter Hauptkanallänge wurden die Anschlüsse überprüft und mit 3D-GeoSense vermessen. Die Ergebnisse überraschten.

Die Ausgangslage

Der unter der Goethestraße verlaufende Hauptkanal in Rodewisch besteht aus einem 300er Mischwasser-Steinzeugrohr. Es war nicht vorhersehbar, dass die Voraussetzungen für eine Untersuchung mit der 3D-GeoSense-Rohrverlaufsmessung sich zu einer zum Teil  sehr abenteuerlichen Angelegenheit entwickeln sollten.

Ziel der Untersuchung und der Verlaufsmessung war es, eine generelle Einschätzung der Rohrzustände zu erhalten und den genauen Verlauf der Anschlüsse herauszufinden.

Die Goethestraße führt durch ein Wohngebiet. Deshalb lag die Vermutung nahe, dass neben den Straßeneinflüssen diverse Hausanschlussleitungen unter der Straße verlaufen.

Obwohl die Goethestraße keine Hauptstraße ist, gibt es  dennoch ein hohes Verkehrsaufkommen. Deshalb war es wichtig, das 3D-GeoSense-Fahrzeug so zu positionieren, dass die Beeinträchtigung des Verkehrs minimal gehalten und somit eine reibungslose Durchführung der  Untersuchung gewährleistet werden konnte. Die Erstbefahrung des ersten Abschnittes wurde in einem Durchgang erledigt, ohne das Fahrzeug an den zweiten Schacht zu stellen. Daraus ergaben sich folglich zwei Untersuchungsabschnitte:

  • Abschnitt 1: Schacht 1 bis Schacht 3 mit einer Gesamtlänge im Hauptkanal von 113 Metern

  • Abschnitt 2: Schacht 4 bis Schacht 5 mit einer Gesamtlänge im Hauptkanal von 50 Metern.

Der zu untersuchende Teil der Goethestraße weist ein starkes Gefälle auf, was die Untersuchung zusätzlich erschwerte:  sowohl die Erstbefahrung als auch die Verlaufsmessung (Zweitbefahrung) mussten bergauf und gegen die Fließrichtung vorgenommen werden.

Das Problem des starken Gefälles hätte durch eine Inspektion in Fließrichtung umgangen werden können. Eine Verlaufsmessung in Fließrichtung ist jedoch ungünstig. Ein Abbiegen in die Hausanschlussleitungen ist bei dieser Untersuchungsmethode schwer bis unmöglich. Daher blieb nach einigen Überlegungen doch nur eine Variante: die Inspektion gegen Fließrichtung mit Überwindung des starken Gefälles.

In diesem Fall musste also nicht nur eine Gesamtstrecke von 163 Metern Hauptkanal plus Anschlussleitungen gegen die Fließrichtung untersucht werden, sondern auch ein Höhenunterschied von insgesamt 16 Metern überwunden werden.

Der Fahrwagen mit der montierten Kamera musste somit zwar gegen die Fließrichtung und das Gefälle arbeiten, durch das Eigengewicht wurde der  Fahrwagen jedoch trotz des ständigen Wasserlaufs in der Spur gehalten.

Verschmutzte Rohre, Hindernisse wie Steine, extreme Muffenversätze oder Einstürze und eine rutschige Sielhaut in der Rohrsohle waren zusätzliche Faktoren, die eine Befahrung und Untersuchung deutlich erschwerten.

Trotz dieser Voraussetzungen schaffte es der Fahrwagen ohne Probleme, Abschnitt 1 in einem Durchgang zu befahren. Da Abschnitt 2 wesentlich kürzer war, klappte auch dies einwandfrei.

Anschluss gefunden

Nach erfolgreicher Erstbefahrung mit der ARGUS-Kamera konnten insgesamt 27 Anschlüsse identifiziert werden, von denen mehrere verschlossen waren – die wenigsten davon fachgerecht. Aufgeteilt auf die beiden Untersuchungsabschnitte ergab sich folgendes:

  • Abschnitt 1: 13 Anschlüsse, untersucht an Tag 1
  • Abschnitt 2: 14 Anschlüsse, untersucht an Tag 2

Die Verlaufsmessung wurde mit der IBAK-Kamera ORION L und dem lateralen Inspektionssystem LISY 3.2 durchgeführt. Die Erstbefahrung brachte bereits erste Erkenntnisse über den Zustand der Rohre. Im Laufe der Vermessung überzeugte die 3D-GeoSense-Technik mit ihrer Genauigkeit und dem Auffinden von Straßeneinflüssen sowie Hausanschlussleitungen.

An Tag 1 der Vermessung stellte sich eine leichte Resignation ein, weil es sich nur bei 3 von insgesamt 13 Anschlüssen um Hausanschlussleitungen handelte bzw. um Leitungen, die einem Grundstück zugeordnet werden konnten. Die restlichen Anschlüsse waren entweder Straßeneinläufe, durch Schmutz und Ablagerungen unbefahrbare Rohre oder Drainageleitungen.

Diese waren ebenso schwer zu befahren, da sich nach meist wenigen Metern ein Einsturz befand. Die Vielzahl an Drainageleitungen wurde aufgrund der Beschaffenheit des Geländes an dieser Stelle nicht vermutet und deshalb überrascht zur Kenntnis genommen. Zumal diese Leitungen durch Einstürze und starke Deformationen  ihren eigentlichen Zweck größtenteils nicht mehr erfüllen können.

Eine weitere Kuriosität, die eine große Aussagekraft über den Zustand des Rohrnetzwerks gab, war ein vergessener Straßeneinlauf. Auf Grundlage des Plans und anhand der Daten der Verlaufsmessung hätte die ORION L in einem Straßeneinlauf enden müssen. Doch das Kamerabild zeigte ein stark mit Erde gefülltes Rohr, was im Erdreich endete. Da der Raum nach dem Rohrende ziemlich groß war, ist zu vermuten, dass die Verlaufsmessung auf ein Rattennest gestoßen ist. Der eigentliche Straßeneinlauf wurde scheinbar vergessen.

Neben den Überraschungen hielt der erste Tag der Verlaufsmessung allerdings ein erfreuliches  Highlight bereit. Während der Untersuchung einer Anschlussleitung wurde ersichtlich, dass diese zu einem Haus an der Goethestraße gehörte. Jetzt zählte es zu zeigen, wie genau 3D-GeoSense funktioniert. Das Kamerabild lieferte den Beweis, dass diese Leitung direkt zum Hausschacht führte. Auch die parallel laufende Verlaufsmessung mit der Software IKAS evolution zeigte das gleiche Bild. Die Verlaufsmessung endete auf dem markierten Schacht. Mathias Berndt, Geschäftsführer der Berndt Rohr- und Kanalservice GmbH, kommentierte den Verlauf folgendermaßen: „Das war eine Punktlandung!“

Obwohl der zweite Abschnitt mit 14 Anschlussleitungen angelegt wurde, waren die Erwartungen aufgrund der Erfahrungen in Abschnitt 1 gemischt. Aber auch am zweiten Tag wurde erneut unter Beweis gestellt, wie akkurat 3D-GeoSense funktioniert und welche Anschlüsse damit einsehbar gemacht werden können. Schon die ersten beiden Anschlussleitungen überraschten. Sowohl links als auch rechts vom Hauptkanal gingen Anschlüsse zu Straßeneinläufen ab. Kurz vor dem Einlaufschacht wurden dann auf beiden Seiten weitere Anschlüsse sichtbar: die bereits erwähnten  Drainageleitungen, dieses Mal jedoch ohne Einsturz oder Deformationen.

Bis zu 20 Meter umfasste die Länge einer Leitung und reichte fast bis zum nächsten Straßeneinlauf. Das Material dieser Leitungen war kein bekanntes Rohrmaterial; vielmehr handelte es sich um einen leicht verformbaren nicht identifizierten Kunststoff. Der Verlauf in der 3D-Ansicht sieht  entsprechend aus: Die Verlaufsmessung zeigt keine gerade Linie, sondern folgt dem Rohr, wie es in der Erde liegt, mit vielen kleinen, kaum erkennbaren Wendungen. Aber die IKAS evolution Software machte selbst diese kleinen Wendungen sichtbar.

Auch Christian Buder, Projektleiter Sanierung und Bauleitung von IRS staunte nicht schlecht, als er dem Operator im Inspektionsfahrzeug über die Schulter schaute. Christian Buder hatte zwar viel erwartet, was den Zustand im Untergrund der Goethestraße betrifft, aber eine 20 Meter lange Drainageleitung, die sich durch das Erdreich schlängelt ließ auch ihn die Augenbrauen hochziehen.

Höhepunkt des Tages war die Vermessung einer Hausanschlussleitung. Das inspizierte Rohr konnte Dank der Verlaufsmessung direkt unter das entsprechende Haus auf dem Lageplan nachverfolgt werden. Erst nach ca. 15 Metern kam der erste weitere Anschluss und kurze Zeit darauf ein weiterer, der sich wiederum teilte. Obwohl sich die Kamera bereits sehr weit im Anschlussrohr befand, entstand in der Verlaufsmessung ein verzweigtes Netzwerk. Hier wurde die Messung mit der Begründung von Christian Buder abgebrochen: „Wir sind schon viel weiter im Rohr drin, als wir eigentlich gedacht hätten. Mit den bisher gesammelten Daten können wir sehr gut weiterarbeiten.“

Somit entwickelte sich der zweite Tag zu einem sehr erfolgreichen.

Fazit

Mit der 3D-GeoSense-Rohrverlaufsmessung in Rodewisch liegt ein beeindruckendes Praxisbeispiel vor. Trotz der teilweise schwer zugänglichen Rohre, dem hohen Verschmutzungsgrad und diversen anderen Hindernissen zeigte die Verlaufsmessung ein sehr hohes Maß an Genauigkeit. Diese Genauigkeit ließ sich exemplarisch gut am Lageplan nachvollziehen. Insbesondere die langen Drainageleitungen aus Abschnitt 2 zeigten, wie genau 3D-GeoSense funktioniert. Jede kleinste Wendung wurde von der IBAK-Software aufgezeichnet.

Anhand dieses Praxiseinsatzes zeigt sich ein weiterer Vorteil. Die Verlaufsmessung wurde mit der Kamera ORION L durchgeführt, der lenkbaren Version der Dreh- und Schwenkkopfkamera ORION. Ihre Führungseinheit „Kieler Stäbchen“ ist in alle Richtungen dreh- und schwenkbar  und lenkt die Kamera harmonisch in den Zielkanal. Das „Kieler Stäbchen“ bewies in Rodewisch zum wiederholten Mal, dass es nicht nur als Führungseinheit dient, sondern auch als Werkzeug. Die kleine Kugel am Kopf des „Kieler Stäbchen“ hat einen Durchmesser von exakt einem Zentimeter; mittels dieses Referenzmaßes können Muffenversätze exakter bestimmt werden. Überdies konnte das Stäbchen kleine Steine beiseite schieben, die sich in den Hauptkanal verirrt hatten.

Nach der Datenerhebung wird die Auswertung durch die Firma Berndt erfolgen. Doch schon jetzt wird Interesse an einem weiteren 3D-GeoSense-Einsatz bekundet. Der Bedarf ist da, denn die Baugrunderkundungen sind noch nicht abgeschlossen und nur mit genauen Daten können auch entsprechende Maßnahmen geplant werden.

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