„ROBO-COUP“ im Park

21.12.2015

Im Stuttgarter Schlossgarten sanierte Michel Bau einen einsturzgefährdeten Mischwasserkanal. Roboter Nr. 327 packte kräftig mit an.

Er besitzt kräftige und geschickte Arme, hat keine Angst vor engen Räumen, arbeitet millimetergenau und scheut sich nicht vor Nachtarbeit. Von diesem Mitarbeiter dürfte jeder Arbeitgeber nur träumen.

Michel Bau hat ihn für ein Projekt in Stuttgart gefunden. Sein Name: Conjet Robot 327. Seine Aufgabe: mit höchstem Wasserdruck Bermen in einem sanierungsbedürftigen Mischwasserkanal abzutragen.

Flexible Wasserdüse

Im Frühjahr beauftragte die Landeshauptstadt Stuttgart die Arge Mittlerer Schlossgarten, 2. BA mit der Sanierung. „300 Meter DN 2050 sollten mit einem 1800er GFK-Profil mit seitlichem Trockenwettergerinne von Michel Bau saniert werden“, erzählt Bauleiter Philipp Heetlage.

„Im Altkanal mussten wir zuerst die Betonbankette seitlich der mittigen Niedrigwasserrinne entfernen, weil wir ein neues Einzelrohr mit rechtsseitigem Trockenwettergerinne einziehen wollten. Durch Rissbildungen war der Kanal allerdings einsturzgefährdet. Deshalb mussten wir jegliche Vibration vermeiden.“ Das Tiefbauamt der Stadt Stuttgart hatte als Verfahren Wasserhöchstdruckstrahlen ausgeschrieben, das  üblicherweise mit Handlanzen durchgeführt wird.

„Damit hätten wir aber den Zeitplan nicht einhalten können“, erklärt Schachtmeister Peter Reinecke. Erstmals setzte Michel Bau deshalb einen Höchstdruckwasserstrahlroboter ein. In dessen um 360° drehbaren Arm befindet sich eine Düse, die das Wasser mit bis zu 2000 bar auf die abzutragende Fläche schießt. Über die Geschwindigkeit der Düsenbewegung lässt sich die Abtragmenge exakt einstellen.

Mit einer eigens produzierten Stahlschiene schützte Michel Bau zugleich das Gerinne am Boden des Altkanals. Gemeinsam mit vier menschlichen Kollegen war der Roboter täglich in zwei Neun-Stunden-Schichten im Einsatz, in denen er rund 15 Meter bewältigte. Parallel zum und nach dem Abtrag der Bermen beförderten die Mitarbeiter das Betonmaterial händisch aus dem Kanal und zogen das GFK-Rohr DN 1800 ein.

Rohrwagen nach Maß

Bereits im Vorfeld hatte das Michel Bau-Team die Strecke in drei Sanierungsabschnitte eingeteilt. Von der ersten Baugrube verlegte Michel Bau ein Doppelmuffenrohr, das durch die Muffe bereits als richtungsgebend für die zweite Sanierungsstrecke diente. Für die Verlegung der Rohre hatte Michel Bau selbst einen speziellen Rohrwagen entwickelt, der die Rohre mittels zwei Winden hochhob und sie an die richtige Einbauposition fuhr. Nach der Entfernung des Rohrwagens aus dem Rohr wurde dieses mit den Winden vorsichtig in die Muffe gedrückt.

Die gesamte Bauzeit betrug knapp über zwei Monate. Zu Beginn der Arbeiten am 23. März 2015 errichtete Michel Bau eine Vorflut DN 600. Die vier Tauchpumpen und eine Tagwasserpumpe waren auf bis zu 1200 Liter die Sekunde ausgelegt. Um den zu renovierenden Kanalstrang bei den Starkregenereignissen dennoch freigeben zu können, mauerte Michel Bau das ankommende Rohr dreiviertel hoch ab und installierte drei Durchläufe.

Strenge Regeln fürs Grün

Um die Wege im Park begehbar zu halten, hatte Michel Bau die Vorflut-Rohre über drei Rohrbrücken verlegt. „Auch hinsichtlich des Umweltschutzes mussten wir im Mittleren Schlossgarten strikte Regeln einhalten“, berichtet Bauleiter Heetlage. Die Grünflächen des Parks durften aufgrund des darunter liegenden Bewässerungssystems nicht befahren werden, für mehrere Wege galten Gewichtsbegrenzungen und Rußpartikelfilter sowie die Euro 4-Plakette für Fahrzeuge waren Pflicht.

Trotz dieser Widrigkeiten meisterte Michel Bau das Projekt fast wie einen Spaziergang im Park – dank der tollen Leistung des gesamten Teams und des neuen „Kollegen“ Conjet Robot 327!

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