Super Erfolg: Die 15. Tagung Rohrleitungsbau - Von Netzdienstleistern und Serviceunternehmen

14.02.2008

Am 29./30. Januar 2008 fanden sich rund 180 Geschäftsführer, Entscheidungs- und Verantwortungsträger aus Tief- und Rohrleitungsbauunternehmen zur 15. Tagung Rohrleitungsbau im Swissôtel Berlin ein. Der Rohrleitungsbauverband e.V. (rbv) und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V. (HBI) hatten zu dieser Jubiläumsveranstaltung in die Hauptstadt eingeladen, die auch in diesem Jahr wieder mit ihrem höchst attraktiven Themenspektrum und den hochkarätigen Referenten punkten konnte.

Der Präsident des Rohrleitungsbauverbandes e.V., Dipl.-Ing. Klaus Küsel, begrüßte die Teilnehmer und stimmte sie mit der Vorstellung der Themenschwerpunkte auf das Tagungsprogramm ein. So skizzierte er die Veränderungen in der Landschaft des Rohrleitungsbaus, die sich aufgrund politischer Vorgaben "aus Europa" bereits jetzt im Versorgungssektor abzeichnen und in Zukunft noch deutlicher abbilden werden. Unbundling, Investitionsplanungen, Technisches Sicherheitsmanagement und Qualifikationsnachweise von Kontraktoren sind, so Küsel, heute und auch zukünftig die beherrschenden Themen. Der Rohrleitungsbauverband habe selbstverständlich in seinen Analysen und Stellungnahmen bereits auf die veränderten Aufgaben der Netzdienstleister und deren Serviceunternehmen reagiert, halte aber eine intensive Durchdringung bei den Mitgliedern für notwendig und die stete Thematisierung für den partnerschaftlichen Dialog für erforderlich.

RA Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie e.V., eröffnete die Vortragsreihe mit der Frage "Aufwind in der Bauwirtschaft - laue Luft oder heißer Wind?" Zur Beantwortung dieser komplexen wie provokanten Frage stellte er einige aufschlussreiche Kennzahlen zur baukonjunkturellen Lage zum Jahresbeginn 2008 vor, beschrieb die wirtschaftliche Entwicklung im Leitungsbau, die 2007 weit hinter den Erwartungen zurück geblieben ist, skizzierte die "Marktsituation Energienetze" und verwies auf die in Auftrag gegebene Studie zur "Zustandserfassung und Investitionsbedarf für kommunale Infrastruktur", deren Ergebnisse im April 2008 vorgestellt werden.

Die "Praxistauglichkeit von Managementsystemen" hat Dipl.-Ing. Reinhard Wagner, Ingenieurbüro für integriertes Management und Sachverständigenwesen, auf den Prüfstand gestellt. So skizzierte er die verschiedenen Module des BMS Betriebliches Management System des rbv, das viele Erfolgsfaktoren für die Unternehmen bereithält und sich als praxistauglich erwiesen hat. Vorrangig hierfür gilt die Tatsache, dass es sich richtig an die Bedürfnisse der Unternehmen anpasst und entsprechend ausgerichtete Schulungen und Unterweisungen angeboten werden.

Das "Konfliktfeld Zertifizierung - von der Vielfalt zur Qualität" betrat Dipl.-Ing. Helmut Ernst, Arbeitsgemeinschaft für Wärme und Heizkraftwirtschaft - AGFW - e.V. Ernst machte deutlich, dass die Fach-Zertifizierung und Qualitätssicherung in der Fernwärme nicht nur zur Gefahrenabwehr, sondern insbesondere zur Abwehr von enorm hohen schadensbedingten Folgekosten dient. Das spartenspezifische Regelwerk bilde dabei die "Auffanglinie" und stelle die Mindestanforderungen an Produkte oder Dienstleistungen, Unternehmen und Personal, so Ernst.

Dr. rer. pol. Bernd Voigt, Bauindustrieverband Niedersachsen-Bremen und Kompetenzzentrum für Berufsbildung und Personalentwicklung des HBI, machte unmissverständlich klar, dass die "Fort- und Weiterbildung als Zukunftsperspektive" gesehen werden muss. Voigt stellte - ein bisschen Pisa in der Bauwirtschaft - die Wege zum Beruf in Deutschland denen von Gesamteuropa gegenüber. "Made in Germany" habe immer noch gute Noten, so Voigt, die Stufenausbildung in der Bauwirtschaft biete hervorragende Qualifizierungsmöglichkeiten und damit Aufstiegschanchen. „Aus-, Fort- und Weiterbildung sind Zukunftsperspektiven, weil nur hierdurch nutzbringender Wettbewerb um den Kundenwunsch stattfinden kann", so Voigt abschließend.

Die Änderungen der Rahmenbedingungen für Versorgungsunternehmen, insbesondere aufgrund der geforderten Entflechtungen nach dem Energiewirtschaftsgesetz, haben bekanntermaßen auch Konsequenzen für die Unternehmen des Rohrleitungsbaus. Nach Dipl.-Ing. Dr. techn. Gerhard Kiesselbach, DR. KIESSELBACH CONSULTING GmbH, Wien, gehören künftig die für den nachhaltig sicheren und zuverlässigen Netzbetrieb erforderlichen operativen Tätigkeiten in die Hände externer Fachunternehmen respektive Dienstleister. In einem höchst interessanten Vortrag beschrieb Kiesselbach sehr detalliert die "Wege in eine Instandhaltungsstrategie", die auch die Wegführung für "Entflechtung und Investitionen" einschlossen. Vor allem seien, so Kiesselbach, neue Ideen, neue Strukturen und höchste Flexibilität dafür erforderlich.

RA Prof. Dr. Horst Franke, Frankfurt/M., schloss die Vortragsreihe des ersten Tages mit den Ausführungen über "Pauschale Ausschreibungen der Energieversorgungsunternehmen", erläuterte dazu Charakteristik und Zweck des Pauschalvertrags, stellte die verschiedenen Typen des Pauschalvertrags vor und ging auf die Bestimmung des geschuldeten Leistungsumfangs ein. Aus der Art und Weise der vertraglichen Leistungsbeschreibung eines Pauschalvertrags ergeben sich für den Auftragnehmer, so Franke, regelmäßig größere Risiken als beim Einheitspreisvertrags. Inwieweit der Übertragung dieser Risiken vergaberechtliche Bestimmungen entgegenstehen, klärte Franke ebenfalls.

Entspannung von einem anstrengenden, aber interessanten und erfolgreichen ersten Tagungstag fanden die Teilnehmer bei einem gemeinsamen Abendessen, das mit kabarettistischen Showeinlagen begleitet wurde.

Der folgende Tag begann mit einem höchst aktuellen Thema, das RA Oliver Zander, Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V., in gewohnt professioneller Art den Teilnehmern vermittelte. Nach der schwierigen Bau-Tarifrunde 2007 stelle sich nun die Frage: "Die laufenden Tarifverträge - sind sie finanzierbar?" Zander zeigte Kriterien auf, mit denen eine Beurteilung möglich sein sollte, ob die laufenden Tarifverträge der Situation am Bau angemessen und vor allem, ob sie betriebswirtschaftlich vertretbar sind.

Die "Zusammenarbeit von Versorgungsunternehmen mit Leitungsbaufirmen" machte Dipl.-Ing. Daniel Nolte, NBB Netzgesellschaft Berlin, an zwei Schlagwörtern fest: Regulierung und Netze. Für die Regulierung forderte er zum einen, dass die Netzentgelte den Netzaufwand und die -investitionen ermöglichen müssen und zum anderen die Anreizregulierung die Erreichbarkeit für die Unternehmen gewährleisten muss. Für die Netze hielt er folgendes fest: Ihr finanzieller Wert ist stark gefährdet, der Kostendruck wird durch die Regulierung höher, Optimierung des Kostendrucks im Hinblick auf die Anreizregulierung ist ein Muss unter Einhaltung der technischen Regelwerke, Kooperationen und Fusionen können als Instrumente zur Sicherung der finanziellen Werte der Netze dienen.

Mit dem Vortrag "Die Rolle der Qualitätsregulierung in der Anreizregulierung" stand den Tagungsteilnehmern mit Dennis Volk ein Referent der Bundesnetzagentur, Bonn, zur Verfügung. Auf seiner Agenda standen das Konzept und die Grundlagen der Anreizregulierung, der entsprechende Kabinettsentwurf, der beschlossene Stand der Anreizregulierungsverordnung mit den wichtigsten Kernpunkten, die Ermittlung der individuellen Erlösobergrenzen und Kostenanteile sowie die Investitionen und die Qualität in der Anreizregulierung. Mit einer Zeittafel gewährte Volk den Tagungsteilnehmern einen Blick auf die noch folgenden Schritte in 2008 bis zum Beginn der Anreizregulierung in 2009. Wie erwartet, gab es im Anschluss an diesen Vortrag erfreulich großen Diskussionsbedarf.

Dipl.-Ing. Christian Thomasius, Berliner Wasserbetriebe, berichtete über die "Investitionen in die Netze" und stellte für die verschiedenen Durchflussmedien die Kernaussagen zur Investitionsstrategie vor.

Dipl.-Ing. Klaus Küsel, Präsident des rbv und Geschäftsführer der Heinrich Scheven GmbH, Erkrath, zog, wie schon gewohnt, mit seinem abschließenden Vortrag die volle Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. "Die Vision des Rohrleitungsbauverbandes - Netzdienstleister bis ganzheitlicher Leitungsbau" ist für Küsel längst nicht mehr die Frage, sondern der Weg. Erneut ermahnte er die Unternehmer: „Wenn wir wirklich Marktteilnehmer sein wollen, müssen wir als Firmen dem jeweiligen Versorger ein Angebot machen..., ...wir haben deutlich gemacht, dass ein Rohrleitungsbauunternehmen sehr wohl in der Lage ist, Partner der mittelständischen Gemeinden zu werden und mit diesen gemeinsam neue Dienstleistungskonzepte auszuarbeiten." Er legte den Unternehmern ans Herz, nach dem Erfolgsmodell EPCM Engineering, Procurement, Construction, Management zu handeln und damit auf ganzheitliche Auftragsvergabe von der Budgetplanung über das Engineering zur Beschaffung sämtlicher Materialkomponenten und Dienstleistungen zu reagieren. Was wir dazu brauchen, so Küsel, ist der Erhalt von Kompetenz in der Versorgungswirtschaft und der Aufbau hoch qualifizierter Dienstleistungsunternehmen, die langfristig verwantwortungsvolle Aufgaben im Auftrag von Netzgesellschaften ausführen.

Die traditionsreiche "Tagung Rohrleitungsbau" ist auch im 15. Jahr - sowohl an seinen Referenten, Themen und Teilnehmern als auch an seiner Organisation gemessen - erstklassig und mit der Note "sehr gut" zu bewerten.

Kontakt:
Rohrleitungsbauverband e.V.
Dipl.-Ing. Dieter Hesselmann
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Tel.: +49 (0) 221 3 76 68-49
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