Leitfaden Mikrotunnelbau / Hrsg.: MUNLV NRW, Redaktion: Prof. Dr.-Ing. D. Stein, A. Brauer (2005)

Glossar

Die nachfolgend aufgeführten Begriffe und Definitionen stellen einen gekürzten Auszug aus dem umfangreichen Glossar des Fachbuches Stein, D.: "Grabenloser Leitungsbau", Verlag Ernst & Sohn, Berlin 2003 [Stein03] dar.

Abbaukammer:
Direkt hinter dem Bohrkopf der Vortriebsmaschine angeordnete Kammer zur Aufnahme des an der Ortsbrust abgebauten Bohrgutes oder Bohrkleins. Bei hydraulischer Förderung finden hier auch die Einleitung des Spülmittels sowie die Vermischung und Abförderung des Feststoff-Flüssigkeits-Gemisches statt [Stein03].

Abförderleitung:
Rohrleitung, durch die bei einem hydraulischen Fördersystem das Bohrklein-Spülmittelgemisch mittels Pumpen nach über Tage abgefördert wird [Stein03].

Abrasivität:
Die Eigenschaft von Locker- und Festgestein, beim Bohren am Bohrwerkzeug einen mehr oder weniger großen Verschleiß auszuüben (in Anlehnung an [Arnol93]) [Stein03].

Aufweitbohrung:
Vergrößern des Bohrlochdurchmessers durch Aufbohren (Erweiterungsbohrloch) [DIN20301] (auch Aufweitungsbohrung oder Erweiterungsbohrung genannt).

Baugrund:
Boden oder Fels, in dem Bauwerke (Leitungen oder Schächte) gegründet oder eingebettet werden sollen oder der durch Baumaßnahmen beeinflusst wird (in Anlehnung an [DIN4020]) [Stein03].

Baugrundrisiko:
Ein in der Natur der Sache liegendes, unvermeidbares Restrisiko, das bei Inanspruchnahme des Baugrundes bzw. der im Baugrund vorhandenen Inhaltsstoffe (Grundwasser, Kontamination etc.) zu unvorhersehbaren Wirkungen bzw. Erschwernissen führen kann, obwohl derjenige, der den Baugrund beistellt, seiner Verpflichtung zur vollständigen Untersuchung und Beschreibung der Baugrund- und Grundwasserverhältnisse nach den Regeln der Technik zuvor vollständig nachgekommen ist, und obwohl der Bauausführende seine eigene Prüfungs- und Hinweispflicht ebenfalls erfüllt hat (in Anlehnung an [DIN4020c]) [Stein03].

Baugrundverbesserung:
Voreilende oder den Vortrieb begleitende Maßnahmen zur Verbesserung der Eigenschaften des Baugrundes für den Vortrieb, wie z.B. Grundwasserhaltung, Druckluft, Injektion oder Vereisung des Bodens (in Anlehnung an [DS853]) [Stein03].

Baulänge:
Vortriebsrohrlänge plus, wenn vorhanden, Dicke des Druckübertragungsringes im unverpressten Zustand (in Anlehnung an [DINEN14457]) [Stein03].

Bentonit:
Feststrukturbildner aus quellfähigem Ton zur Herstellung von flüssigen Spülmitteln (z.B. Bentonitsuspension oder Bentonitspülung) auf der Basis von Wasser [Stein03].

Block:
Mineral mit einer Korngröße > 200 mm; großer Block > 630 mm (vgl. Stein ) (in Anlehnung an [DINENISO14688]) [Stein03].

Boden:
Gemisch mineralischer Bestandteile in Form einer Ablagerung, aber fallweise organischen Ursprungs, das mit geringem mechanischem Aufwand separiert werden kann, und das unterschiedliche Anteile von Wasser und Luft (fallweise anderen Gasen) enthält. Der Begriff wird jedoch auch für Auffüllungen, umgelagerten Boden oder anthropogenes Material verwendet, die ein ähnliches Verhalten aufweisen, z.B. zerkleinertes Gestein, Hochofenschlacken, Flugaschen. Anmerkung: Böden weisen teilweise auch ein felsartiges Gefüge auf, besitzen aber normalerweise eine geringere Festigkeit als Fels [DINENISO14688].

Bohren (Bohrung):
Maschinelles Herstellen eines Hohlraums (Bohrloches) im Baugrund mit hierfür geeigneten Werkzeugen. Im vorliegenden Anwendungsfall kann die Bohrung durch Bodenverdrängung oder -entnahme erfolgen (vgl. auch Kernbohren, Aufweitbohrung) (in Anlehnung an [DIN20301]) [Stein03].

Bohrgut:
Beim Trockenbohren im Lockergestein anfallendes Gut (in Anlehnung an [Arnol93] [DIN20301]) (s.a. Bohrklein ) [Stein03].

Bohrgutförderkübel:
Behälter zum Abfördern des beim Trockenbohren zum Start- oder Zielschacht geförderten Bohrguts nach über Tage [Stein03].

Bohrklein:
Bei Bohrverfahren mit Spülmittel und beim Bohren im Festgestein anfallendes Gut (in Anlehnung an [Arnol93] [DIN20301]) (s.a. Bohrgut ) [Stein03].

Bohrkopf:
Bohrwerkzeuge, Geräte oder Kombinationen von Geräten, die den an der Ortsbrust anstehenden Baugrund abbauen und üblicherweise für mechanische Abbauverfahren eingesetzt werden (in Anlehnung an [DINEN12889c] [Arnol93] [DIN20302]).

Bohr- und Steuerkopf:
Gelenkiger Vorderteil einer Vortriebsmaschine.

Bohrloch:
Maschinell hergestellter, annähernd zylindrischer Hohlraum im Baugrund (in Anlehnung an [DIN20301]) [Stein03].

Bohrlochwand:
Fläche, die durch den umgebenden Baugrund gebildet wird (in Anlehnung an [DIN20301]) [Stein03].

Bohrspülung:
Kontrolliert im Bohrloch oder im Förderkreislauf zirkulierendes Fluid, d.h. Flüssigkeit, Gas oder eine Mischung aus beiden, vornehmlich zum Austragen des gelösten Bohrkleins aus dem Bohrloch bzw. von der Ortsbrust nach über Tage und in Abhängigkeit des Vortriebsverfahrens zur Erfüllung weiterer Aufgaben (auch Spülung oder Spülmittel genannt) (in Anlehnung an [Arnol93] [Wirth79]) [Stein03].

Brecherkammer:
Abbau- oder Suspension-/Mischkammer, in der gleichzeitig eine Steinbrechereinrichtung installiert ist (kombinierte Abbau- und Brecherkammer bzw. kombinierte Brecher- und Suspensions-/Mischkammer) [Stein03].

Bruttobohrzeit
Gesamtbohrzeit als Summe aus Nettobohrzeit, Umsetzzeit, Anbohrzeit, Rüstzeit und den Zeiten für alle weiteren Arbeiten, die dem Bohren unmittelbar dienen [DIN20301].

Druckübertragungsring:
Bauteil zur Übertragung von Vortriebskräften zwischen den Stirnflächen der Rohre während des Einbaus (in Anlehnung an [DINEN14457]) [Stein03].

Durchfahrschacht:
Hilfsbauwerk in Form eines Schachtes, das beim Vortrieb von einem Start- in einen Zielschacht planmäßig (z.B. für Wartungsmaßnahmen, Werkzeugwechsel, Ausbau von Zwischenpressstationen) von einer Vortriebsmaschine durchfahren wird (auch Zwischenschacht genannt) [Stein03].

Eindringwiderstand:
Aus Schneiden widerstand und/oder Andrückkraft und/oder Stützkraft zusammengesetzter Widerstand [Stein03].

Einphasiger Vortrieb:
Vortrieb der Rohrleitung(en) durch Einpressen, Einziehen oder Einrammen in einem Arbeitsgang [Stein03].

Einpressen:
Vortrieb der Rohrleitung mit Hilfe von Druckkräften gleichzeitig mit der Herstellung oder Aufweitung der Bohrung [Stein03].

Einrammen:
Vortrieb der Rohrleitung mit Hilfe von dynamischer Energie gleichzeitig mit der Herstellung der Bohrung [Stein03].

Einschieben:
Vortrieb der Rohrleitung mit Hilfe von Druckkräften nachträglich in das unverrohrte Bohrloch oder der Rohrleitung gleichzeitig mit dem Herausschieben der Interimsrohre beim verrohrten Bohrloch.

Einziehen:
Vortrieb der Leitung(en) mit Hilfe von Zugkräften entweder gleichzeitig mit der Herstellung oder Aufweitung des Bohrloches oder nachträglich in das unverrohrte Bohrloch [Stein03].

Fels:
Eine natürliche Ansammlung von Mineralien, die konsolidiert, verkittet oder in anderer Form verbunden sind und ein Gestein von größerer Druckfestigkeit oder Steifigkeit bilden als Boden [DINENISO14689].

Förderleitung:
Oberbegriff für Zu- und Abförderleitung [Stein03].

Förderschnecke:
Stetigförderer, bestehend aus einem schraubenförmig gebogenen Schneckenblatt, das an einer drehbaren Welle befestigt ist, die sich in einem Schneckenführungsrohr oder im Vortriebsrohrstrang dreht (auch Schneckenförderer genannt) [Stein03].

Gleit- und Stützmittel:
In den Ringspalt eingepresste feststofffreie oder feststoffhaltige Flüssigkeit zur Reduzierung der Mantelreibung zwischen Rohrstrang und Baugrund sowie Stützung der Bohrlochwand (in Anlehnung an [DS853] (auch Schmiermittel genannt) [Stein03].

Grabenloser Leitungsbau:
Verlegung von Ver- und Entsorgungsleitungen (Produktleitungen), Schutz- und Mantelrohren, Leitungskanälen und der baulichen Hülle begehbarer Leitungsgänge in geschlossener Bauweise durch Vortrieb von Leitungen und mit Hilfe von Tunnel- und Stollenvortriebsverfahren [Stein03].

Hebungen:
Vertikale Bodenverformungen in Richtung der Geländeoberfläche (auch als Auswerfungen bezeichnet) (in Anlehnung an [Placz01]).

Hohlschnecke:
Förderschnecke mit Hohlwelle als optische Gasse für den Zielstrahl (Vermessung) oder für die Zuführung von Spülmitteln oder Druckluft [Stein03].

Hohlschneckenbohrgestänge:
Hohlwelle (Rohrwelle) mit schraubenförmigen Wendeln [Stein03].

Hohlschneckenbohrgestängestrang:
Miteinander verbundene (z.B. verschraubte oder gesteckte) Hohlschneckenbohrgestänge [Stein03].

p>Hohlschneckenbohrstrang:
Hohlschneckenbohrgestängestrang mit Bohrwerkzeug (Bohrkopf) [Stein03].

 

Hydraulisches Antriebsaggregat:
Diesel-, benzin- oder elektrisch betriebenes Gerät zur Erzeugung des notwendigen Druckes für die hydraulischen Einrichtungen eines Bohrgerätes bzw. einer Bohranlage (auch Hydraulikaggregat oder hydraulische Antriebsstation genannt) [Stein03].

Injektion:
Einbringen von Injektionsmitteln (Einpressgut, Füllgut) in Risse und Hohlräume unter Druck über Injektionsstutzen (auch Einpressen, Verpressen, Hinterpressen, Auspressen genannt) (in Anlehnung an [DS853]) [Stein03].

Interimsrohr:
Zur maschinentechnischen Ausrüstung gehörendes, wiedergewinnbares Rohrsystem für die temporäre Stützung des Bohrloches (auch Hilfsrohr, Futterrohr oder Temporärrohr genannt) [Stein03].

Kämpfer:
Seitlicher Bereich im Rohr. Man unterscheidet rechter (3 Uhr-Bereich unter Verwendung der Ziffernblattreferenz (Uhrzeit)) und linker Kämpfer (9 Uhr-Bereich unter Verwendung der Ziffernblattreferenz (Uhrzeit)) [Stein03].

Kernbohren:
Herstellen eines Bohrloches durch Ausbohren einer Kreisringfläche, so daß ein zylindrischer Bohrkern entsteht [DIN22005-2].

Kernbohrkrone:
Drehbohrwerkzeug mit Schneidlippen, die mit Diamanten (Diamantbohrkrone), Hartmetall oder Rollen (Rollenbohrkrone) bestückt sind und einen Ringquerschnitt im Bohrloch bearbeiten [DIN20302].

Liner-Plates:
Gebogene (gekrümmte) und gegebenenfalls feuerverzinkte oder kunststoffbeschichtete bzw. epoxidharzbeschichtete, plattenförmige Elemente aus Stahl, die segmentweise werkseitig vorgefertigt und am Einsatzort zur Schachtsicherung verschraubt werden [Stein03].

Lockergestein:
s. Boden.

Luft-(Gas-)-Spülung:
Das Bohrklein wird mit einem zirkulierenden Spülmittel auf Basis von Druckluft (Gas) ohne oder mit Zusätzen von Schaumbildnern abgeführt bzw. ausgetragen (in Anlehnung an [DIN20301]) [Stein03].

Mikrotunnelbau:
Unbemannt, ferngesteuert arbeitendes, einphasiges oder zweiphasiges Verfahren, bei dem Vortriebsrohre mit einem lichten Durchmesser < 1200 mm (nicht zu verwechseln mit DN/ID) unmittelbar hinter einer Vortriebsmaschine von einem Startschacht aus durch Einpressen oder Einschieben in den Baugrund bis zu einem Zielschacht vorgetrieben werden [Stein03].

Mikrotunnelbau mit hydraulischer Förderung:
Ein- oder zweiphasiger, gesteuerter Vortrieb von Vortriebsrohren bei gleichzeitigem vollflächigem Abbau der mechanisch- und flüssigkeitsgestützten Ortsbrust durch einen Bohrkopf und kontinuierlicher, indirekter Abförderung des Bohrkleins mit flüssigem Spülmittel (auch Schild-Rohrvortrieb genannt) [Stein03].

Mikrotunnelbau mit pneumatischer Förderung:
Ein- oder zweiphasiger, gesteuerter Vortrieb von Vortriebsrohren bei gleichzeitigem vollflächigem Abbau der mechanisch und erddruckgestützten Ortsbrust durch einen Bohrkopf und kontinuierlicher, indirekter Abförderung des Bohrkleins mit dem Spülmittel Luft (auch Mikrotunnelbau mit Saugförderung oder Luftförderung genannt) [Stein03].

Mikrotunnelbau mit Schneckenförderung:
Ein- oder zweiphasiger, gesteuerter Vortrieb von Vortriebsrohren bei gleichzeitigem Abbau der Ortsbrust mittels eines Bohrkopfes und kontinuierlicher Abförderung des Bohrgutes/Bohrkleins durch eine Förderschnecke (auch Pressbohrverfahren oder Pressbohr-Rohrvortrieb genannt) [Stein03].

Nachläufer:
Hintere(r) Teil(e) einer Vortriebsmaschine, in dem die erforderliche maschinentechnische Ausrüstung untergebracht ist. Er (sie) ist (sind) fest mit dem Bohr- und Steuerkopf der Vortriebsmaschine verbunden.

Nennweite:
Ganzzahlige numerische Bezeichnung für den Durchmesser eines Rohrleitungsteiles, die annähernd dem tatsächlichen Durchmesser in mm entspricht. Sie bezieht sich auf den Innendurchmesser (DN/ID) (Synonym: Kurzform DN/ID) [DINEN805].

Nettobohrzeit:
Zeit für das eigentliche Bohren (s. Vortriebsleistung ) [DIN20301].

Ortsbrust:
Ausbruchsfläche eines Hohlraumes bzw. Bohrloches in Vortriebsrichtung (in Anlehnung an [DS853]) (auch Brust genannt) [Stein03].

Pilotbohrgestänge:
Beim Pilotrohr-Vortrieb in der ersten Phase eingesetzte Bohrgestänge, die zur Maschinenausrüstung gehören und wiedergewonnen werden [Stein03].

Pilotbohrgestängestrang:
Miteinander verschraubte Pilotbohrgestänge [Stein03].

Pilotbohrkopf:
Abbauender oder verdrängender Bohr- oder Verdrängungskopf am Pilotbohrgestänge (s.a. Pilotbohrgestänge ) [Stein03].

Pilotbohrstrang:
Pilotbohrgestängestrang einschließlich Pilotbohrkopf [Stein03].

Pilotrohr-Vortrieb:
Herstellung einer gesteuerten Pilotbohrung, entweder nach dem Bodenverdrängungs- oder dem Bodenentnahmeprinzip und anschließender ungesteuerter Aufweitbohrung(en) mittels Bodenverdrängung oder -entnahme und Vortrieb der Rohrleitung(en) durch Einpressen, Einschieben oder Einziehen im letzten Arbeitsschritt bei gleichzeitigem Herauspressen, Herausschieben oder Herausziehen des Pilotbohr(gestänge)stranges oder Interimsrohrstranges (auch Pilotrohr(bohr)verfahren genannt) [Stein03].

Pressstation:
Im Startschacht installierte hydraulische Vorschubeinrichtung zur Erzeugung der erforderlichen Vortriebskraft, bestehend aus Pressenrahmen, Vorschubzylinder, Druckring und Pressenwiderlager.

Produktrohrleitung:
Rohrleitung zum Transport und zur Verteilung von Flüssigkeiten und Gasen - mitunter auch von festen Stoffen (auch als Produktenrohr, Medium- oder Medienrohr bezeichnet) [Stein03].

Räumer:
Am Ende eines Bohrgestänges montierter Bohrkopf zur Herstellung einer Aufweitbohrung (in Anlehnung an [DINEN12889c]) [Stein03].

Ringspalt:
Durch Überschnitt erzeugter Hohlraum zwischen Rohraußen- und Bohrlochwand [Stein03].

Ringspaltverfüllung:
Einpressen von erhärtendem Füllgut (z.B. Zementmörtel, -paste, -suspension) in den Ringspalt (Überschnitt) zwischen Rohraußen- und Bohrlochwand nach Beendigung des Vortriebes (auch Hinterpressen genannt) (in Anlehnung an [DS853]) [Stein03].

Rüstzeit:
Zeit für das Vorbereiten der Bohrarbeit (Zurüsten) und für das Abbauen und Wegschaffen der Bohreinrichtung (Abrüsten) [DIN20301].

Sacklochbohrung:
Bohrung, die nicht in einem Zielschacht oder anderen Hohlraum endet bzw. angeschlossen wird (auch Sackbohrung, Grundbohrung oder Blindbohrung genannt) [Stein03].

Schacht:
Vertiefung der Geländeoberfläche durch Abteufen (Aushub oder Ausschachtung bzw. Vertikalbohrung) mit einer geeigneten Sicherung, die zum unterirdischen Herstellen von Bohrlöchern mit Hilfe der Verfahren des grabenlosen Leitungsbaus und für den Transport von Menschen, Maschinen, Stoffen (Bohrklein- bzw. Bohrgut, Luft zur Bewetterung, Wasser, Bentonitsuspension etc.) und Hilfsmaterial (Rohre, Kabel, Schläuche) sowie der Energieversorgung dienen [Stein03].

Schacht:
siehe auch Startschacht, Zielschacht, Durchfahrschacht.

Schachtbau:
Verfahrensweise zum Abteufen und Sichern von Schächten [Olsha91].

Scheitel:
Oberer Bereich im Rohr (12 Uhr-Bereich unter Verwendung der Ziffernblattreferenz (Uhrzeit)) [Stein03].

Schildmantel:
Äußerer, zylindrischer Stahlmantel der Vortriebsmaschine.

Schmierung des Rohrstranges:
Einpressen von Gleit- und Stützmitteln in den Ringspalt zwischen Rohraußen- und Bohrlochwand unter Druck über Injektionsstutzen während des Vortriebes zur Stützung der Bohrlochwand und Reduzierung der Mantelreibung zwischen Rohrstrang und Baugrund [Stein03].

Schneckenbohrgestänge:
Vollwelle mit schraubenförmigen Wendeln [Stein03].

Schneckenbohrgestängestrang:
Miteinander verbundene (z.B. verschraubte oder gesteckte) Schneckenbohrgestänge [Stein03].

Schneckenbohrstrang:
Schneckenbohrgestängestrang mit Bohrwerkzeug (Bohrkopf) [Stein03].

Schneckenführungsrohr:
Stahlrohr, in dem die Förderschnecke rotiert (auch Fördertrog oder Förderrohr genannt) [Stein03].

Schneidenwiderstand:
Beim Einpressen der Schildschneide der Vortriebs-/Schildmaschine in den Boden entstehender Widerstand [Stein03].

Schutzrohrleitung:
Im Baugrund verbleibende Rohrleitung zur Aufnahme und zum Schutz einer Produktrohrleitung oder eines Kabels gegenüber äußeren Beanspruchungen [Stein03].

Senkung:
Vertikale Verschiebung einer ganzen Bodenschicht in Folge Materialentzugs in größerer Tiefe (in der Literatur oftmals als Setzung bezeichnet) (in Anlehnung an [Drosd96]) [Stein03].

Separation:
Absonderung bzw. Trennung der verschiedenen Bestandteile eines Gemisches, Gemenges o.ä. (in Anlehnung an [Drosd96]) [Stein03].

Separationsanlage:
Vorrichtung zur mechanischen Trennung der Bestandteile Feststoff (Bohrklein) und Flüssigkeit (flüssiges Spülmittel), um das Spülmittel erneut dem Förderkreislauf zur Verfügung zu stellen und das gewonnene Bohrklein deponierbar zu machen. Die Trennung der Feststoffpartikel vom Spülmittel erfolgt durch Absetztechniken oder mehrstufige Separationstechniken entsprechend den anfallenden Kornfraktionen des Lockergesteins (in Anlehnung an [Herre01]) (auch als Separieranlage, -einrichtung oder Separator bezeichnet) [Stein03].

Setzung:
Vertikale Verschiebung einzelner Bodenelemente durch Spannungserhöhung (in Anlehnung an [Placz01]) [Stein03].

Sohle:
Unterer Bereich im Rohr (6 Uhr-Bereich unter Verwendung der Ziffernblattreferenz (Uhrzeit)) [Stein03].

Startschacht:
Ein Hilfsbauwerk in Form eines Schachtes, von dem aus ein Vortrieb beginnt (in Anlehnung an [DS853] (auch Startbaugrube, Anfahr-, Ausfahr- oder Press(en)schacht genannt) [Stein03].

Stein:
Mineral mit einer Korngröße > 63 mm bis ≤ 200 mm (vgl. Block) [Stein03].

Trockenbohrverfahren:
s. Verfahren ohne Spülmittel (auch Trockenbohren genannt).

Überdeckungshöhe:
Abstand zwischen Bohrachse und Geländeoberfläche bzw. Gewässersohle, mitunter wird auch der Abstand zwischen Oberkante Rohrleitung und der Geländeoberfläche bzw. Gewässersohle als Überdeckung angesprochen (in Anlehnung an [DS853]) (auch Überlagerung genannt).

Überschnitt:
Ringspalt um das Rohr, der planmäßig infolge Verwendung eines Bohrkopfs oder Schildes mit größerem Durchmesser als dem Außendurchmesser des Rohrs entsteht [DINEN12889c].

Unbemanntes Verfahren:
Verfahren ohne Einsatz von Personal an der Ortsbrust während des Vortriebs [DINEN12889c] (auch unbemannt arbeitendes Verfahren genannt).

Verbindung:
Druck-, zug- sowie druck- und zugkraftschlüssige (längskraftschlüssige) Verbindung der Enden zweier Vortriebsrohre (auch Rohrverbindung genannt) [Stein03].

Verfahren mit Spülmittel:
Das Bohrklein wird von einem Spülmittel abgeführt (in Anlehnung an [DIN20301]).

Verfahren ohne Spülmittel:
Das Bohrgut wird z.B. mechanisch mit einer Förderschnecke aus dem Bohrloch entfernt (in Anlehnung an [DIN20301]) (auch Trockenbohren genannt).

Vortrieb:
Herstellen eines Bohrloches und Einpressen, Einschieben, Einrammen oder Einziehen einer oder mehrerer Leitung(en) [Stein03].

Vortriebsanlage:
Vortriebstechnische Ausrüstung, die in mehreren Einzelteilen transportiert und im Startschacht auf vorbereiteten Fundamenten montiert wird.

Vortriebskraft:
Verfahrensbedingte Kraft zur Überwindung des Eindring- und Reibungswiderstandes beim Einschieben, Einpressen, Einrammen oder Einziehen von Vortriebsrohren [Stein03].

Vortriebslänge:
Mit einem Vortriebsverfahren zurückgelegte Distanz zwischen Start- und Zielschacht (auch Vorpresslänge genannt), entspricht bei der grabenlosen Verlegung von Abwasserleitungen und -kanälen in der Regel der Haltungslänge.

Vortriebsleistung:
s. Nettobohrzeit (auch Vortriebsgeschwindigkeit genannt).

Vortriebsmaschine:
Verschiebliche Verbaukonstruktion für den unbemannten Vortrieb von Vortriebsrohren mit einem lichten Durchmesser < 1200 mm (nicht zu verwechseln mit DN/ID), bestehend aus Bohr- und Steuerkopf sowie Nachläufer(n) (in Anlehnung an [DS853]) (auch Mikrotunnelbohrmaschine oder Mikro(tunnelbau)maschine genannt) [Stein03].

Vortriebsrohr:
Vorgefertigtes Rohr mit druckkraftschlüssiger, zugkraftschlüssiger oder druck- und zugkraftschlüssiger (längskraftschlüssiger), beweglicher oder starrer Rohrverbindung innerhalb der Wanddicke und glatter, ebener Außenkontur (Ausnahme: Duktile Gussrohre mit angegossener Muffe für Spülbohrverfahren), das in den Baugrund bzw. Hohlraum eingepresst, eingeschoben, eingerammt oder eingezogen wird (auch (Vor)Pressrohr genannt) [Stein03].

Wasserhaltung:
Zeitlich begrenzte Maßnahme, mit der der für die Errichtung eines Bauwerkes erforderliche, vom Grundwasser beeinflusste Arbeitsraum trocken gehalten wird. Man unterscheidet offene und geschlossene (z.B. Grundwasserabsenkung mittels Brunnen) Wasserhaltungen (in Anlehnung an [Rieß01] [DIN18305]) [Stein03].

Zielschacht:
Ein Hilfsbauwerk in Form eines Schachtes, in dem ein Vortrieb endet (auch Zielbaugrube oder Einfahrschacht genannt) (in Anlehnung an [DS853]) [Stein03].

Zuförderleitung:
Rohrleitung, durch die bei einem hydraulischen Fördersystem das Spülmittel zum Bohrwerkzeug gefördert wird (auch Speiseleitung genannt) [Stein03].

Zweiphasiger Vortrieb:
Vortrieb der Rohrleitung (en) durch zwei Arbeitsgänge:
Phase 1: Vortrieb eines Rohrstranges aus Interimsrohren bzw. eines Pilotbohrstranges.
Phase 2: Vortrieb der Rohrleitung(en) bei gleichzeitigem Herausziehen oder Herauschieben des Interimsrohrstranges bzw. Pilotbohrstranges in den Zielschacht [Stein03].

Zwischenschacht:
s. Durchfahrschacht.

Leitfaden Mikrotunnelbau / Hrsg.: MUNLV NRW, Redaktion: Prof. Dr.-Ing. D. Stein, A. Brauer (2005)