2. Kanalcocktail in Schwerte

08.05.2006

Ein zweites Mal hatten die Experten der GSTT Arbeitsgruppe 5 "Güteüberwachung Grundstücksentwässerung" zum Kanalcocktail in die Räumlichkeiten der Stadtwerke Schwerte eingeladen. Fast 100 Fachleute folgten dem Ruf und wurden Zeugen einer gelungenen Veranstaltung. Zur Freude der Teilnehmer wurde das druckfrische Muster-Leistungsverzeichnis für die "Optische Inspektion und Dichtheitsprüfung von Ein- und kleinen Mehrfamilienhäusern" verteilt.

Thema des ganztägigen Informationsaustausches war die "Optische Inspektion und Dichtheitsprüfung von Grundstücksentwässerungsanlagen". In gewohnt routinierter Weise wurde dieses Seminar vom Sprecher der GSTT AG5, Herrn Dipl.-Ing. Rolf Rehling, moderiert. Er verstand es, die Teilnehmer zur Diskussion anzuregen und im passenden Moment die Spannung auf die einzelnen Vorträge zu lenken.

In relativ kurzen aber informativen Referaten wurden am Vormittag die Teilnehmer theoretisch auf den neuesten Stand gebracht, bevor die Praxis am Nachmittag ihren Raum finden sollte.

Herr Dipl.-Ing. Ralf Togler von der Abwasserberatung NRW gab theoretische und praxisgerechte Empfehlungen im Umgang mit "Dichtheitsprüfungen nach DIN EN 1610 und DIN 1986, Teil 30". Die rechtlichen Grundlagen wurden kurz angerissen und die unterschiedlichen Prüfmöglichkeiten anschaulich erläutert.

Dabei wurde klar, dass die Kriterien der Prüfung den Örtlichkeiten sowie den Vorgaben der Kommune angepasst werden müssen.
Von Herrn Ralf Togler konnten die in der Fachliteratur immer wieder genannten hohen prozentualen Anteile undichter Leitungen innerhalb der Grundstücksentwässerungsanlagen auf Grundlage eigener Pilotprojekte bestätigt werden.

Erheiternd waren seine Ausführungen über vorgefundene Revisionsöffnungen. "Hier gibt es nichts, was es nicht gibt."

Dass dieses natürlich auch Folgen auf die Ausführung der Prüfung hatte, konnte anhand der gezeigten Bilder jeder Teilnehmer erkennen.

Zu den alltäglichen Schwierigkeiten bei einer Dichtheitsprüfung zählt die oftmals schlechte Zugänglichkeit der Leitungen, so dass die Blasen teilweise schwierig zu positionieren waren oder nicht richtig abdichteten.

Ebenso werden extreme Bögen in den Leitungen vorgefunden. Voraussetzung für die Dichtheitsprüfung sind auch exakte Kenntnisse über Leitungslängen und Rohrgeometrie.

Dipl.-Ing. Ralf Togler stellte in seinem Beitrag auch klar, dass die Ergebnisse bei einer festgestellten Undichtigkeit nicht reproduzierbar waren.
  DIN EN 1610 ATV-M 143 T6 DIN EN 1986 ATV-DVWK-A 142
Neubau / Sanierung x     x
Wiederholungsprüfung   x x x
Besonderheit     Spezielle Regelungen
für häusliche Abwässer
Verschärfte Anforderungen
in Wasserschutzgebieten
Tabelle 1: Dichtheitsprüfungen in den Regelwerken
Je nach Gefälle und Länge der Leitungen muss auch der Prüfdruck bei verschiedenen Grundstücksentwässerungsanlagen entsprechend den örtlichen Verhältnissen im Rahmen der normativen Vorgaben angepasst werden. Genauso wie bei der Ermittlung der Prüfzeit ist ingenieurmäßiges Handeln und Erfahrungen wichtig. Schließlich verändert sich das Bodengefüge bei der Prüfung je nach Prüfdruck unterschiedlich. So dass im Extremfall Leitungen auch "kaputt geprüft" (zerstörend) werden können.

Zum Schluss seines spannenden Vortrages machte Herr Togler deutlich, dass die Prüfung mit Wasser bei den Grundstückseigentümern auf mehr Verständnis stieß. Ebenso war sie für den Laien besser nachzuvollziehen, da bei Undichtigkeiten im Leitungssystem das abfließende Wasser gesehen werden konnte. Auch stand das Ergebnis - dicht oder undicht- sofort fest.

Über die "Reinigung und optische Inspektion von Grundstücksentwässerungsanlagen (GEA)" referierte Herr Dipl.-Ing. Daniel Tombers vom Ingenieurbüro iNGiMA aus Aachen.
Die vorgeschaltete optische Inspektion macht die Dichtheitsprüfung in vielen Fällen überflüssig. Schon auf dem Inspektionswagen kann die Dichtheit aufgrund der Schadensbilder häufig ausgeschlossen werden. Ebenso können Ablagerungen und andere Ursachen für Betriebstörungen sofort erkannt werden.

Die Bewertung der weiteren notwendigen Schritte bei der Untersuchung von GEA erfolgt auf Grundlage des Inspektionsergebnisses. Daher ist eine gründliche Inspektion eine Grundvoraussetzung für ein hochwertiges Sanierungskonzept. "Wer hier die Kosten zu weit nach unten drückt, steht am Ende ohne verwertbare Berichte da."

Grundsätzlich ist vor der Inspektion eine Reinigung der Entwässerungsanlage durchzuführen. Die Art der Reinigung muss im Rahmen der Ausschreibung vorgegeben werden, ist jedoch im Zweifelsfall durch den ausführenden Dienstleister den örtlichen Gegebenheiten anzupassen, so dass bereits geschädigte Leitungen nicht durch unfachgerechte Reinigung "kaputt" gereinigt werden.

Trotz allem sind sie so zu reinigen, dass eine einwandfreie Beurteilung möglich wird. Das bedeutete, dass auch Ablagerungen weitestgehend beseitig werden.

Ist dieses nicht mit einem Reinigungsdurchgang zu gewährleisten oder werden zwischenzeitlich die Leitungen wieder verschmutzt, so sind Zwischenreinigungen durchzuführen.
Grundsätzlich ist bei jedem Spülvorgang das abfließende Wasser im Hinblick auf Rohrwandungs- oder Bodenbestandteile zu beobachten. In kritischen Fällen müssen Teilbereiche der Leitungen, bei denen einsturzgefährdende Schäden vermutet werden, vor der Reinigung mit der Kamera immer inspiziert werden.

Vor dem Hintergrund eines zu erstellenden Sanierungskonzeptes müssen nach Überzeugung von Dipl.-Ing. Tombers, jederzeit die wahrscheinlichen Sanierungsverfahren mit den vorbereitenden Maßnahmen abgeglichen werden. Es machte demnach keinen Sinn, während der Reinigung Ablagerungen zu 100 % zu entfernen, wenn diese Leitung im Sanierungsfall erneuert wird.

Herr Tombers betonte in seinem Vortrag die Notwendigkeit das Grundstück bzw. die GEA ganzheitlich zu betrachten. "Das ganze Projekt muss immer in einem vernünftigen und finanzierbaren Kosten /Nutzen-Verhältnis stehen."

Besonderer Wert wird seitens des Planers auf die Qualifikation des Operateurs, der Ausstattung und der realistischen Dokumentation der GEA gelegt.
Seinen Vortrag schloss er mit dem Fazit, dass nur mit Hilfe der optischen Inspektion bei einem Großteil der Immobilien die Lage und der Zustand der Leitungen festzustellen ist.

Nur hierdurch besteht die Möglichkeit tote Leitungen oder überdeckte und verbaute Entwässerungsgegenstände aufzufinden. Anhand genauer Kenntnisse des Leitungsnetzes können nachfolgende Maßnahmen wirtschaftlich optimiert werden.
Nach einer kurzen Kaffeepause mit einem kleinen Imbiss konnten die Kamera-Hersteller ihre Systeme in der Theorie vorstellen. So zeigte Herr Dipl.-Ing. Christian Ferch von der Fa. SPECTO aus Lünen die Notwendigkeit von einer Systemkombination mit den Systemen "Göttinger ZK-Kanalwurm" und "Sidal" auf.

Dieses ermöglicht auf ideale Weise die Nachteile des einen Systems mit den Vorteilen des anderen zu kompensieren. In der Kombination kommt er somit der kompletten Untersuchung der GEA auch in der Praxis sehr nahe.

Herr Dipl.-Ing. Ulrich Jöckel von der Fa. JT-Elektronik aus Lindau stellte neben dem Kamerasystem "Lindauer Schere" auch eine neue Art der Dokumentation mit der Software "ASYS" vor. Sie ermöglicht die dreidimensionale Dokumentation, ohne zusätzliches Ortungssystem, so dass auch die Lage in der Z-Ebene automatisch ermittelt wird. Somit sind auch die exakten Tiefenlagen sowie das Gefälle des Leitungsabschnittes zu erfassen bzw. zu errechnen.
 
Als drittes System wurde von Herr Dipl.-Ing. Gerrit Knifka von der Fa. Ibak aus Kiel, das s. g. "Kieler Stäbchen" den Teilnehmer näher gebracht. Im Schiebe- oder Fahrwagenbetrieb kann die Schwenkkopfkamera vom Typ ORION L durch Drehen des Systems mit dem längenvariablen Stäbchen problemlos in die Abzweige einfädeln.

Vor der Mittagspause und der anschließenden praktischen Vorführung der vier Systeme stellte Fa. Schwarz-Umweltsysteme aus Bielefeld-Sennestadt den "AALigator" vor. Dieses abbiegefähige System reinigt und untersucht die Leitungen in einem Arbeitsgang.

Die praktische Vorführungen fanden an der frischen Luft auf dem Außengelände der Stadtwerke Schwerte statt. Hierfür wurde eigens eine Versuchstrecke aufgebaut und von allen Systemen nacheinander befahren. Die Teilnehmer konnte sich so ein eigenes Bild von dem Handling der einzelnen Kamerasysteme machen und auch die feineren Unterschiede selbst beurteilen.
In der anschließenden kontroversen Diskussion mit den Referenten und dem Ausblick auf den 3. Kanalcocktail fand die Veranstaltung am Nachmittag einen würdigen Abschluss.

Die GSTT Arbeitgruppe 5 "Güteüberwachung Grundstücksentwässerung" plant die nächste Veranstaltung mit dem Thema "Sanierungsverfahren" für den 31.08.2006.

Weitere Informationen rund um die Grundstücksentwässerung und den Kanalcocktail sind auf der Homepage www.kanalcocktail.de zu finden. Dort sind ebenfalls das Muster-LV und die Vorträge im PDF-Format zum downloaden hinterlegt.


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Dipl.-Ing. Frank Diederich
Beratender Ingenieur
Zertifizierter Kanalsanierungs-Berater
Königsberger Straße 15
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