Aktuelle Herausforderungen besser managen

24.01.2024

9. Kanalgipfel in Erfurt - Strategien, Management- und Organisationsansätze für eine Zukunftssicherung unserer Abwasserinfrastruktur zu diskutieren, dies stand im Mittelpunkt des 9. Kanalgipfels, der im letzten Jahr mit rund 150 Teilnehmern in Erfurt stattfand.

Er stelle bei seinen Gesprächen mit kommunalem Führungspersonal in vielen kleinen und mittelgroßen Gemeinden einen zunehmenden Fatalismus fest, so Dr. Robert Stein in seiner Begrüßung in der Zentralheize Erfurt, dem Veranstaltungsort des diesjährigen Kanalgipfel. Die Personalsituation führe vielerorts dazu, dass Netzbetreiber nur noch das Notwendigste realisieren und dass in manchen Betrieben die wenigen Mitarbeiter aus Überlastungsgründen auch noch kündigen.

„Der Lösungsansatz für diese Problematik kann niemals ein „Weiter so“ sein, sondern nur eine betriebliche und organisatorische Neuausrichtung des Betriebes“, sagte Dr. Stein. Hinzu komme als Herausforderung ein signifikanter Anstieg der erforderlichen Sanierungsaufgaben und die bauliche Anpassung der Siedlungsentwässerung an die veränderten klimatischen Bedingungen.

Lösungsansätze sieht Dr. Stein in der Automatisierung von Prozessen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz, in der Effizienzsteigerung durch den Einsatz leistungsfähiger Asset Management-Ansätze sowie durch das Outsourcen von Prozessen und der damit möglichen Konzentration auf die wesentlichen Aufgaben. Das Themenspektrum des diesjährigen Kanalgipfels umfasste die Aspekte Schwammstadt, Substanzerhaltungskonzepte, spartenübergreifendes Bauen, Investitionsbudgets und Gebühren, Performancemanagement, Projektträgerschaften, Recruiting und Mitarbeiterbindung.

Warnung vor Extremwetter

Die Auswirkungen von Extremwetterereignissen sind komplex. Neben der Vielfältigkeit der Wetterphänomene spielt auch die jeweilige Standortausprägung eine Rolle. Je nach topografischer Lage, natürlicher Umgebung und Nutzungsart treten verschiedene Wechselwirkungen mit der Umwelt auf. Vor diesem Hintergrund basiert der Forschungsansatz des vom BMBF geförderten Projektes „Exdimum“, über das Anne Schröter von Eurawasser berichtete, auf einem interdisziplinären Ansatz.

Ziel des Projektes in der Pilotregion Harz ist die Bildung von kurz- und langfristigen Prognosen, um Extremwetterereignisse frühzeitig zu erkennen und mit gezielten Handlungsempfehlungen ein solches Ereignis präventiv und reaktiv zu bewältigen. Unter anderem bedeutet das, vorhandene Retentionsräume steuern zu können und bauliche Maßnahmen zu identifizieren, um entstehende Schäden zu verhindern oder zumindest zu minimieren.

Die wissenschaftlichen Partner TU Braunschweig, CAU Kiel, TU Clausthal und die wirtschaftlichen Partner Eurawasser, Remondis Aqua Industrie, DSI Aerospace Technologie und Ameno arbeiten gemeinsam an einer ganzheitlichen Kombination von terrestrisch erhobenen Daten, Satellitenbildern und Geodaten. Durch die Verwendung von Modellierung auf multiplen Skalen unter Einsatz von künstlicher Intelligenz sollen die Ergebnisse aus den verschiedenen Datenquellen in Verbindung miteinander gebracht werden.

„Exdimum“ startete im Jahr 2022. Zwischenzeitliche Starkregenereignisse führten bereits zu vielversprechenden Zwischenergebnissen; die Projektdauer ist zunächst bis 2025 geplant.

Substanzerhaltungskonzept bestätigt

Der Stadtentwässerungsbetrieb Düsseldorf war im Jahr 2011 einer der ersten großen Netzbetreiber, der unter Mithilfe der S&P Consult GmbH, heute Stein Infrastructure Management GmbH (SIM), auf der Basis eines Alterungsmodelles eine Sanierungsstrategie für das Entwässerungsnetz der Landeshauptstadt Düsseldorf erarbeitete. Nach Ablauf von 10 Jahren sollte der Erfolg dieser Sanierungsstrategie überprüft und, falls erforderlich, angepasst werden. Aus diesem Grunde wurde erneut unter Mithilfe der SIM ein Alterungsmodel erstellt.

Die Ergebnisse dieser Überprüfung stellte Christian Klump vom Stadtentwässerungsbetrieb Düsseldorf vor. Danach hat sich der 2011 eingeschlagene Weg in Düsseldorf bestätigt. Die Substanz des Netzes habe sich signifikant verbessert. So bestehe beispielsweise aktuell kein erhöhter Sanierungsbedarf der Zustandsklassen 0+1. Auf Grund der positiven Netzsituation werde eine erneute Überprüfung der strategischen Sanierungsplanungen in Düsseldorf erst nach ca. 15 Jahren empfohlen, fasste Christian Klump zusammen.

Projektträgerschaft: Modell mit Zukunft

Dr. Christian Falk von der Stadtentwässerung Dortmund beschrieb die aktuellen Herausforderungen der Kanalnetzbetreiber mit dem Fachkräftemangel, den immer weiter verkomplizierten Genehmigungsprozessen und dem Mangel an gesellschaftlicher Akzeptanz gegenüber Kanalbaumaßnahmen, die vielfach nicht unterstützt und als Beitrag einer funktionierenden Infrastruktur, sondern als störend und unliebsam angesehen würden.

Zusätzlich ergäben sich, so Dr. Falk, aus dem Klimawandel zusätzliche Investitionsbedarfe zur Veränderung der Siedlungsentwässerung im Sinne einer Stärkung der Klimaresilienz. Einen Beitrag zur Bewältigung dieser Herausforderungen könne die Auslagerung der Planung und Umsetzung von Investitionsmaßnahmen an einen sogenannten Projektträger liefern. Das entsprechende aktuelle Beispiel der Stadtentwässerung Dortmund zeige, dass hierdurch eine Ausweitung der Investitionen bei Beibehaltung der städtischen Entscheidungshoheit für Umfang und Umsetzungsvariante der jeweiligen Maßnahmen erzielt werden kann.

Wie diese Projektträgerschaft in der Praxis funktioniert, zeigten Christoph Statetzni von der Gelsenwasser AG und Beate Borchardt von Stein Ingenieure. Bei diesem Modell werden seitens des Projektträgers nicht nur die klassischen Planungsleistungen gemäß HOAI und die örtliche Bauüberwachung erbracht, sondern darüber hinaus sämtliche Bauherrenfunktionen wie Abstimmungen mit Dritten oder die Vergabe von Bauleistungen, ebenfalls vollständig an den Projektträger übergeben.

Zum vollständigen Artikel geht es hier: B_I umweltbau 6/23

 

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