Ein mal zahlen - zwei mal nutzen - drei mal sparen: Grauwasser-Recycling im Hotel

13.08.2008

Wasser. Jeder Liter zählt. Auf der Wasseruhr, bei der Abwassergebühr, im Ökosystem. Hoteliers haben es in der Hand, hohen Verbrauch zu drosseln. Ausgereifte Technik ermöglicht die zweite Nutzung leicht verschmutzten Abwassers ohne jeden Komfortverlust.

Genussvoll gönnen sich Hotelgäste das gewisse Maß an Luxus und dezenter Verschwendung. Diese Freiheit soll sein und sie prägt auch den Wasserverbrauch. Kostbares Nass sprudelt gut und gerne im Doppelten bis Dreifachen der privat üblichen Mengen aus Duschköpfen und Wasserhähnen im Gästebereich. Privathaushalte lassen bundesdurchschnittlich 50 Liter Wasser pro Person und Tag durch Dusche, Badewanne und Waschbecken fließen. Im Hotel können 100 Liter und mehr die Regel sein.
Wäre Wasser billige Ware, würde sich weiteres Nachdenken erübrigen. Das Gegenteil ist der Fall. Für jeden Liter Leitungswasser zahlt der Abnehmer drei Preise, und alle drei sind hoch: die Kosten des Bezugs, der am Bezugsvolumen orientierte Abwasserobolus sowie die indirekten Beiträge zur Regulierung von Schäden im Naturhaushalt, die aus zunehmender Wassergewinnung und teilweise unzureichender Klärwerksleistung resultieren.
Wassersparen macht also Sinn und Sparpotenziale durch Mehrfachnutzung lassen sich am wirksamsten dort ausschöpfen, wo ein relativ stabiles Gleichgewicht besteht zwischen hohem Erstverbrauch einerseits und entsprechendem Bedarf für die Zweitnutzung andererseits. Hotels sind mustergültig in dieser Hinsicht und das maßgebliche Stichwort heißt 'Grauwasser-Recycling'. Nach anfänglichem Nischendasein im Privatbereich, markiert das Jahr 1996 den Beginn, diese Technologie auch im großen Stil einzusetzen. Schauplatz war damals das gerade erst fertiggestellte Arabella Sheraton im Stadtzentrum von Offenbach, ein 4-Sterne-Hotel mit 400 Betten.
Technik
Grauwasser-Recycling setzt voraus, dass die Grauwasserfraktion der Gebäudeabwässer durch ein separates Leitungsnetz erfasst und der Aufbereitungsanlage zugeführt wird. Die Verteilung des gereinigten Betriebswassers zu den Verbrauchsstellen bedarf ebenfalls eigener Versorgungsstränge. Der Arbeits- und Kostenaufwand für diese installationstechnischen Voraussetzungen ist bei Neubau oder grundlegender Renovierung natürlich am geringsten.
Die Grauwasseranlage an sich ist heute bei allen Herstellern als technisch ausgereiftes Serienprodukt im Angebot. Automatikbetrieb ist Standard. Durch modulare Bauweise kann sie auf den individuellen Kapazitätsbedarf zugeschnitten und, falls zu einem späteren Zeitpunkt erforderlich, auch erweitert werden. Aufbau und Funktionsweise ergeben sich aus der Kombination bewährter abwassertechnischer Verfahrensschritte. Sie sind mehreren, hintereinander geschalteten Behandlungskompartimenten zugeordnet, die das Grauwasser sukzessive durchläuft.
Nach Abtrennung grobstofflicher Verunreinigungen sedimentieren in einem ersten Behälter die mitgeführten Schwebstoffe. Manche Anlagen pumpen das Sediment automatisch ab und leiten es in die Kanalisation. Im dann folgenden Behandlungsteil findet die biologische Reinigung als kleinräumig konzentrierte Kopie dessen statt, was uns die Natur tagtäglich vormacht. Spezielle Kulturen von Mikroorganismen verstoffwechseln die verbliebene Schmutzfracht, wobei sie sich vermehren und somit als abbauaktive Kultur fortlaufend erhalten. Das nun gereinigte Wasser gelangt abschließend in einen Klarwassertank, der zugleich Vorlagebehälter für die Verbrauchsstellen ist.
Der Abzug des biologisch behandelten Wassers vom Bio-Kompartiment in den Klarwassertank erfolgt meist durch Membranfiltration und ist ein weiterer Reinigungsschritt. Eingetaucht in das Bio-Kompartiment saugen Membranmodule von dort sauberes Wasser ab. Die dabei verwendeten Ultrafiltrationsmembranen haben eine so geringe Porenweite, dass sie selbst Bakterien und einen erheblichen Teil der Viren zurück halten. Damit ist eine sichere Hygienisierung des Betriebswassers gegeben. Alternativ kann die Entkeimung auch mit einer UV-Bestrahlung im Ablauf der Betriebswasservorlage erfolgen. Die von einer Grauwasseranlage erzielte Wasserqualität entspricht den Anforderungen der EU-Badegewässerrichtlinie oder übertrifft diese sogar.
Über zwölf Jahre Betrieb
Es muss wohl einer jener besonderen Zufälle gewesen sein, die manchmal Zündfunke für einen Entwicklungssprung sind. Innovationsoffene Hotelmanager waren auf findige Techniktüftler aus der Wasserbranche getroffen, und dieses Zusammentreffen hatte Folgen. In der Tiefgarage des Hotels entstand auf der Fläche von etwa zwei Pkw-Stellplätzen die europaweit erste Großanlage, die Grauwasser aufbereitet und für einen zweiten Nutzzyklus zur Verfügung stellt. Sie ging Anfang 1996 in Betrieb. Unter Grauwasser verstehen Wasserprofis den nur leicht verschmutzten Abwasseranteil aus Dusche, Badewanne und Waschtisch. Er lässt sich mit geringem Technikaufwand so weit reinigen, dass die erneute Verwendung für WC-Spülung, Gebäudereinigung, Grünflächenbewässerung und sogar Wäschewaschen möglich ist. Mit der Entscheidung, eine Pilotanlage dieser Art zu installieren, hatte das Arabella eine wichtige Vorreiterrolle übernommen.
Nach über zwölf Jahren Laufzeit ist das Aggregat noch immer in Betrieb. Wie die technische Leitung im Arabella bestätigt, arbeitet es bis zum heutigen Tag zuverlässig und stabil. Das aufbereitete Wasser speist vorrangig die Toilettenspülungen. Überschüsse bewässern die Außenanlagen. Der regelmäßige Wartungsaufwand wird auf wöchentlich 30 Minuten beziffert, und einmal im Jahr erfolgt ein umfassender System-Check durch den Anlagenhersteller. Je Kubikmeter Recyclingwasser verbraucht die Anlage 1,0 bis 1,5 kWh Strom. Ihr Jahresdurchsatz unterliegt den Auslastungsschwankungen des Hauses und errechnet sich im Mittel der vergangenen drei Jahre auf 3.700 Kubikmeter. Den örtlichen Preis für Wasser und Abwasser zugrunde gelegt - derzeit 5 € pro Kubikmeter -, ergibt sich durch die zweite Nutzung des Wassers ein jährlicher Einspareffekt von knapp 20.000 €. Der Amortisationszeitraum betrug 6,5 Jahre, was aber nicht als repräsentativ gelten kann. Die Anlage hatte als individuell erstelltes Pilot-Unikat mit 72.000 € rund das Doppelte dessen gekostet, was gegenwärtig für ein Serienprodukt entsprechender Größenordnung zu veranschlagen ist.
Kosten
Eine Grauwasseranlage mit einer Tageskapazität bis etwa 10 m³ kostet zwischen 30.000 und 35.000 €. Hinzu kommen die Kosten des Installationsmehraufwands für separate Grauwasser- und Betriebswasserleitungen. Dieser Investitionsanteil hängt ab von den erforderlichen Leitungsstrecken und damit von der Gebäudestruktur sowie von den Preisen des beauftragten Handwerksbetriebs. Heutige Grauwasseranlagen laufen bedienungsfrei per Automatiksteuerung. Für geringfügige Wartungsarbeiten genügen einige wenige Stunden pro Monat. In welchen Intervallen und zu welchem Preis eine Generalinspektion fällig wird, ist bei den Herstellern zu erfragen. Ein Jahresturnus ist die Regel. Der Stromverbrauch kann mit maximal 2 kWh pro Kubikmeter Betriebswasser angesetzt werden.
Unter fünf Sternen
Ein Hightech-System modernster Bauweise arbeitet seit kurzem unter den 5 Sternen der nagelneuen Elbresidenz. Standort ist Bad Schandau in der Sächsischen Schweiz. Das Hotel liegt in unmittelbarer Ortskernnähe direkt an der Elbe und hat Platz für 380 Gäste. Es wurde im Spätsommer 2007 eröffnet. Medizinische Heil- und Wellness-Angebote werten den Aufenthalt in der Elbresidenz auf. Darüber hinaus stellt das Haus Tagungsräume und entsprechenden Service zur Verfügung.
Im Keller steht eine vollautomatische Grauwasseranlage des Systemanbieters GEP Umwelttechnik. Mit einer Tageskapazität von 2,8 Kubikmetern bewältigt sie den Grauwasseranfall und deckt im Zusammenspiel mit einer Regenwasseranlage den Bedarf der Toilettenspülungen. Was übrig bleibt, fließt in die Grünflächenbewässerung. Den Anlagenpreis für die Grauwasserkomponente gibt der Hersteller mit 16.250 € brutto an. Die Amortisationsphase soll nach 6,6 Jahren abgeschlossen sein, was aber neben der Grauwasser- auch die umfangreich dimensionierte Regenwasseranlage einschließt. Beide hatte GEP als integriertes Gesamtsystem geplant und geliefert.
Regeln
Grauwasser-Recycling unterliegt keinen bundesgesetzlichen Restriktionen. Anlagenbetreiber sind lediglich verpflichtet, ihr Wasserversorgungsunternehmen in Kenntnis zu setzen und die In- oder Außerbetriebnahme bei der örtlichen Gesundheitsbehörde anzugeben.
In installationstechnischer Hinsicht ist gemäß DIN-Reglement zu beachten, dass es zwischen Grauwasseranlage und Trinkwassernetz keine Querverbindung geben darf. Außerdem müssen alle Leitungen und Zapfstellen, die kein Trinkwasser führen, als solche gekennzeichnet sein. Als Hilfestellung für Planung und Betrieb, hat die fbr - Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung e.V. (www.fbr.de) das speziell auf Grauwasseranlagen zugeschnittene Hinweisblatt H 201 "Grauwasser-Recycling - Planungsgrundlagen und Betriebshinweise" entwickelt. Es kann über die fbr-Website bestellt werden.
Im Daten-Strom
Unter der Regie von GeoTerra in Aachen bekam kürzlich ein Hotel der britischen Stadt Doncaster eine Grauwasseranlage und - der Clou an der Sache - auch die laufende Betriebskontrolle erfolgt per Fernüberwachung in externer Regie. Die Anlage mit einer Tagesleistung von drei Kubikmetern wurde als erdeingebautes System außerhalb des Hotelgebäudes installiert. Sie behandelt das Duschwasser aus den 60 Gästezimmern und versorgt damit die WC-Spülungen. Überwacht wird sie mit Hilfe eines GSM-Modems, wodurch eine Vielzahl von Kontroll-, Alarm- Fehleranalyse- und Eingriffsmöglichkeiten besteht. Die Anlage kann per Telefonleitung vollständig von extern gesteuert werden.
Das Konzept hat sich bereits bei einer Funktionsstörung bewährt, die anhand der übermittelten Daten früh erkannt und korrekt analysiert werden konnte. So war es möglich, rechtzeitig einzugreifen und einen teuren Service-Einsatz zu vermeiden. Aufgrund guter Resultate mit der Anlagenfernüberwachung erwägen Betreiber und Hersteller den Umstieg auf eine 'Wartung nach Bedarf' gemäß Datenlage an Stelle der Wartung in festen Zeitintervallen. Eine deutliche Senkung der Betriebskosten wäre zu erwarten.
Die Zusammenschau vorliegender Fakten und Erfahrungen zeigt, dass das Grauwasser-Recycling im Hotel erhebliche Sparpotenziale erschließt. Jeder Kubikmeter aufbereiteten Betriebswassers ersetzt den Verbrauch von Trinkwasser in gleicher Höhe. Das spart erstens die Kosten des Trinkwasserbezugs, zweitens die daran gekoppelte Abwassergebühr und drittens die Umweltkosten, die sich aus zunehmender Übernutzung der Ressource Wasser ergeben. Zu diesen drei handfesten Spareffekten mag sich ein Sympathiegewinn addieren, wenn es gelingt, Gästen den betriebswirtschaftlichen und ökologischen Nutzen in geeigneter Weise nahe zu bringen.
Anbieter
Die Zahl der Systemanbieter in Deutschland ist überschaubar. Alle liefern Großanlagen unterschiedlicher Baugrößen. Das technologischen Design ist weitgehend identisch. Zum Service gehören immer auch umfassende Beratungs- und Planungsleistungen.

Kontakt

Tom Kionka (umwelTKommunikation)

97353 Wiesentheid

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