Projekt "Blaue Emscher". Projektmanagement-Lösung für den Neubau des Abwasserkanals entlang der Emscher

24.01.2007

Die Neugestaltung des Flusslaufs Emscher im Ruhrgebiet wird Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Allein der Bau des neuen Abwasserkanals von Dortmund bis zur Mündung der Emscher in den Rhein wird voraussichtlich von 2007 bis 2014 dauern. Auch die Komplexität des Vorhabens, das aus über 100 Teilprojekten besteht, muss bewältigt werden. Mit der Projektmanagement-Lösung Primavera Enterprise werden die zahlreichen Einzelprojekte gesteuert.

Das Flusseinzugsgebiet der Emscher bildet mit ungefähr 870 km² die Kernzone des Ruhrgebiets. Die aktive Gestaltung des Wandlungsprozesses dieses Lebensraums ist Inhalt des auf einen Zeitraum von 25 Jahren angelegten Programms „Emscher-Umbau“, an dem alle Gemeinden der Region, das Land Nordrhein-Westfalen und viele Unternehmen mitwirken. Der Emscher-Umbau ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Das Investitionsvolumen von 4,4 Milliarden Euro schafft bzw. sichert über die gesamte Laufzeit durchschnittlich 2 700 Arbeitsplätze.
Industriegeschichte formt eine Landschaft
Die Emscher-Region ist ein Symbol der Industriegeschichte Deutschlands. Durch den Kohleabbau entstanden ausgedehnte Bergsenkungsgebiete, die keinen natürlichen Abfluss in die Gewässer mehr haben. Ungefähr 38 Prozent der Gesamtfläche der Emscher- Region sind solche Poldergebiete, die über Pumpwerke entwässert werden müssen.
Die geologischen Bewegungen verhinderten während der Zeit des Kohlebergbaus die Führung von Abwasser in unterirdischen, geschlossenen Kanälen. Die 1899 gegründete Emschergenossenschaft installierte ein großflächiges System von offenen Schmutzwasserabläufen, so dass seit 1910 keine Abwässer mehr unkontrolliert im Boden versickern. Das Grundproblem der offenen Kanäle blieb aber aufgrund der Bergbautätigkeit bestehen.
Mit dem Ende des Untertagebaus ergaben sich neue Möglichkeiten für die Landschaftsplanung. Das ehrgeizige Ziel der Emschergenossenschaft ist, dass die Emscher sich zur naturnahen, blauen Lebensader eines Freizeit- und Erholungsraums wandeln soll. Dazu müssen alle Abwässer der Region in einem 51 km langen, unterirdischen Kanal vom Klärwerk Dortmund- Deusen bis zu den Klärwerken Bottrop und Emscher-Mündung geführt werden. Der lange Transportweg ist in drei Abschnitte gegliedert, an deren Ende jeweils ein Pumpwerk das Abwasser aus ca. 40 m Kanaltiefe wieder nach oben fördert.
Der neue Abwasserkanal bedient ein Einzugsgebiet von insgesamt 430 km2, in dem derzeit ca. 1,8 Millionen Menschen leben. Damit er mindestens 100 Jahre seine Aufgabe erfüllen kann, wurde er großzügig dimensioniert. Mit einem Durchmesser von bis zu 2,8 m kann die Röhre bis zu 30,5 m3 Abwasser pro Sekunde transportieren, der ermittelte aktuelle Bedarf beträgt ca. 25 m3 pro Sekunde.
Diese Dimensionen verdeutlichen, dass der Umbau des Emscher-Systems eine technisch hochkomplexe und anspruchsvolle Baumaßnahme ist. In gleicher Weise ist auch die Planung und das Projektmanagement eines solchen Vorhabens eine besondere Herausforderung.
Eine neue Dimension der Planung
Bauherr des gesamten Umbauprojekts ist die Emschergenossenschaft. Abhängig von der Planungsphase und der jeweiligen technischen Aufgabenstellung, sind an den einzelnen Planungsschritten über zehn Ingenieurbüros und Ingenieurgemeinschaften in wechselnden Vertragsbeziehungen Auftragnehmer der Emschergenossenschaft. Hinzu kommt eine ähnliche Zahl unabhängiger Gutachter für verschiedene Fachplanungen, wie beispielsweise die Begutachtung des Baugrunds anhand der Probebohrungen. In der Ausführungsphase wird die Anzahl der am Projekt beteiligten Unternehmen noch deutlich zunehmen. Zu den zahlreichen technischen Herausforderungen kommt der Wunsch nach einer möglichst schnellen Fertigstellung des Abwasserkanals. Erst mit seiner Inbetriebnahme kann die Vision von der „blauen Emscher“ Realität werden. Die Ablaufplanung muss aber zugleich die Abhängigkeiten aller Maßnahmen fehlerfrei berücksichtigen. Hierzu zählen auch die Verhandlung über Liegenschaftsbelange oder die Planfeststellungsverfahren.
Bauingenieur Björn Bauckhage von der Emschergenossenschaft ist für die übergreifende Terminplanung des gesamten Projekts verantwortlich. Allein das gerade begonnene Planfeststellungsverfahren veranschlagt er mit zwei Jahren. „Damit wir den Zeitplan einhalten können, beginnen wir beispielsweise jetzt schon mit der Ausführungsplanung der drei Pumpwerke und werden für diese auch den vorzeitigen Baubeginn beantragen“, erklärt er das strategische Vorgehen. „Bei einem so stark verdichteten Terminplan und den komplexen Abhängigkeiten dürfen bei der Terminabstimmung weder Unklarheiten noch Missverständnisse passieren.“
Bordmittel reichen nicht
Zu Beginn der Planung setzten die Ingenieure und Fachplaner marktübliche Bürosoftware zur Terminplanung ein. Damit konnten sie zwar für ihre jeweiligen Einzelbereiche Balkenpläne erstellen, aber nicht ihre Einbindung in das Gesamtprojekt modellieren. Eine aktive Projektsteuerung durch flexible Detailplanungen während des Projektablaufs wäre unmöglich gewesen.
Zur Lösung dieses Problems holte die Emschergenossenschaft Prof. Dr.-Ing. Hermann Hütter von der DS-Infra Consult & Management GmbH und Christoph Eckl, Geschäftsführer des Landshuter Unternehmens Inteco, ins Boot. Die Experten für das Management von Großbauprojekten empfahlen die im professionellen Anwendungsbereich führende Projektmanagement- Lösung Primavera Enterprise. Mit ihr können beliebig viele Einzelprojekte gleichzeitig individuell geplant und in den Gesamtzusammenhang von komplexen Megaprojekten eingebettet werden.
Primavera Enterprise verwaltet alle Projektdaten in einer einzigen, zentralen Datenbank, so dass es zu keinen Versionskonflikten oder Synchronisationsproblemen kommen kann. Alle Projektbeteiligten greifen in Echtzeit auf den gleichen Datenbestand zu. Mit einem Virtual Private Network (VPN) wird die Datensicherheit bei der Übertragung durch Verschlüsselung gewährleistet und den Anwendern zugleich an ihrem Arbeitsplatz die volle Funktionsfähigkeit des bei einem externen Dienstleister installierten Planungswerkzeugs an die Hand gegeben.
Projektstruktur bildet stabile Basis
Dreh- und Angelpunkt bei der Beherrschung komplexer Großprojekte ist der fachkundige Aufbau der Projektstrukturen. Als übergeordnetes Strukturierungsprinzip wählten die Experten die räumliche Anordnung der Bauwerke und Bauabschnitte. Die sonst übliche Gliederung des Gesamtprojekts nach den Phasen der HOAI setzten sie erst in tieferen Strukturebenen ein und ermöglichten so eine unabhängige Bauplanung einzelner Bauabschnitte.
Zugleich nutzten sie eine der Stärken von Primavera Enterprise: Mit den so genannten Vorgangs-Codes lassen sich beliebig viele zusätzliche Strukturen abbilden. Jeder Vorgang im Projektplan kann so beispielsweise zugleich einem Gewerk, einem Vergabelos, dem ausführendem Unternehmen oder dem Grundstückseigentümer zugeordnet werden.
Selbst in Großprojekten mit mehreren hunderttausend Vorgängen kann man dadurch mit Hilfe von entsprechend gesetzten Datenfiltern und Gruppierungen den Überblick behalten.
Für das Zusammenwirken der mehr als zwanzig Projektplaner an einem gemeinsamen Terminplan realisierte Christoph Eckl ein ausgeklügeltes Konzept für die Zugriffsrechte: Er legte die Organisationsstruktur der Projektbeteiligten in Primavera an und verknüpfte sie mit dem Projektstrukturplan. Gemäß seiner Rolle und seiner Position in der Organisationsstruktur kann jeder Planer nur seinen Verantwortlichkeitsbereich bearbeiten. Gleichzeitig kann er aber alle ihn betreffenden Terminpläne lesen.
Das individuelle Arbeiten im eigenen Zuständigkeitsbereich ist dadurch nicht aufwendiger als in einer Einzelplatzanwendung. Aber im Gegensatz zu dieser sieht jeder Projektbeteiligte bei Primavera Enterprise, wie seine Teilprojekte und Vorgänge im Zusammenhang des Gesamtprojekts eingebunden sind.
Den Faktor Zeit beherrschen
Da bei über hundert Teilprojekten und mehr als zehntausend Vorgängen einzelne Details nicht Jahre im Voraus geplant werden können, gleichzeitig aber die gesamte Projektlaufzeit im Blick behalten werden muss, erfolgt die Terminierung nach dem Prinzip der rollenden Planung.
Hierfür wird der Terminplan in drei Integrationsebenen aufgeteilt. Die oberste, strategische Planung legt die zeitliche Reihenfolge der Bauabschnitte und die wesentlichen Meilensteine bereits bis zum Projektabschluss fest. Die zweite, taktische Ebene plant den Ablauf der einzelnen Teilprojekte innerhalb dieses Rahmens mit einem Zeithorizont von mehreren Jahren. Erst auf der untersten, der operativen Ebene, erfolgt die Vorgangsplanung innerhalb der Teilprojekte mit dem jeweils erforderlichen Zeithorizont für die Bauausführung.
„Wir haben sehr sorgfältig alle Abhängigkeiten analysiert und daraus mit Primavera den optimalen Bauablauf konstruiert“, erklärt Björn Bauckhage das Vorgehen bei der Terminplanung. „Bei der Durchführung wird Manches anders kommen. Mit unserer Herangehensweise können wir aber flexibel sowohl auf begrenzte Änderungen als auch auf Verschiebungen im Gesamtplan reagieren.“
Diese Flexibilität und Effizienz des Terminplans wird durch Standardisierung der Teilprojekte mit Regelabläufen erreicht. Beispielsweise gibt es mehr als 100 Schachtbauwerke, deren Erstellung ein Volumen von jeweils über 1 Million Euro hat und die von verschiedenen ausführenden Unternehmen gebaut werden. Für gleichartige Abläufe dieser Art erarbeitete Prof. Dr.-Ing. Hermann Hütter in enger Abstimmung mit allen Beteiligten einheitliche Planvorlagen.
Zum einen beschleunigt es die Planung erheblich, wenn mit Standardvorlagen gearbeitet wird, die nur noch den individuellen Gegebenheiten angepasst werden müssen. Zum anderen modularisieren die Regelabläufe die Planung, so dass schnell Verschiebungen ganzer Teilprojekte möglich sind, ohne die Gesamtplanung zu sprengen. Die Einführung von Primavera Enterprise im laufenden Planungsverfahren stieß zunächst auf große Skepsis der beteiligten Ingenieure. Bereits nach einem Vierteljahr waren aber alle vom neuen System überzeugt. Anstelle des aufwendigen manuellen Vergleichs verschiedener Balkenpläne genügt nun ein Blick auf den zentralen Terminplan. Primavera übernimmt dabei den Service für jeden Anwender, nur die für ihn und sein Projekt relevanten Informationen aus dem Gesamtprojekt herauszufiltern. Der einzelne Planer arbeitet wie bei einem Einzelplatzsystem nur an seinen Projekten. Zugleich kann er sicher sein, immer im Einklang mit dem aktuellen Planstand des Gesamtprojekts zu sein. Mittlerweile können sich auch die größten Skeptiker nicht mehr vorstellen, auf den aktuellen und mit allen Beteiligten synchronisierten Terminplan auf Knopfdruck zu verzichten.
Für Björn Bauckhage ergibt sich daraus die klare Konsequenz: „Die Terminplanung mit Primavera wird für alle künftigen Auftragnehmer Vertragsbestandteil sein. Nur so können wir unsere ehrgeizigen Terminziele einhalten.“
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