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Teil 2: SIDAL checkt den Hausanschluss

29.10.2004

Neues Satelliten-Inspektionssystem kombiniert TV-Inspektion mit Dichtheitsprüfung Ein weißer Fleck auf der Karte der Stadtentwässerung ist vielerorts noch der Zustand der Hausanschlüsse. Mit dem von der IMS Robotics Gmbh auf der RO-KA-TECH 2004 in Leipzig vorgestellten System SIDAL läßt sich jetzt Licht ins Dunkel rechts und links der Hauptkanäle bringen. Die "Satellitenanlage für Inspektion und Druckprüfung von Anschlussleitungen" liefert nicht nur einen exakten optischen Befund, sondern ermöglicht es, den Anschlußstutzen im Hauptkanal samt Hausanschluß in beliebiger Länge auf Dichteit zu prüfen.

Als das IKT Institut für Unterirdische Infrastruktur unlängst in Gelsenkirchen Zwischenbilanz der nordrhein-westfälischen Selbstüberwachungsverordnung SüwVKan zog, fällte es über die 396 Gemeinden des Landes ein zwiespältiges Urteil. Zwar hatten die Kommunen zur Halbzeit des Prüzeitraums 73 % der öffentlichen Kanäle untersucht und ihr Soll damit übererfüllt. Andererseits bescheinigte die IKT-Studie eine bemerkenswerte Gleichgültigkeit gegenüber den Hausanschlußkanälen, um deren Zustand sich ein Großteil der Städte und Gemeinden bislang auch dann nicht kümmert, wenn sie laut Satzung in öffentlicher Verantwortung stehen oder sogar in die kommunale Vermögensbilanz eingestellt werden.
Nachholthema Anschlussinspektion
Im Ergebnis repräsentieren die Hausanschlusskanäle (zusammen mit den privaten Grundleitungsnetzen) den größten Inspektions-Nachholbedarf der gesamten Stadtentwässerung. Etliche Millionen Anschlußleitungen warten bundesweit auf einen erstmaligen Checkup. Wachsender Prüfungsbedarf resultiert auch aus der Einsicht, dass einer jüngeren Studie zufolge [ 1 ], viele Anschlusstutzen ans öffentliche Netz nicht nur vor, sondern auch nach ihrer Sanierung noch undicht sind. Auch ein optisch schöner Schein trügt also in vielen Fällen. Deshalb wird zunehmend gefordert, Anschlüsse im Rahmen von Qualitätssicherungsmaßnahmen systematisch auf Dichtheit zu prüfen. Zu den Vorreitern in dieser Frage gehört die Stadtentwässerung Göttingen (SEG).

In Kooperation mit der SEG haben daher die ZK Kanalprüftechnik, Wettstetten, und die IMS Robotics GmbH, Ottendorf-Okrilla, das Hausanschluß-Prüfsystem IMS-SIDAL entwickelt. Zielstellung der SIDAL-Entwicklung: Schaffung eines vom Hauptkanal aus einsetzbaren Systems, das zugleich für die TV-Inspektion und für die Dichtheitsprüfung geeignet ist ? und zwar in Anschlußleitungen wie in Hauptkanälen. Die erste einsatzfähige SIDAL-Einheit wurde jetzt auf der RO-KA-TECH 2004 in Leipzig vorgeführt. Sie besteht aus zwei miteinander verbundenen selbstfahrenden Doppelpackersystemen. Die in Fahrtrichtung vorn liegende Packereinheit ist mit einer Schwenkkopf-Frontkamera ausgerüstet, mit der sich eine TV-Inspektion des Hauptkanals durchführen läßt. Im übrigen läßt sich mit ihr eine Einzelmuffen-Dichtheitsprüfung mit Luft durchführen. Die über ein Zuggestänge angekoppelte zweite Einheit besteht ebenfalls aus einem Doppelpacker, enthält aber frontseitig einen "Göttinger Wurm", der als Satelliteneinheit bis zu 40 Meter weit in den Anschluss eingelenkt werden kann. Der Abbiegevorgang wird sowohl über die Heckkamera des ersten Packers als auch über die Schwenkkopfkameras des Wurms kontrolliert.
Vielseitig: Inspektion und Dichtheitsprüfung in Hauptkanal und Anschluss
Der Vortrieb des Satellitenwurms erfolgt wahlweise hydraulisch oder durch mechanischen Vorschub. Das eröffnet die Möglichkeit, mit dem Wurm den Anschluss vor der Inspektion zu reinigen. Zur Dichtheitsprüfung von Anschlüssen mit SIDAL werden erst die beiden Doppelpackersysteme beiderseits des Stutzens expandiert. Sie fixieren das System im Hauptkanal und stellen gleichzeitig sicher, dass der eigentliche Prüfraum zum Hauptkanal hin abgedichtet ist. Dann fährt der Satellitenwurm in der gewünschten Tiefe in den Anschluß ein ? beispielweise bis zur Grundstücksgrenze oder auch bis zum Revisionsschacht - macht dabei eine TV-Aufnahme und wird am Zielpunkt als Abperrblase zum druckdichten Verschließen der Leitung genutzt. Nun erfolgt eine gesamtheitliche Druckbeaufschlagung des Anschlusskanals samt Stutzen im Hauptkanal. Bei Bedarf kann diese Prüfung auch auf den unmittelbaren Stutzenbereich beschränkt werden ? etwa zur Abnahme einer Stutzensanierung, die damit zugleich optisch und durch Dichtheitsprüfung erfolgt. Da der Wurm im Grundleitungsnetz selbstständig in weitere Abzweige einbiegen kann, ermöglicht prinzipiell er eine optische Inspektion des gesamten Leitungsbestandes vom Hauptkanal aus.
Derzeit ist SIDAL auf einen Einsatz in Hauptkanälen DN 200 bis DN 600 (Kreisprofile) und in Anschlusskanälen DN 100 ? DN 250 für die optische Untersuchung ausgelegt. Die Dichtheitsprüfung ist in Hausanschlüssen DN 100-DN 150 möglich. Nachdem das System seine prinzipielle Funktionstauglichkeit bereits unter Beweis gestellt hat, soll es in den kommenden Monaten in Göttingens Kanalnetzen auf Herz und Nieren getestet werden. Auf den fünften Göttinger Abwassertagen im März 2005 werden nicht nur die technischen Einsatzerfahrungen im Umgang mit SIDAL ein Thema sein, sondern natürlich auch die durch das System zutage geförderten Erkenntnisse zur Dichtheit der Abwassersysteme.
Blitzstart: Erste SIDAL-Einheit bereits verkauft und gut gebucht
Kaum der Öffentlichkeit vorgestellt, wurde auch gleich die erste Einheit des neuen Systems verkauft. Erik Pamp, Inhaber des zur Pamp-Gruppe gehörenden Inspektionsunternehmens Specto GmbH, Lünen, sieht der Auslieferung des SIDAL-Fahrzeuges in der zweiten Oktoberhälfte mit großen Erwartungen entgegen: "Wenn man den Kunden gründlich erklärt, was das Gerät alles leistet, sehe ich überhaupt keine Probleme, dafür auch Aufträge zu bekommen." Der Optimismus ist nicht unbegründet: Specto hat nach Lieferung gleich umfangreiche Aufträge von Kommunen und Wohnungsbaugesellschaften abzuarbeiten, die dem Vernehmen nach bereits mindestens vier Wochen SIDAL-Vollauslastung sichern.
Auf lange Sicht wartet auf den Satellitenwurm noch sehr viel mehr Arbeit im Untergrund. Er ist wie geschaffen für die Untersuchung eines weiteren "blinden Flecks" der Stadtentwässerung: Deutschlands Stadt- und Fernstraßen entwässern über etliche Millionen Ablaufleitungen in Regen- oder Mischwasserkanäle. Wie es jedoch um die Dichtheit dieser Rohre und ihrer Schnittstellen zu den öffentlichen Kanälen bestellt ist, weiß bislang niemand. Es gibt also viel zu tun ? und SIDAL kann es anpacken.

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