4. Deutscher Schlauchlinertag 2006.Mehr Interesse denn je am Schlauchlining

21.04.2006

Mit über 500 Besuchern und etwa 40 Ausstellern übertraf der 4. Deutsche Schlauchlinertag am 30.03.2006 in Nürnberg die erfolgreichen Vorgängerveranstaltungen noch einmal deutlich. Der Besucherrekord in einem mit Kanalsanierungs-Fachveranstaltungen gesättigten Frühjahr freut nicht nur den Initiator Franz Hoppe und die Technische Akademie Hannover als Veranstalter; er belegt eindrucksvoll die wachsende Bedeutung der Schlauchlining-Technologie als solche, wie auch des Schlauchlinertages als Informationsforum für den Kanalsanierungsmarkt.

Dass auf die Schlauchlining-Technologie im Rahmen der Kanalsanierung nicht verzichtet werden kann, darüber dürfte in der Fachwelt Konsens bestehen. Eindrucksvoll schilderte Tom Sangster von Jason Consultings Genf, wie Schlauchlining in 35 Jahren den Markt erobert und seine technologische Basis erweitert hat. Es begann 1970 mit einem Verfahrenstyp. Wenn man alle heute bekannten Methoden von Material, Installationstechnik und Härtungsverfahren kombiniert, wären inzwischen über 500 unterschiedliche Schlauchlining-Varianten möglich.

Wirklich marktgängig sind vielleicht drei Dutzend Verfahren, aber sie konstituieren einen Markt, der sich im Übergang von der Wachstumsphase in einen Zustand der Reife befindet. Durchaus Anlass zu kontroversen Diskussionen in den Kongresspausen gab Sangsters Betrachtung zum Thema Wasserdichtheit: "Als gute Ingenieure sollten wir das Ziel verfolgen, den besten wirtschaftlichen Wert unserer Anlagen zu erreichen, und das bedeutet nicht völlig wasserdichte Systeme."

Das Thema Dichtheit bei Schlauchlinersystemen war ohnehin ein wichtiges Thema der Veranstaltung. Unterschiedliche Richtlinien, z.B DIN EN 1610, Anforderungen des DIBT’s und die sogenannte APS-Prüfrichtlinie geben Anlass dazu. Der Vortrag von Dipl.-Ing. Wilfried Günzel zu diesem Thema im begleitenden Forum warf einige noch nicht beantwortete Fragen auf.

Im Fokus des Kongresses stand letztlich der ausführliche, von Prof. Volker  Wagner durchgeführte Vergleich zwischen dem Merkblatt der DWA, sowie den Anforderungsprofilen der Stadt Hamburg und der Arbeitsgruppe Süddeutscher Kommunen (ASK). Wagner betonte, dass solchen Anforderungsprofilen in naher Zukunft besondere Bedeutung zukomme hinsichtlich der genauen Beschreibung des zu bestellenden Produktes, sei es in einem Leistungsverzeichnis oder als Vorgabe zu einem Teilnehmerwettbewerb.

Und Dipl.-Ing. Franz Hoppe, Hamburg, betonte in seinem Begrüßungsansprache den Schulterschluss zwischen den unterschiedlichen Anforderungsprofilen in dem Bestreben, Qualität sicher zu stellen und warnte vor dem Versuch, sie aufgrund punktueller Unterschiede gegeneinander auszuspielen.

Mit Fehlern und Fehlerquellen im Zusammenhang von Qualität und Preisverfall setzte sich auch Dipl.-Ing. Markus Vogel, Kappelrodeck, sehr pointiert auseinander. Als eine Ursache für die "kritische Situation der gesamten Branche" sah Vogel die Unfähigkeit vieler Netzbetreiber, Qualitätsansprüche zu definieren und dann auch noch durchzusetzen. Nicht unwesentlich ist dies auf die zunehmend ausgedünnte Personaldecke in den Kommunen zurück zu führen - die Handlungsfähigkeit der technischen Verwaltungen auch in Sachen Qualitätskontrolle wird kaputt gespart. Die Frage, was zu Lasten der Qualität gehe, beantwortete Vogel mit:
  • konträre Qualitätsdefinitionen
  • schlechte Planung
  • schlechte Ausschreibung und VOB-widrige Vergabe
  • schlechte Bauausführung und -überwachung
  • "Geiz-ist-Geil-Mentalität"

Im Übrigen stand der 4. Deutsche Schlauchlinertag 2006 maßgeblich im Zeichen des Austausches von Praxiserfahrungen. Sanierungsverantwortliche aus Nürnberg und Gevelsberg berichteten von Ihren umfangreichen Erfahrungen im Umgang mit dem Schlauchlining. Auch das Zukunftsthema Grundstücksentwässerung stand auf dem Konferenzprogramm. Ein Tenor in den Diskussionen war, dass die Schwierigkeiten, Qualität sicher zu stellen, im Zusammenspiel von ausführenden Unternehmen und völlig "ahnungslosen" Grundstückseigentümern eine noch weit größere Herausforderung darstellen dürften als beim Schlauchlining in öffentlichen Netzen.

Einig ist sich der Markt darüber, dass Qualität hier nur bei Beteiligung qualifizierter Ingenieure möglich ist; wie man deren Mitwirkung auf dem Grundstück aber verbindlich sicher stellen soll, dazu gab es auch In Nürnberg kein wirklich überzeugendes Rezept. Neben vielen guten Antworten nahmen die Teilnehmer also auch einige offene Fragen mit auf die Heimreise  - Fragen, die zugleich jede Menge thematische Ansatzpunkte für einen erfolgreichen 5. Deutschen Schlauchlinertag 2007 bieten.

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