Sanierung von Abwasserdruckleitungen mit Primus Line®: eine passgenaue Lösung

04.08.2023

Die Kanalisation gehört zu den bedeutendsten Errungenschaften unserer modernen Zivilisation – und fristet ein Dasein im Verborgenen. Selten machen wir uns darüber Gedanken, auf welchem Weg unser Abwasser in die Kläranlage gelangt und welcher Aufwand zur Reinigung nötig ist. Viele der Kanalsysteme sind bereits sanierungsbedürftig und vor allem die Sanierung von Abwasserdruckleitungen in den Kanalsystemen konfrontiert Städte und Gemeinden mit zahlreichen Herausforderungen. Eine passgenaue Lösung dafür bietet das grabenlose Sanierungsverfahren Primus Line®.

Viele Abwasserdruckleitungen haben eines gemeinsam: Sie gehören zur kritischen Infrastruktur der Betreiber. Leckagen müssen eliminiert werden, denn das Sickerwasser aus undichten Abwasserdruckleitungen birgt das Risiko von Umweltschäden sowie die Beeinträchtigung von Verkehrs- und Gebäudesicherheit. Damit verbunden sind erhebliche Kosten. Eine dauerhafte Sanierung ist deshalb essenziell.

Zu sanierende Abwasserdruckleitungen sind allerdings häufig schwer zugänglich. Sie verlaufen im dicht besiedelten Innenstadtbereich, in ökologisch wertvollen oder gar geschützten Gebieten, unter Flüssen, Gleisen oder Hauptstraßen. Diese Leitungen im Sanierungsfall außer Betrieb zu nehmen ist aufwendig. Vorranging für Betreiber ist deshalb eine kurze Bauzeit und schnelle Wiederinbetriebnahme. Neue Abwasserdruckleitungen sind im Regelfall bereits redundant ausgelegt, um bei einem Ausfall oder einer Reparatur den Abwassertransport aufrecht erhalten zu können. Bei älteren Leitungen ist dies nicht der Fall. Dann muss das Abwasser während einer Sanierung normalerweise abgepumpt und mit Lkws in die Kläranlage transportiert werden.

Störungen bei Druckleitungen kommen durch externe oder interne Korrosion zustande sowie durch mechanische Defekte wie undichte Verbindungsstücke oder Längsrisse. In vielen Fällen kann die Leitung noch der Verkehrslast standhalten, nicht mehr aber der Innendrucklast. Eine Sanierung mit anderen grabenlosen Methoden kommt für die Betreiber häufig nicht infrage: Deren Ausführung erfordert mehr Zeit, die Installationslängen sind begrenzt und Bögen nur eingeschränkt durchfahrbar.

Angesichts dieser Herausforderungen nutzen Betreiber von Abwasserdruckleitungen für Sanierungen immer öfter Lining mit eingezogenen Schläuchen. Dabei verbleibt ein Ringraum zwischen Liner und Altrohr. Wie bei Primus Line®.

Flexibel und schnell: Primus Line®

Aufgrund seiner Produkteigenschaften ist Primus Line® prädestiniert für den Einsatz zur Sanierung von Abwasserdruckleitungen. Das System besteht aus Liner und speziell entwickelten Verbindern. Der dreischichtige Aufbau des Liners – Innen- und Außenschicht aus Polyethylen (PE) oder Thermoplastischem Polyurethan (TPU), dazwischen eine Verstärkungsschicht aus Aramidfasern – machen den Liner flexibel und gleichzeitig extrem zugfest. Dank seiner Flexibilität kann der Liner im Leitungsverlauf standardmäßig Bögen von bis zu 45° passieren.

Da Abwasserdruckleitungen meist keine Abgänge besitzen, sind große Einzugslängen erforderlich. Mit Primus Line® sind bis zu 2.500 Meter am Stück möglich. Die Installation von Liner und Verbindern erfolgt über kleine Baugruben, üblicherweise an Start- und Endpunkt des zu sanierenden Abschnitts. Auch bestehende Schächte können für den Liner-Einzug genutzt werden. Dadurch entstehen nur geringe Auswirkungen auf die Umwelt – Verkehr kann weiter fließen oder geschützte Naturflächen werden kaum berührt. Die Einzugsgeschwindigkeit von bis zu zehn Metern pro Minute verkürzt die Gesamtinstallationszeit auf ein Minimum. Nach Montage der Verbinder und erfolgreicher Druckprüfung kann die Leitung wieder ans Netz.

Sollte es für die Betreiber aus Zeit- und Kostengründen nicht möglich sein, die Abwasserdruckleitung für eine befristete Zeit außer Betrieb zu nehmen, bietet die Rädlinger primus line GmbH eine weitere Lösung: Primus Line® Overland Piping kann als temporärer Bypass eingesetzt und hinterher wiederverwendet werden.

Geprüfte Qualität

Sicherheit ist beim Transport von belastetem Wasser wichtig. Die Rädlinger primus line GmbH verspricht bei Sanierungen eine Lebensdauer von mindestens 50 Jahren für ihr System aus Liner und Verbindern und untermauert diese Aussage durch strenge Qualifizierungsprüfungen, wie etwa zyklischen Belastungs- oder Abrasionstests.

Beim Belastungstest in Anlehnung an die Norm ISO 15306 wird auf den zu testenden Liner und die Verbinder eine zyklische Belastung von 75 bis 125 Prozent des maximalen Betriebsdrucks aufgebracht, um deren Auswirkung auf den Berstdruck zu überprüfen. Das Ergebnis nach einer Million freier Zyklen: Ein Effekt der wechselnden Innendruckbelastung auf den Berstdruck des Primus Liners ist nicht nachweisbar. Das Material zeigte nach diesem Test keinerlei Alterungserscheinungen.

Beim Abrasionstest wird in Anlehnung an die Norm DIN EN 295, Anlage 1, dem sogenannten „Darmstädter Verfahren“, ein Gemisch aus Wasser und Materialien unterschiedlicher Körnung auf der Liner-Innenschicht hin und her bewegt. Dazu wird eine Halbschale des zu testenden Liners in einer Kipprinne befestigt. Auch hier ist das Ergebnis nach 600.000 Zyklen überzeugend: Die aus Polyethylen bestehende Innenschicht des Primus Liners ist abriebfest.

Durch die Materialtests in Kombination mit einer lückenlosen werkseitigen Qualitätskontrolle erhält der Betreiber ein sicheres und hochwertiges Produkt für seine Anwendung.

Zeit- und kostensparende Alternative

Zum Sanieren von Abwasserdruckleitungen in herkömmlicher offener Bauweise sind grabenlose Systeme mit Ringraum wie Primus Line® eine zeit- und kostensparende Alternative. Produkt- und Materialeigenschaften entlasten die Betreiber von Abwasserdruckleitungen durch kurze Installationszeiten und schnelle Wiederinbetriebnahme.

Die Vorteile der Primus Line® Technologie sind auch auf Sanierungen im Trinkwasserbereich übertragbar. Das System ist in mehr als zwanzig Ländern für Trinkwasseranwendungen zugelassen.

Druckprüfung von Abwasserdruckleitungen in Bayern ab 2024 verpflichtend

Etwa 10 % der Schmutz-, Misch- und Regenwasserkanäle in Bayern sind Abwasserdruckleitungen. Diese müssten bereits nach der derzeit gültigen Eigenüberwachungsverordnung (EÜV) auf Dichtheit überprüft werden. Bisher fehlte allerdings ein entsprechendes Prüfverfahren. Das Potenzial unentdeckter Leckagen ist somit hoch – mit den bekannten Auswirkungen auf die Umgebung.

Die Hochschule Augsburg (HSA) hat im Auftrag des Bayerischen Landesamts für Umwelt ein standardisiertes Verfahren entwickelt, das sogenannte HSA-Normalverfahren. Wenn in der 2024 erscheinenden Neufassung der EÜV die Überprüfung der Dichtheit von Abwasserdruckleitungen explizit gefordert wird, steht nun also ein entsprechendes Prüfverfahren zur Verfügung. Auch andere Bundesländer wie etwa Nordrhein-Westfalen arbeiten an der Anpassung der entsprechenden länderspezifischen Eigenüberwachungsverordnungen.

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