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Kanalsanierung auf St. Pauli: 515 Meter Schlauchliner im Eiprofil

13.04.2005

940 Kilometer gemauerter Siele bilden das historische Rückgrat des Abwassernetzes in der Hamburger City. Bei der präventiven Sanierung der bis zu 160 Jahre alten Bauwerke spielen seit 1996 Schlauchlining-Verfahren eine zentrale Rolle. Allein das KM INLINER®-Verfahren sanierte bislang rund 40 Kilometer der alten Hamburger "Klasse-Siele". Was inzwischen möglich ist, zeigt eine spektakuläre Installation in Hamburg-St-Pauli durch KMG Rohrtechnik im Frühjahr 2004.

Das in den 80er Jahren entwickelte KM INLINER®-Verfahren basiert auf Polyesternadelfilz-Linern, die im Standardfalle mit UP-Harzen getränkt sind und mit Heißwasser ausgehärtet werden. In Hamburg gehört KM INLINER® zu den "Verfahren der ersten Stunde"; gerade die hier gemachten Erfahrung mit Einsätzen in teils recht ungewöhnlichen Dimensionen haben maßgeblich zur technischen Weiterentwicklung von KM INLINER® beigetragen. Zu den in Hamburgs Sielen wurzelnden Neuerungen, die inzwischen bundesweit eingesetzt werden, gehört die pneumatische Unterstützung beim hydraulischen Aufstellen des Liners im Rohr.
In Eiprofilen großer Nennweiten und Längen besteht die technische Herausforderung darin, den Liner gegen sein erhebliches Eigengewicht faltenfrei im Siel aufzustellen. Zu diesem Zweck wird er nach dem Einziehen über eine Druckschleuse in der Wassersäule über dem Schacht zuerst einmal schrittweise mit Luftdruck aufgestellt. In diesem Vorgang zieht sich der Liner in die richtige Position, in der man ihn schließlich über die Druckschleuse mit Wasser flutet, das ihn formschlüssig mit dem erforderlichen Druck an die Sielwandung preßt. Mit solchen technischen Kunstgriffen lassen sich inzwischen größte Linerlängen und -gewichte handhaben. Dadurch wird dem Sanierungsplaner eine wichtige Option eröffnet, die gerade unter Bedingungen wie in der Hamburger Innenstadt von Bedeutung ist: Man kann ganze Straßenzüge von wenigen zentralen Punkten aus über mehrere Haltungen hinweg aus abarbeiten. So lassen sich Start- oder Zielschächte überfahren, die ansonsten erhebliche Verkehrsbehinderungen hervorrufen würden oder anderweitig problematisch sind. Ganz abgesehen davon, dass ein Liner über vier Haltungen hinweg deutlich schneller eingebaut ist als vier Liner in jeweils eine Haltung.
Genau dieser Fall lag im Frühjahr 2004 in Hamburg-St.Pauli vor. Die vierspurige Feldstraße ist eine vielbefahrene Verkehrsachse in Hamburg und wird auch von Fußgängern stark frequentiert. Der Eingang zum "Hamburger Dom", der größten norddeutschen Kirmes, liegt ebenso in unmittelbarer Nähe wie das Fußballstadion des FC St.Pauli am Millerntor und eine U-Bahn-Station. So schnell und so grabenlos wie irgend möglich zu arbeiten, war deshalb strikte Vorgabe der Hamburger Stadtentwässerung für die Sanierung des rd. 100 Jahre alten Klasse-VI, Alt-Siels unter der Feldstraße.
Die Abwicklung des spektakulären Projekts begann mit der nächtlichen just-in-time-Anlieferung eines 22,5 Tonnen schweren Liners, dem ersten dieser Maßnahme, der eisgekühlt im 30-Fuß-Spezialcontainer von der Fertigungsanlage in Ostwestfalen geliefert wurde. Am Vormittag des 20.04.04 begann mit Hilfe eines Schwerlastkranes der Einbau des Liners über eine Gesamtlänge von 260 Metern, das samt Einbringen von Vor- und Rücklaufschläuchen für den Wasserkreislauf rund 12 Stunden in Anspruch nahm. Weitere 2 Stunden dauerte das pneumatisch-hydraulische Aufstellen des Schlauches mit rund 24 Millimeter Wanddicke im Siel. In den Abendstunden des 20.04.2004 konnte der wassergefüllte Liner schließlich an eine mobile Heizanlage am Startschacht angeschlossen werden. Die ganze Nacht und auch noch den folgenden Tag hindurch kreisten rund 3.500 Kubikmeter Wasser durch den Liner und die Heizung. Am 22.04 konnte man die Wasserfüllung schließlich über rund 12 Stunden planmäßig herunterkühlen und schließlich das Prozesswasser aus dem vollständig gehärteten Liner ablassen. Einen weiteren Tag nahmen die notwendigen Nacharbeiten wie das Öffnen an den Schachtbauwerken Seitenzuläufen in Anspruch. Am 23.4., nach nur vier Tagen Bauzeit, nahm das neue alte Siel unter der Feldstraße seinen Betrieb wieder auf.
Für die Betriebsstätte NORD der KMG Rohrtechnik, die 2003 rund 10 Kilometer KM INLINER® in der Hansestadt einbaute, war das Projekt Feldstraße auch ein neuerlicher Erfolg des hausinternen Qualitätsmanagementsystems, das man 2002 unter dem Titel "Teamprojekt Hamburg" installiert hat. Dieses Organisationsmodell setzt auf strikte Arbeitsteilung mit exakter Definiton von Zuständigkeiten und Schnittstellen. Ein System detaillierter, zweimal wöchentlich gegengezeichneter Checklisten sorgt seit seiner Einführung zuverlässig dafür, dass man in der Projektabwicklung zumindest vor vermeidbaren Überraschungen sicher ist.

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