Instandhaltung von Kanalisationen / Hrsg.: Prof. Dr.-Ing. Stein & Partner GmbH / Redaktion: D. Stein, R. Stein (2001)

Kanaldatenbanken

Die Vielzahl und die zu erwartende Vielfalt der unterschiedlichen Daten (Inspektionsdaten, Bestandsdaten) erfordern die Dokumentation mit Hilfe von

  • Kanaldatenbanken oder
  • GDV-gestützten Kanalkatastern.

Unter dem Aspekt einer koordinierten und zukunftsorientierten Kanalinstandhaltung stellt die Kanaldatenbank (KDB) ein optimales Arbeitswerkzeug zur Dokumentation und Aktualisierung von Bestandsdaten und Inspektionsergebnissen dar. Sie bietet in alphanumerischer Form die Grundlage für den Lagenachweis, die Planung, den Bau, den Betrieb und den Unterhalt des Kanalnetzes und ist somit Hilfsmittel zur Instandhaltung und Anlagenüberwachung. Durch die entsprechende Eingliederung von Anwendungsprogrammen, wie z.B. Statistik, hydraulische Netzberechnungen, Wertermittlung oder Zustandsbewertung, bildet sie ein optimales Werkzeug für eine ingenieurmäßige, planungsbezogene Berarbeitung der gewonnenen Inspektionsergebnisse im Hinblick auf erforderliche Schadensbehebungskonzeptionen.

Zur Überprüfung der Daten und einer optimalen Weiterverarbeitung ist nach den heutigen technischen Möglichkeiten eine grafische Darstellung zwingend notwendig [Peche91a] . Realisiert wird diese Form der Dokumentation der Daten durch ein GDV-gestütztes Kanalkataster, das durch eine entsprechende Schnittstellenkonfiguration mit vorhandenen Kanaldatenbanken gekoppelt werden kann. Definiert wird es als eine umfangreiche Sammlung von grafischen und alphanumerischen Daten, die für eine Dokumentation des Bestandes und Zustandes eines Kanalnetzes sowie dessen Fortschreibung und Aktualisierung notwendig ist [Schüt] .

In der Datenbasis werden alle erhobenen Daten zentral gespeichert und zum schnellen und gezielten Abruf bzw. zu Auswertungszwecken vorgehalten. Durch das Zusammenführen sämtlicher Daten können Mehrfachspeicherungen von Informationen (Redundanzen) bzw. das manuelle Führen unterschiedlicher, zeitlich überholter Daten ausgeschlossen werden. Für die Abspeicherung der Daten werden vorzugsweise relationale Datenbanksysteme eingesetzt [Sawat94] .

Ein interaktiver Zugriff auf die Datenbank aus einer grafischen Oberfläche heraus gewährleistet eine einfache und zielorientierte Bearbeitung und Abfrage aller erhobenen Datensätze [Schüt] . Zusätzlich können aufgrund einer getroffenen Ebenendifferenzierung durch die mögliche Selektion von Daten thematische Karten für unterschiedliche Verwendungszwecke erstellt werden [Stein92b] .

Der Einsatz eines Kanalkatasters ist überall dort von Vorteil, wo Anwendungen mit großen Datenmengen und notwendig kurzen Zugriffszeiten auf Daten vorliegen und gleichzeitig eine übersichtliche Datenverwaltung mit hohem Benutzerkomfort verlangt wird [ATVA145] .

Das Kanalkataster ist somit gekennzeichnet durch die Verknüpfung von Daten, Texten und Bildern mit ihrer geografischen Lage zu einer Informationseinheit. Zusammen mit dem Indirekteinleiterkataster, das zur Überwachung der Abwasserableitung aus industriellen und gewerblichen Betrieben dient (Tabelle 4.6.2-1) , wird es auch als Abwasserkataster bzw. Kanalinformationssystem bezeichnet [Sawat94] [FI-DWInf] .

 
Tabelle 4.6.2-1: 

Mögliche Inhalte eines Indirekteinleiterkatasters [FI-DWInf]

Allgemeine Angaben und Daten zu:
  • Betrieb
  • Betriebsstätte
  • Betriebseinheit
Angaben zur Produktion bzw. Dienstleistung:
  • Beschreibung der Produkte / Dienstleistung
  • Stoffbetrachtung Einsatzseite
  • Stoffbetrachtung Produktseite
  • Abfälle
Angaben zur Wasserversorgung:
  • öffentliches Netz
  • Eigenwasserversorgung
  • Wasseraufbereitung
Angaben zur Abwasserbehandlung:
  • Jahresschmutzwasser
  • Abwasservermeidungstechnik ⁄ Kontrolle
  • Abwasserteilstrombehandlung
Meßergebnisse und Grenzwerte:
  • Überprüfungsintervall
  • Schadstoffparameter
  • Grenzwertüberschreitungen

Eingebunden werden kann ein Kanalinformationssystem in ein sogenanntes Geografisches Informationssystem (GIS). Darunter ist der Sammelbegriff für Informationsverarbeitungssysteme zur Erfassung, Verarbeitung, Verwaltung und Nutzung raumbezogener Daten zu verstehen. Ein solches GIS bildet den Grundstein für ein umfassendes Informationssystem, das neben den städtebaulichen Fragen, die Umweltplanung, den Tiefbau, die Vermessung sowie die Integration der Ver- und Entsorgungswirtschaft umfaßt. Geografische Informationssysteme ermöglichen, basierend auf einer zentralen Datenbank, den Aufbau umfassender und übergreifender Bestandsdokumentationen und Betriebsinformationssysteme, die den wachsenden Anforderungen der Leitungsbetreiber, dem Informationsbedarf der Gebietskörperschaften und den für die Sicherheit und den Umweltschutz zuständigen Stellen entsprechen [Kuhn92] [Frasc89] .

Instandhaltung von Kanalisationen / Hrsg.: Prof. Dr.-Ing. Stein & Partner GmbH / Redaktion: D. Stein, R. Stein (2001)