Instandhaltung von Kanalisationen / Hrsg.: Prof. Dr.-Ing. Stein & Partner GmbH / Redaktion: D. Stein, R. Stein (2001)

Verdrängungsverfahren

Bei den Verdrängungsverfahren wird ein Verdrängungskörper, dessen Außendurchmesser entsprechend der aufzubringenden Schichtdicke kleiner ist als der Innnendurchmesser der zu beschichtenden Leitung, zentrisch durch die jeweilige Haltung gezogen oder gedrückt. Der in Arbeitsrichtung vor ihm befindliche Beschichtungsstoff gelangt in den Ringspalt zwischen Leitung und Verdrängungskörper und wird von diesem gegen die Rohrinnenwandung gepreßt.

Die bekanntesten Verdrängungsverfahren - Tate- und Situment-Verfahren - wurden Anfang der 30er Jahre in Australien für die Beschichtung von Wasserleitungen entwickelt [Atkin50] [Feldt74] [Holts72] . Neuere Verfahren für diese Anwendungsbereiche werden in [Kurum89] beschrieben.

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Bild 5.3.1.7-1:  Prinzipdarstellung des Tate-Verfahrens in Anlehnung an [Maidl81] [Quelle: Prof. Dr.-Ing. Stein & Partner GmbH]

Im Abwassersektor fand bisher nur das Tate-Verfahren Anwendung. Es arbeitet mit einem Verdrängungskörper in Kombination mit einem Preßkolben. Als Beschichtungsstoff dient Zementmörtel, der in vordosierter Menge zwischen Preßkolben und Verdrängungskörper eingefüllt wird. Beim Durchziehen des letzteren durch die Rohrleitung und bei gleichzeitigem Gegendruck durch den Preßkolben wird der Zementmörtel an die Rohrinnenwand gepreßt und verstrichen, so daß im Endzustand eine Schichtdicke von ca. 5 mm entsteht (Bild 5.3.1.7-1) .

Das Tate-Verfahren kann nach [Ratta71b] bei Guß-, Stahl- oder Betonleitungen im Nennweitenbereich DN 75 bis DN 600 in Abschnitten von 25 bis 90 m eingesetzt werden.

Schwierigkeiten treten bei der Zentrierung des Gerätes auf; sie können zu einer ungleichmäßigen Ausbildung der Schichtdicke am Umfang führen.

Beim Tate-Verfahren werden die zuvor abgesperrten Anschlußkanäle entweder im frischen Zustand freigesaugt oder nachträglich aufgebohrt [ZTVSIB90] . Beide Möglichkeiten sind in der Praxis nur schwierig zu realisieren, so daß der Regelfall die nachträgliche Herstellung der Einbindung in offener Bauweise ist.

Bezüglich der Einsatzbeschränkungen dieses Verfahrens gelten die Ausführungen des (Abschnitt 5.3.1.6) .

Größere Fehlstellen sind vorzubehandeln (Abschnitt 5.3.1.4) . Inhomogenitäten des Mörtels sowie der zu beschichtenden Rohrinnenfläche wirken sich nachteilig auf die Haftung des frisch aufgebrachten Mörtels aus.

Instandhaltung von Kanalisationen / Hrsg.: Prof. Dr.-Ing. Stein & Partner GmbH / Redaktion: D. Stein, R. Stein (2001)