Instandhaltung von Kanalisationen / Hrsg.: Prof. Dr.-Ing. Stein & Partner GmbH / Redaktion: D. Stein, R. Stein (2001)

Vollauskleidung

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Bild 5.3.2.5.3-1:  Vollauskleidung mit PVC- Stegfolie. Lage der Entspannungsfuge bei radialer Steganordnung [FI-Fried]

Bei einer Vollauskleidung wird der gesamte Rohrinnenumfang der zu sanierenden Haltung mit einer Auskleidung versehen.

Neben der Unterteilung mit/ohne Ringraumverfüllung kann unterschieden werden zwischen

  • Vollauskleidungen ohne Außenwasserdruckbelastung und
  • Vollauskleidungen mit Außenwasserdruckbelastung.

Bei der erstgenannten Variante tritt entweder kein Außenwasserdruck auf oder er wird sicher durch konstruktive Maßnahmen, z.B. durch Anordnung von Entwässerungsöffnungen zum Rohrinneren, entspannt. Bei der Verwendung von PVC-Stegfolien ist bei radialer Steganordnung eine Entspannungsfuge im Sohlenbereich anzuordnen (Bild 5.3.2.5.3-1) . Bei axialer Steganordnung wird das Wasser entlang der Stege zu Querdränagen geführt und dort durch Entspannungsöffnungen im Sohlenbereich abgeleitet. Durch die Herstellung solcher Entspannungsöffnungen und -fugen wird die Dichtwirkung der Auskleidung aufgehoben. Bei der zweiten Variante muß die Auskleidung in der Lage sein, den vollen Außenwasserdruck aufzunehmen.

Die o.a. Systeme für die Auskleidung des Gasraumes sind grundsätzlich auch für die Ausbildung einer Vollauskleidung geeignet, sofern sie in der Lage sind, die Anforderungen nach (Tabelle 5.3.2.5.3-1) zu erfüllen. Dies betrifft auch die Steinzeug-Platten sowie Steinzeug-Plattenelemente (Abschnitt 5.3.2.5.1) .

 
Tabelle 5.3.2.5.3-1: 

Druckprüfung für nichtselbsttragende Auskleidungen: Prüfwerte [DIBt96]

Zeile Prüftemperatur
[° C]
Prüfdauer (Mindeststandzeit)
[h]
Prüfdruck Aufwölbung durch Außendruck
[mm]
bei druckloser Anwendung
[bar]
bei Außendruck
[bar]
1 20 1 3 · 0,5 = 1,51)2) 5 · Außendruck
2 20 1000 3 · Außendruck ≤ 2 mm + 1 % DN
1) Faktor 3 zur Berücksichtigung des Zeitstandverhaltens
2) 0,5 bar für Verlegetiefen bis 5 m

In (Bild 5.3.2.5.3-2) , (Bild 5.3.2.5.3-3) , (Bild 5.3.2.5.3-4) und (Bild 5.3.2.5.3-5) werden beispielhaft Vollauskleidungen verschiedener Systeme gezeigt.

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Bild 5.3.2.5.3-2:  Vollauskleidung eines Kreisquerschnittes mit BKU-GFB-Fertigteilen [FI-Fried]
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Bild 5.3.2.5.3-3:  Vollauskleidung eines überhöhten Eiquerschnittskanal mit Steinzeug-Plattenelementen (KeraLine-System) [FI-Kunsta]
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Bild 5.3.2.5.3-4:  Vollauskleidung mit PE-HD-Noppenbahn (Verschweißen der Stöße) [Ohage97]
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Bild 5.3.2.5.3-5:  Vollauskleidung eines Eiquerschnittkanals mit Glasfaserbeton-Fertigteilen und PVC-U-Stegprofilen (BKU-GFB-Fertigteile) [FI-Fried]
 

Bezüglich der Montage der einzelnen Systeme sowie der Wiederherstellung der Einbindungen von Anschlußkanälen wird auf die entsprechenden Ausführungen bei der Teilauskleidung verwiesen. Bei Verwendung von Platten und Bahnen aus Kunststoff mit intergrierten Verankerungselementen können diese auch werkseitig zu nichtselbsttragenden Rohrabschnitten mit entsprechenden Verbindungsprofilen vorgefertigt werden (Bild 5.3.2.5.3-6) (Bild 5.3.2.5.3-7) [FI-Steul] [NN91b] .

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Bild 5.3.2.5.3-6:  Auskeidungsplatten System Bekaplast [FI-Steul] - Werkseitig hergestelltes, nichtselbsttragendes Rohr mit angeschweißter Steckmuffe
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Bild 5.3.2.5.3-7:  Auskeidungsplatten System Bekaplast [FI-Steul] - Verschweißen der Rohrstoßfuge im Kanal
 

Spezielle Entwicklungen für Vollauskleidungen, die nachfolgend gesondert vorgestellt werden, sind z.B.:

Instandhaltung von Kanalisationen / Hrsg.: Prof. Dr.-Ing. Stein & Partner GmbH / Redaktion: D. Stein, R. Stein (2001)